Bekannter Raser-Schreck

Blitzer-Schock in Eichenau: Was steckt hinter diesem Kasten am Straßenrand?

Falscher Blitzer in Eichenau bringt Raser zum Zaudern.
Fotos: Moritz Bindewald

28.07.2026 / GROßENLÜDER - "Rein Deko." Mehr sagt Arno Muhl-Oestreich (54) erstmal nicht, als er auf das graue Gerät vor seinem Grundstück angesprochen wird. Eine schlanke, hohe graue Säule mit einem durchgehenden schwarzen Streifen vorne. Wer hier vorbeifährt, tritt erstmal auf die Bremse. Denn das Ding sieht verdammt nach einem Blitzer aus.



Was viele nicht wissen: Der Kasten ist ein ausgemustertes Zentriergerät der Marke Zeiss - früher im Einsatz, um Brillengläser exakt anzupassen. Muhl-Oestreich ist von Beruf Optiker, das Gerät wurde in seinem Betrieb durch digitale Technik ersetzt. Statt es zu verschrotten, stellte er es Anfang des Jahres vor sein Haus an der L3141 "St. Valentinusstraße" in Großenlüder-Eichenau (Kreis Fulda).

Schon Jahre zuvor hatte er mit schwarz umwickelten Ölfässern einen ähnlichen Effekt erzielt. Die Gemeinde bestätigt: eine private Attrappe, kein echtes Messgerät.

Kabel gekappt, Gewissen rein

"Es ist zwar eine Kamera drin, aber die ist nicht angeschlossen - man sieht es seitlich, wenn man genau hinschaut, das Kabel ist gekappt." So erklärt Muhl-Oestreich, warum er sich rechtlich auf der sicheren Seite wähnt. Vorher habe er sich informiert: Auf eigenem Grundstück ist das Aufstellen erlaubt, solange kein Blitzlicht den Verkehr aktiv gefährdet.

Der Grund für den ganzen Aufwand liegt für ihn auf der Hand: "Weil hier eben so durchgerast wird." Die Attrappe sei eine Reaktion auf ein Problem, das die Gemeinde seiner Ansicht nach seit Jahren ignoriert.

Deren Bürgermeister Florian Fritzsch widerspricht der gefühlten Rasertum-Realität deutlich. Laut der letzten mobilen Geschwindigkeitsmessung im September - 5,5 Stunden lang, 423 Fahrzeuge Richtung Großenlüder, 326 Richtung Bad Salzschlirf erfasst - lag der Anteil an Tempoverstößen in beiden Richtungen bei 0 Prozent.

Null Prozent Wahrheit?

Ein signifikantes Geschwindigkeitsproblem sieht die Gemeindeverwaltung an dieser Stelle aktuell nicht - zumindest laut ihrer letzten Messung. Der Standort der Attrappe befindet sich in etwa 100 Meter vor dem Ortsausgang in Richtung Großenlüder. Es sei nicht auszuschließen, dass einzelne Verkehrsteilnehmende an dieser Stelle bereits beginnen, die Geschwindigkeit in Vorbereitung auf die außerörtliche Strecke moderat zu erhöhen.

Muhl-Oestreich hatte im Interview von Autos gesprochen, die mit "70, 80 und noch schneller" unterwegs seien. Für ihn zähle ohnehin nicht die Statistik, sondern das, was er selbst vor der Haustür erlebt: Ohne Beleuchtung und ohne Gehweg wirkt die Straße abends wie ausgestorben. "Es wirkt fast, als wäre man mitten im Nirgendwo", sagt Muhl-Oestreich - und genau das verleite Autofahrer erst recht dazu, Gas zu geben. Seine Forderung an die Gemeinde: eine Straßenlaterne und ein Gehweg genau an dieser Stelle.

Bürgermeister Florian Fritzsch hat gegenüber der Redaktion angekündigt, das direkte Gespräch mit Muhl-Oestreich suchen zu wollen. Bis dahin bleibt der alte Zeiss-Kasten stehen - Deko, sagt sein Besitzer. Netter Nebeneffekt, sagt er auch. (mmb) +++

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