Hessen als Vorreiter

Aus der JVA Weiterstadt: Hier werden Deutschlands Fußfesseln überwacht

Hessens Justizminister Christian Heinz und Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig in der GÜL
Foto: Pool/dpa

21.07.2026 / WEITERSTADT - In Sachen Fußfessel für Frauenschläger war Hessen Vorreiter: Als erstes Bundesland führte Hessen Anfang 2025 die Fußfessel nach dem sogenannten "spanischen Modell" zum Schutz vor häuslicher Gewalt ein. Dank hessischer Initiative wurde dieses Modell im Juni diesen Jahres durch eine Änderung des Gewaltschutzgesetzes deutschlandweit ausgeweitet. In der JVA Weiterstadt befindet sich die Überwachungsstelle der Länder (GÜL) - hier werden die Fußfesseln in ganz Deutschland überwacht.


Am Montag besuchten Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU) und Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig (SPD) die Überwachungsstelle in der JVA Weiterstadt. Hier arbeiten 32 Personen rund um die Uhr und überwachen alle Fußfesselträger - und besonders auch die, die vor den sogenannten Aggressoren geschützt werden sollen. Hessen trägt damit entscheidend zum bundesweiten Opferschutz bei. Hubig macht klar: "Häusliche Gewalt ist kein Frauenthema, sondern ein Gesellschaftsthema."

Durch die Änderung des Gewaltschutzgesetzes kann nun der Einsatz der elektronischen Fußfesseln, insbesondere der Einsatz der spanischen Fußfessel, zum Schutz vor häuslicher Gewalt auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. Und die Dimensionen sind erschreckend: 2025 wurden insgesamt 277 Personen überwacht. Daraus resultierten 25.698 Ereignismeldungen. Da durch die Gesetzesänderung nun auch die Fälle der häuslichen Gewalt in ganz Deutschland dazukommen werden, wird die Zahl schon bald stark ansteigen. Die gute Nachricht: Nur in etwa 1,5 Prozent der Fälle musste bisher die Polizei eingreifen.

So funktioniert die Fußfessel

Stand Juni tragen in Hessen 17 Menschen die Fußfessel, etwa die Hälfte davon wegen häuslicher Gewalt, der Rest wegen einer Führungsaufsicht. Sie dient der Überwachung und Unterstützung von Verurteilten nach der Haft, um neue Straftaten zu verhindern. Seit 2025 gibt es die sogenannte DV-Technik. Damit gibt es eine Schutzzone um eine gefährdete Person, die sich dank eines Empfängers dauerhaft mit der Person bewegt. Kommt der Fußfesselträger in deren Nähe, gibt es verschiedene Sicherheitsmaßnahmen, die greifen. Etwa ein lauter Alarm, eine Warnung an die gefährdete Person und auch an die GÜL in Weiterstadt.

"Das Thema häusliche Gewalt bewegt uns beide. Durch eine hessische Initiative hat die Bundesregierung das Thema aufgegriffen und das Gewaltenschutzgesetz wurde geändert. Hessen verhandelt nun die Umsetzung in einem neuen Staatsvertrag", erklärt Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU) nach dem Rundgang. Die GÜL soll deutlich größer werden und räumlich umziehen - nach Darmstadt. Mit dann 100 statt 32 Mitarbeitern.

"Wegschauen ist keine Lösung"

"Wir müssen noch unglaublich viel auf allen Ebenen beim Thema häusliche Gewalt tun. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, dass dieser Kampf angegangen werden muss", verspricht Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig (SPD). Die Art, wie Bund und Länder hier zusammenarbeiten, sei exemplarisch. Dabei verwies sie auch auf eine neue Kampagne, die am Dienstag startet. "Mit dieser wollen wir den betroffenen Frauen Mut machen und zeigen, dass sie stark sind, und das Thema für die Gesellschaft deutlich machen. Wegschauen ist keine Lösung", so Hubig abschließend. Übrigens: Die deutliche Mehrheit der Fußfesselträger sind Männer. (Moritz Pappert) +++

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