Er hat 6 Menschen auf dem Gewissen

Nach Grusel-Mord! Killer von Stade bringt sich im Knast um

Der mutmaßliche Mörder von Stade bringt sich im Knast um.
Foto: picture alliance/dpa | Jörn Hüneke

21.07.2026 / BREMERVÖRDE - Der mutmaßliche Mörder von Stade ist tot! Wie das Niedersächsische Justizministerium in einer offiziellen Pressemitteilung bekannt gab, ist der Beschuldigte des Schusswaffenangriffs vom 29. Juni 2026 innerhalb der Justizvollzugsanstalt Bremervörde verstorben. Das Ministerium hatte zuvor den Landtags-Unterausschuss "Justizvollzug und Straffälligenhilfe" zu dem Sachverhalt unterrichtet.



"Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse handelt es sich um einen Suizid. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen aktuell nicht vor", heißt es in der Mitteilung.

Demnach wurde der Gefangene am Dienstag um 06:05 Uhr von einem zuständigen Stationsbediensteten im Rahmen der morgendlichen Lebend- und Vollzähligkeitskontrolle in seinem Einzelhaftraum aufgefunden. Zu diesem Zeitpunkt wies er bereits keine Körpertemperatur mehr auf. Der herbeigerufene Notarzt stellte um 06:29 Uhr den Tod des Gefangenen durch Strangulation fest.

Die Ermittlungen zu den konkreten Umständen des Todes wurden eingeleitet und laufen derzeit. Sowohl die Angehörigen des Toten als auch die Angehörigen der Opfer in Stade seien zwischenzeitlich informiert worden, teilte das Ministerium mit. Die JVA Bremervörde sei derzeit mit der Erstellung eines umfassenden Sofortberichts befasst. Weitergehende Informationen könnten aktuell nicht mitgeteilt werden.

Die Bluttat von Stade

Am Montag, 29. Juni 2026, erschoss der Mann während eines "Hilfeplangesprächs" in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade sechs Menschen - vier Frauen und zwei Männer, allesamt Mitarbeitende der Einrichtung oder des Jugendamts der Region Hannover. Vier Opfer starben noch am Tatort, eine weitere Frau erlag trotz Reanimationsversuch ihren Verletzungen, ein sechstes Opfer starb im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft stufte die Tat wegen Heimtücke und niedriger Beweggründe als sechsfachen Mord ein.

Der in Deutschland geborene türkische Staatsangehörige aus Garbsen bei Hannover war der Polizei bereits vor der Tat bekannt - unter anderem wegen des Verdachts, seine drei Monate alte Tochter geschüttelt zu haben. Im April 2026 war das Kind mit einer Hirnblutung in der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt worden; Ärzte vermuteten ein Schütteltrauma durch den Vater. Hintergrund der Tat war ein eskalierender Sorgerechtsstreit um dieses Kind.

Die Flucht

Nach den tödlichen Schüssen floh der Mann in einem Mercedes-AMG, gesteuert von einer 65-jährigen Frau aus Bremen, die als Patentante des Babys galt. Auf der Flucht soll er auf Polizisten geschossen haben, bis die Munition verbraucht war. Die Polizei stoppte den Wagen schließlich durch Schüsse und nahm beide Insassen fest.

Dunkle Vorgeschichte

In den folgenden Wochen kamen immer neue, brisante Details ans Licht: Türkischen Justizunterlagen zufolge soll gegen den Mann bereits seit Jahren wegen Sexualdelikten ermittelt worden sein - darunter der Verdacht des sexuellen Missbrauchs einer älteren Tochter aus einer früheren Beziehung. Zudem soll er 2021 aus türkischer Untersuchungshaft geflohen sein, seither war er dort zur Fahndung ausgeschrieben. Die Tatwaffe hatte er eine Woche vor der Tat illegal am Berliner Bahnhof Zoo für rund 4.000 Euro samt Munition erworben. Auch gegen die Mutter des Babys und die Fluchthelferin wurde im Zuge der Ermittlungen vorgegangen.

Gegen den Mann war nach der Tat Haftbefehl erlassen worden; er saß seither in Untersuchungshaft - zuletzt in der JVA Bremervörde, wo er nun nach ersten Erkenntnissen der Behörden Suizid begangen hat. (mmb) +++

Hinweis:
DEPRESSIV? Hier bekommen Sie umgehend Hilfe. OSTHESSEN|NEWS berichtet in der Regel nicht über Selbsttötungen, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben – außer, Suizide erfahren durch die Umstände besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst depressiv sind, Suizid-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Telefonseelsorger*innen, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Die JVA Bremervörde sei derzeit mit der Erstellung eines umfassenden Sofortberichts befasst.
Foto: picture alliance / dpa | Ingo Wagner
In den folgenden Wochen kamen immer neue, brisante Details ans Licht: Türkischen Justizunterlagen zufolge soll gegen den Mann bereits seit Jahren wegen Sexualdelikten ermittelt worden sein
Symbolbild: Pixabay

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