Balkonkraftwerke im Aufwind

"Demokratisierung der Stromerzeugung" – Solarenergie boomt auch in Hessen

Die bislang größte PV-Anlage im Landkreis Fulda befindet sich in Eichenzell
Archivfoto: RhönEnergie Gruppe

26.07.2026 / REGION - Die Solarenergie ist ein wachsendes Geschäft in Deutschland. Immer mehr Privatpersonen nutzen die Möglichkeit, mit Solarmodulen den eigenen Strombedarf zu unterstützen, nach Möglichkeit sogar zu decken. Doch welche Bedeutung haben private PV-Anlagen heute und was macht sie so attraktiv für den Endverbraucher?



Ob Großanlage oder Balkonkraftwerk – Solarenergie boomt in Deutschland. Nachdem sich der Ausbau in der Mitte der 2010er Jahre schwertat, ist der Zuwachs in den vergangenen drei Jahren enorm angestiegen. Mit gut 16,6 Gigawatt neuem Solarstrom im Jahr 2025 verpasste man das Rekordjahr 2024 (17,2 Gigawatt) zwar knapp, der Trend zeigt jedoch nach wie vor steil nach oben.

Preise sinken, die technische Qualität steigt und auch Balkonkraftwerke haben den Solarhype weiter angefeuert. So kamen im Jahr 2025 fast 450.000 Balkonkraftwerke in deutschen Haushalten hinzu, die mittlerweile einen wesentlichen Anteil am jährlichen Zubau haben. Sie versprechen einen unkomplizierten Einstieg in die eigene Energieerzeugung und weniger bürokratische Hürden.

Hessen im Solarausbau vorne mit dabei

Der rasante Ausbau an PV-Anlagen nahm auch vor Hessen kein Halt. Dies bestätigt auch Dr. Volker Nies, Pressesprecher der RhönEnergie Gruppe: "In den vergangenen Jahren war die Entwicklung regelrecht stürmisch. Allein in unserem Netzgebiet sind im vergangenen Jahr 4350 neue Anlagen ans Netz gegangen. Damit speisen jetzt Insgesamt 26.700 PV-Anlage Strom in unser Netz ein. Im bundesweiten Vergleich ist unsere Region ganz vorne mit dabei." Die RhönEnergie Gruppe ist dabei selbst einer der größten Anbieter, der bei Kunden PV-Anlagen auf dem Dach montiert – und vielleicht gleich den Speicher im Keller dazu.

Ein ähnliches Fazit ziehen auch die Stadtwerke Hersfeld. So befinden sich mittlerweile 2.168 Erzeugungsanlagen in der Region am Netz. Ein großer Teil des Zuwachses ist auch hier auf Balkonkraftwerke zurückzuführen, wie das Unternehmen auf Nachfrage mitteilt. "Circa 16 Prozent des Netzumsatzes in Bad Hersfeld werden bereits aus dezentralen Photovoltaikanlagen erzeugt", wie die Stadtwerke schriftlich mitteilen.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Im bundesweiten Vergleich ist Hessen auf den vorderen Rängen angesiedelt. Mit rund 27.000 neuinstallierten Anlagen lag Hessen auf dem fünften Platz hinter Niedersachsen, verzeichnete jedoch hier auch einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Spitzenreiter bundesweit ist Nordrhein-Westfalen mit knapp 81.000 Anlagen im Jahr 2026. Mit Blick auf die 25 Landkreise belegt Fulda gemessen an der hinzugewonnenen Leistung in Megawatt den vierten Platz, der Main-Kinzig-Kreis Platz sechs und Hersfeld-Rotenburg Platz zehn.

Stärkere Unabhängigkeit der Verbraucher als zentrales Argument

Die Gründe für den Anstieg sind hier mannigfaltig. Für Dr. Volker Nies ist die Wirtschaftlichkeit der Anlagen ein großer Punkt: "Es lohnt sich einfach wirtschaftlich für den Endverbraucher ", so der Pressesprecher der RhönEnergie Gruppe. Besonders attraktiv für die Menschen scheint jedoch die Möglichkeit zu sein, mit eigens produziertem Strom eine gewisse Unabhängigkeit vom Energiemarkt zu gewinnen. "Es bietet dem Privatmann eine stärkere Unabhängigkeit von der Volatilität fossiler Energien, deren Preise oft von weltpolitischem Geschehen und Entscheidungen abhängen," so Nies weiter. Mehr als 50 Prozent des erzeugten Stroms im Gebiet ist laut RhönEnergie bereits grün.

Auch die Stadtwerke Hersfeld betonen die verringerte Unabhängigkeit von Energieversorgern und steigenden Strompreisen. "Langfristig sind diese Investitionen attraktiver und kosteneffizienter als wiederholte Anbieterwechsel auf der Suche nach günstigeren Stromtarifen", so die Stadtwerke Bad Hersfeld.

Neue Herausforderungen für Stromerzeuger und Netzbetreiber

"Durch den starken Ausbau privater Photovoltaikanlagen haben die Überwachung und Planung der Stromnetze deutlich an Bedeutung gewonnen. Insbesondere in den Sommermonaten kommt es vermehrt zu Einspeisespitzen, wodurch Netzüberlastungen entstehen können. Dies erfordert entweder die Rückspeisung überschüssiger Energie in vorgelagerte Netzebenen oder eine zeitweise Abregelung der Photovoltaikanlagen", so die Stadtwerke Bad Hersfeld mit Blick auf die steigenden Herausforderungen.

Was macht die Politik?

Solarförderung und Heizungsgesetze – viele vom Bund erlassene Verordnungen haben in den vergangenen Jahren die Debatte bestimmt. Die Förderung privater Anlagen dürfte ein Grund sein, warum der Zuwachs hier rasant war.

Für einen leichten Dämpfer sorgten zuletzt die Pläne der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die lange größere Einschnitte in der Förderung kleiner PV-Anlagen vorsahen. Besonders um die Einspeisevergütung wurde lange gerungen, die nun weiterhin Bestand hat, jedoch verringert wird und bei negativen Strompreisen zeitweise entfallen soll.

Zudem beabsichtigt die für die deutschen Stromnetze regulierend zuständige Bundesnetzagentur, neue PV-Anlagen stärker an den Netzentgelten zu beteiligen. Wie tiefgreifend die geplanten Änderungen sind, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. (Nikolas Krudewig) +++

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