Jürgen Dusel trifft in Fragerunde auf Eltern
Behindertenbeauftragter: "Sind bei der Inklusion nicht so weit, wie wir denken"
Fotos (3): Birgitta Petershagen
23.07.2026 / HOHENRODA -
Eltern von Kindern mit Behinderungen und lebensverkürzenden Krankheiten haben einen Alltag, den wir uns gar nicht vorstellen können. Sorgen um das eigene Kind. Druck und jede Menge Arbeit durch notwendige Pflege. Zahlreiche Arzt- und Klinikbesuche, rechtliche Schwierigkeiten aufgrund von ausbleibender Hilfe – die Liste scheint endlos.
Aus diesem Grund beschäftigt die deutsche Bundesregierung seit 2018 den Juristen Jürgen Dusel als Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderung. Der war am Mittwochnachmittag im Hotelpark Hohenroda im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu Gast - im Rahmen eines einwöchigen Workshops mit dem Thema "Zeit für mich, Zeit für dich, Zeit für uns". Dusel stand zwei Stunden lang den Fragen der teilnehmenden Familien Rede und Antwort, wodurch offensichtlich wurde: Das Thema Inklusion ist bei weitem nicht so weit fortgeschritten, wie es für die Betroffenen sein müsste.
Behindertenbeauftragter findet deutliche Worte
Dazu erläuterte Dusel: "Viele Menschen mit Verantwortung haben keine Begegnungen mit Menschen mit Behinderung, deswegen vertreten sie solche Positionen." Der 61-Jährige selbst lebt und arbeitet nach dem Motto: "Demokratie braucht Inklusion".
Katastrophale Mängel im Alltag
Wann gibt es Besserung für Familien von Kindern mit Behinderung?
Doch die Realität ist: Allzu schnell wird sich am aktuellen Kurs der Politik nichts ändern. "Ich bin mit vielen Politikern im Gespräch, stelle Rückfragen und stoße Dinge an. Aber ich kann nichts versprechen. Ich kann leider keine Gesetze schreiben. Dann wäre ich morgen meine Stelle los."
Laut ihm sei es wichtig, dass sich betroffene Personen zusammenschließen und direkt beim Bundestagsabgeordneten vor Ort vorstellig werden. Dusel: "Ich habe schon oft erlebt, dass sich Sachen ändern, wenn man sie oft genug anstößt. Ich weiß, sie alle haben genug Arbeit, jeden Tag. Aber wir müssen gemeinsam an diesem Thema dran bleiben", fügte er hinzu.
Bessere Kenntnisse für Ärzte: Projekt in Arbeit
Hier hat Dusel positive Nachrichten: "Gemeinsam mit den Bundes- und Landesärztekammern arbeiten wir gerade an Aus- und Weiterbildungen für alle, die im Gesundheitswesen arbeiten. Dadurch sollen Ärzte, Pfleger und Co. besser im Umgang mit behinderten und schwer erkrankten Personen geschult werden." Auch hier sei es laut dem Behindertenbeauftragten ein Problem, dass viele Ärzte einfach nicht oder nur selten mit Behinderten in Kontakt kommen. Damit der Alltag für deren Angehörige und Familien einfacher wird, müssen nicht nur Politik und Einrichtungen reagieren – auch die Gesellschaft kann mit einem offenen Auge und mehr Rücksicht für die Mitmenschen viel bewirken. (Kevin Hildebrand) +++