AOK-Analyse zum Welttag des Gehirns

Epilepsie in Hessen: 64.000 Betroffene und deutliche regionale Unterschiede

In Hessen leben rund 64.000 Menschen mit Epilepsie – darauf weist die AOK Hessen im Vorfeld des Welttags des Gehirns am 22. Juli hin.
Symbolbilder: Pixabay

22.07.2026 / REGION - In Hessen leben rund 64.000 Menschen mit Epilepsie – darauf weist die AOK Hessen im Vorfeld des Welttags des Gehirns am 22. Juli hin. Die Zahl basiert auf Auswertungen des AOK‑Gesundheitsatlas und zeigt seit Jahren ein weitgehend stabiles Bild. Lediglich 2022 stieg die Zahl der Betroffenen auf rund 70.000, was Fachleute als möglichen "Corona‑Nachholeffekt" einordnen.



Im bundesweiten Vergleich gehört Hessen mit einer Häufigkeit von 1,01 Prozent zu den Ländern mit den niedrigsten Epilepsie‑Raten – nur Baden‑Württemberg und Hamburg liegen darunter. Auffällig ist zudem die regionale Verteilung: Während im Taunus und an der Bergstraße die Erkrankung besonders selten vorkommt, sind die ländlichen Kreise Nordhessens überdurchschnittlich stark betroffen.

Hier die Krankheitshäufigkeit mit Bezug zur Gesamtbevölkerung für ausgewählte Landkreise im Detail:

Kurzzeitiger Kontrollverlust

"Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung des Gehirns. Es treten epileptische Anfälle ohne erkennbare Auslöser auf. Ihnen liegt eine überschießende oder synchronisierte Aktivität von Nervenzellen zugrunde", erklärt Dr. Christoph Stein aus dem Medizinischen Kompetenzcenter der AOK Hessen. Das führe zum kurzzeitigen Verlust der Kontrolle über den Körper oder das Bewusstsein. Aber: "Nicht jeder epileptische Anfall bedeutet automatisch, dass eine Epilepsie vorliegt. Fieberkrämpfe bei Kindern oder Anfälle infolge akuter Erkrankungen oder Verletzungen können andere Ursachen haben. Von einer Epilepsie spricht man in der Regel erst, wenn wiederholt unprovozierte Anfälle auftreten oder ein entsprechend hohes Risiko für weitere Anfälle besteht."

Hinzu kommt, dass epileptische Anfälle sehr unterschiedlich aussehen können. Neben den bekannten Krampfanfällen gibt es auch kurze Bewusstseinsaussetzer, plötzliche Muskelzuckungen oder Phasen, in denen Betroffene vorübergehend nicht ansprechbar sind. Deshalb wird die Erkrankung nicht immer sofort erkannt.

Fortschritte in der Therapie: präziser, verträglicher und digitaler

"Die Ursachen einer Epilepsie sind vielfältig. Sie reichen von genetischen Veranlagungen über Folgen eines Schlaganfalls oder einer Hirnverletzung bis hin zu angeborenen Veränderungen des Gehirns. Bei vielen Betroffenen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache feststellen", erklärt Christoph Stein. Die Zeiten, in denen die Diagnose ein selbstbestimmtes Leben unmöglich machte, sind jedoch glücklicherweise vorbei. Heute können viele Betroffene mit der passenden Behandlung anfallsfrei leben.

Neuere Medikamente greifen gezielter in die Signalübertragung der Nervenzellen ein und sind für viele Patientinnen und Patienten besser verträglich. Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken, prüfen spezialisierte Epilepsiezentren, ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff infrage kommt. Dabei wird die Region des Gehirns behandelt, von der die Anfälle ausgehen. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten können außerdem Verfahren wie die Vagusnervstimulation oder die tiefe Hirnstimulation eine sinnvolle Ergänzung sein.

Erste Hilfe im Ernstfall: So verhalten Sie sich richtig

Wer Zeuge eines epileptischen Anfalls wird, kann den Betroffenen mit wenigen einfachen Maßnahmen sicher durch die Situation helfen. "Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und die Person vor Verletzungen zu schützen, indem man gefährliche Gegenstände aus der unmittelbaren Nähe wegräumt und idealerweise etwas Weiches unter den Kopf legt. Der Anfall sollte niemals durch Festhalten oder körperlichen Zwang gestoppt werden, und es dürfen keine Gegenstände oder Finger in den Mund des Betroffenen gesteckt werden", mahnt Christoph Stein.

Ein Notruf sei dann erforderlich, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle unmittelbar hintereinander auftreten, sich die betroffene Person nicht erholt, verletzt wurde oder der Anfall erstmals auftritt. Und: Nach dem Anfall sind viele Betroffene erschöpft, verwirrt oder schlafen ein. Sobald die Krämpfe beendet sind und die Person normal atmet, sollte sie möglichst in die stabile Seitenlage gebracht und bis zur vollständigen Erholung begleitet werden. (mis/pm) +++

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