Stimmen aus der Politik
Kein Bier mehr am Bahnhof? Poseck: "Sicherheit hat höchste Priorität"
Bald Alkoholverbot auch am Fuldaer Bahnhof
Foto: Marvin Myketin
21.07.2026 / REGION -
Die Deutsche Bahn will Alkohol deutschlandweit an allen Bahnhöfen verbieten. Dies geschieht im Kampf gegen Straftaten und Vandalismus und soll Reisende und Mitarbeiter besser schützen. Zuletzt wurde erneut ein Bahnmitarbeiter lebensgefährlich verletzt. OSTHESSEN|NEWS hat bei Landes- und Lokalpolitikern nachgefragt, was sie von den geplanten Maßnahmen halten.
Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) sagt uns dazu: "Sicherheit hat höchste Priorität. Auch ein Alkoholverbot an Bahnhöfen kann dazu einen Beitrag leisten. Wir müssen verschiedene Maßnahmen umsetzen, damit unsere Bahnhöfe sicherer werden. Klar ist aber auch, dass ein Alkoholverbot allein nicht ausreichen wird."
In Hessen habe man mit der Polizei, der Bundespolizei, der Stadt Frankfurt und der DB eine Kooperation für mehr Sicherheit am Frankfurter Hauptbahnhof geschlossen. "Ein Kernpunkt sind gemeinsame Sicherheitsstreifen an neuralgischen Punkten. Die intensive und vernetzte Zusammenarbeit sorgt dafür, Ordnungsstörungen und Kriminalität noch wirksamer zu begegnen und das Sicherheitsempfinden der Reisenden und Bürger weiter zu stärken", so Poseck.
Auch der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) äußerte sich gegenüber OSTHESSEN|NEWS: "Alkohol erhöht das Aggressionspotenzial und führt immer wieder zu Problemlagen – ob direkt an den Bahnhöfen oder im Zug. Insofern halte ich ein solches Verbot prinzipiell für sinnvoll, um für mehr Sicherheit sorgen zu können. Voraussetzung ist, dass entsprechende Kontrollen durchgeführt werden und das Verbot auch wirksam umgesetzt wird."
Dr. Jens Mischak (CDU), Landrat des Vogelsbergkreises, schreibt in seinem Statement: "Ich frage mich schon manchmal, ob in Deutschland eigentlich alles geregelt, festgeschrieben und dann auch kontrolliert werden muss. So auch beim geplanten Alkoholverbot an Bahnhöfen. Andererseits ist jede Initiative zu befürworten, die die öffentliche Sicherheit und Ordnung verbessert. Viele Reisende fühlen sich unsicher, da es gerade an Bahnhöfen zu – auch alkoholbedingten – Konflikten, zu Streit, Gewalt und Vandalismus kommt. Ein Verbot könnte einen Beitrag leisten zu mehr Sicherheit und Ordnung. Alle Probleme im öffentlichen Raum aber kann es nicht lösen."
Auch Thomas Hering, Mitglied des Hessischen Landtags, bezieht Stellung zum Alkoholverbot der Bahn: "Ich fühle mich an Polizeieinsätze nach Fußballspielen erinnert, wo betrunkene Fans auf der Zugfahrt Ärger machten, sich ihren Zustand aber kaum am Bahnsteig erarbeitet haben können. Ähnlich beim Aufwand der Schützenfestbetreiber für Sicherheits- und Rettungsdienste, obwohl die Alkoholmengen kaum am eigentlichen Fest konsumiert werden. Von daher sehe ich das Verbot der Flasche Bier am Bahnsteig als wenig wirkungsvoll und wenn überhaupt nur als begleitende Maßnahme. Immer wieder begegnen Gewalttäter im Bahnverkehr, die nicht zum ersten Mal in Erscheinung treten. Deshalb fordere ich spürbare Rechtsanwendung durch Schnellverfahren und Maßnahmen, die wehtun, wie beispielsweise hohe Geldstrafen, Fahrerlaubnisentzug bzw. Verzicht auf Bewährungsstrafen, die in manchen Betroffenenkreisen eher als Freispruch empfunden werden. Daher denkbar auch weitere politische Maßnahmen und Gesetzesinitiativen zum Schutz der Bahnmitarbeiter, wie in Hessen durch das Respekt-Paket für Einsatzkräfte angestoßen."
OSTHESSEN|NEWS hat noch bei weiteren Politikern angefragt. Entsprechende Antworten werden im Laufe des Tages aktualisiert. (fw) +++