Umgang mit Demenz
"Verstehen, Verbinden, Vertrauen": Vortrag zum Umgang mit Demenzkranken
Foto: Arnd Rössel
22.07.2026 / KALBACH -
Zu einem Vortrag zum Thema "Wie gehe ich als Angehöriger mit demenzkranken Menschen um?" hatte das Team der Seniorenbeauftragten der Gemeinde Kalbach eingeladen. Seniorenbeauftragter Bruno Fischer begrüßte im Bistro des Seniorenzentrums ArteCare Kalbach als Gastreferenten den Chefarzt der Klinik für Geriatrische und Innere Medizin am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda, Dr. med. Steffen Schlee. Ebenso hieß er die zahlreichen Zuhörer willkommen, die das Bistro bis auf den letzten Platz füllten.
Zu Beginn seines Referats erklärte Dr. med. Steffen Schlee, dass in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen an Demenz leiden. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl Hamburgs. Was bedeutet Demenz? Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der nach und nach wichtige Fähigkeiten verloren gehen. Erinnerungsvermögen, Sprache, Orientierung sowie Denk- und Planungsfähigkeit nehmen ab. Im weiteren Verlauf verändert sich auch das Verhalten der Betroffenen. Dabei gilt es stets zu bedenken: Demenz nimmt Fähigkeiten, nicht aber die Würde eines Menschen.
Anschließend erläuterte Dr. med. Schlee den Unterschied zwischen normaler Vergesslichkeit und einer Demenzerkrankung. Bei einer Demenz werden beispielsweise Namen naher Angehöriger vergessen, Gegenstände an ungewöhnlichen Orten abgelegt sowie Termine und wichtige Ereignisse dauerhaft vergessen. Wörter fehlen häufig oder werden durch andere ersetzt. Zudem geht die Orientierung selbst in vertrauter Umgebung verloren, und der Alltag kann zunehmend nicht mehr eigenständig bewältigt werden. Entscheidend sei nicht das Vergessen allein, sondern der Verlust der Selbstständigkeit im Alltag, betonte der Referent.
Wie kommuniziere ich mit Menschen mit Demenz?
"Verstehen, Verbinden und Vertrauen": Diese drei Begriffe stellte Dr. med. Schlee in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Worte seien wichtig, aber nicht alles. Zuhören schafft Nähe und Sicherheit, Einfühlungsvermögen öffnet Türen, auch wenn Worte fehlten. Gute Kommunikation sei der Schlüssel zu Beziehung und Verständnis. Menschen mit Demenz verstünden oft mehr, als man denke. Sie benötigten jedoch andere Wege, um gehört und verstanden zu werden. Besonders wichtig sei es, aufmerksam zuzuhören und auch zwischen den Zeilen zu hören. Ein freundlicher Blick vermittelt Nähe und Sicherheit. Gefühle sollten wahrgenommen, benannt und ernst genommen werden, denn Empathie verbindet Menschen. Kurze Sätze, einfache Wörter und eine ruhige Sprache erleichterten das Verstehen. Ebenso wichtig seien Zeit zum Verarbeiten und zum Antworten sowie Geduld. Es gehe nicht darum, perfekt zu kommunizieren, sondern darum, miteinander in Verbindung zu bleiben. Auch Pausen seien wertvoll, betonte der Referent.Gefühle nicht wegreden, sondern verstehen
Bei Wortfindungsstörungen solle man geduldig warten, Blickkontakt halten, gegebenenfalls den ersten Buchstaben nennen oder das Gesuchte umschreiben und stets eine positive Rückmeldung geben. Wichtig sei, Zeit zu geben, nicht zu drängen und unterstützende Impulse zu geben, ohne die Antwort vorwegzunehmen. Bei wiederholten Fragen gelte es, ruhig und freundlich zu antworten und vor allem die Geduld zu bewahren. Ebenso sollten die Gefühle der Betroffenen ernst genommen werden. Es sei wichtig zu zeigen: "Ich bin für Sie da." Gefühle sollten nicht weggeredet, sondern verstanden werden. Wertschätzung und Sicherheit könnten Ängste lindern. Erinnerungen bauen Brücken für wertvolle Gespräche
Auch bei der Pflege sollten Wahlmöglichkeiten angeboten werden, etwa mit Fragen wie: "Möchten Sie sich jetzt waschen oder später?" oder "Was möchten Sie selbst übernehmen?" Gemeinsam mit den Betroffenen solle man in kleinen Schritten vorgehen und jeden Erfolg loben. So bleibe die Selbstbestimmung möglichst lange erhalten, und gemeinsam könnten Lösungen gefunden werden, ohne Druck auszuüben. Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Nutzen von Erinnerungen. Fragen wie "Was war früher?" oder "Erzählen Sie mir davon" könnten wertvolle Gespräche eröffnen. Erinnerungen seien Brücken zu Gefühlen und gäben Identität, Verbundenheit und Freude.Kommunikation ist das A und O
Abschließend betonte Dr. med. Steffen Schlee, dass gute Kommunikation der Schlüssel zu einer wertschätzenden Beziehung sei. Sie hilft dabei, Vertrauen aufzubauen, Sicherheit zu vermitteln und gemeinsam Lösungen zu finden, auch wenn Worte fehlten oder die Orientierung schwerfiel. Ziel sei es, Menschen mit Demenz durch achtsame Kommunikation respektvoll zu begleiten, ihre Würde zu stärken und dazu beizutragen, ihr Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten.