Neu gestaltete Dauerausstellung der Stiftung

Museumsfest im Museum Modern Art: Kunst als Gegengewicht zur digitalen Welt

Mit ihrem ersten Museumsfest hat die Stiftung Museum Modern Art Hünfeld am Sonntag Kunst, Kreativität und Austausch auf besondere Weise verbunden.
Fotos: Bernd Vogt

20.07.2026 / HÜNFELD - Mit ihrem ersten Museumsfest hat die Stiftung Museum Modern Art Hünfeld am Sonntag Kunst, Kreativität und Austausch auf besondere Weise verbunden. Rund um die neu konzipierte Dauerausstellung aus der Sammlung Jürgen Blum stellten sich die Kooperationspartner des Hauses vor, es gab Führungen, Mitmachaktionen für die ganze Familie – und Gespräche über die Frage, welchen Stellenwert Kunst und Kreativität in einer zunehmend digitalen Gegenwart behalten.


Ein Fest rund um die neue Sammlungsausstellung

Anlass des Festes war die neu gestaltete Dauerausstellung der Stiftung. Martina Sauerbier, Kulturbeauftragte der Stadt Hünfeld und Vorsitzende des Stiftungsbeirats, erklärte den Gedanken dahinter: "Wir haben die neu konzipierte Ausstellung zum Anlass genommen, drumherum ein Museumsfest zu gestalten – gemeinsam mit all den Kooperationspartnern, die hier zusammenwirken."

Für das Haus war das mehr als ein geselliger Nachmittag, so Sauerbier. Denn das Museum versteht sich keineswegs nur als bloßer Ausstellungsort, sondern vielmehr als lebendiger Treffpunkt und Multiplikator im gesellschaftlichen Leben der gesamten Stadt.

Zwei Führungen durch die "Sammlungsausstellung 2026"

Ein besonderes Highlight waren zwei exklusive Führungen mit dem Kunstwissenschaftler Prof. Dr. Johannes Sander, der Einblicke in die neue Dauerausstellung in den Pavillons gab. In den vergangenen zwölf Monaten hatte sich Sander intensiv mit den Exponaten der Sammlung Jürgen Blum auseinandergesetzt und auf dieser Basis eine neue Dauerausstellung konzipiert.

Die "Sammlungsausstellung 2026" zeigt rund 100 ausgewählte Kunstwerke und bietet einen bewusst vielfältigen Querschnitt durch die Sammlung. Neben bekannten Vertreterinnen und Vertretern der Konkreten Kunst aus unterschiedlichsten Teilen der Welt werden auch weniger bekannte Positionen präsentiert, die mit außergewöhnlichen Ausdrucksformen experimentieren.

Mitmachaktionen für Familien und Kinder

Verschiedene kreative Mitmachaktionen luden insbesondere Familien und Kinder zum Ausprobieren ein. In der Malschule gab es Klatschdruck und Drucken mit der Gelli-Plate, angeboten vom IDEA-Kunstverein. Mit Heike Richter konnten zudem Holzhäuschen bemalt werden. Die Bewirtung übernahm der Förderverein Museum Modern Art Hünfeld im Bistro.

Starke Partner: Fördervereine und Quartier M25

Getragen wird die Museumsarbeit von einem Netzwerk aus Unterstützern – ideell, finanziell wie personell. Neben den Fördervereinen des Hauses hob Sauerbier besonders das Quartier M25 hervor. "Quartier M25 ist ein Förderprogramm der Stadt für den sozialen Zusammenhalt", erläuterte sie. "Das Museum ist dabei ein Treffpunkt, an dem sich Menschen begegnen können." Dass sich hinter dem Kürzel auch ein Straßenname verbirgt, weiß nicht jeder – die Verbindung von Ort, Nachbarschaft und Kultur ist jedoch genau das, worauf das Konzept setzt.

Klaus Christ: Bildhauer mit Sommerkurs zu Gast

Ein besonderer Gast des Festes war der Künstler, Bildhauer und Maler Klaus Christ. Er betreibt gemeinsam mit seiner Frau ein Atelier, in dem er jeden Sommer einen zehntägigen Skulpturkurs anbietet. "Die Menschen stellen dort auf Basis meiner Formenlehre ganz individuelle Skulpturen her", berichtete er. "Ich möchte ihnen einen Raum öffnen, in dem sie die Tore zu ihrer Fantasie wieder aufstoßen können."

Gerade dieses Wiederentdecken sei für viele Teilnehmer eine prägende Erfahrung. "Viele haben als Kind gehört: Das kannst du nicht – und haben es ihr Leben lang nicht gemacht", so Christ. "Plötzlich entdecken sie, dass sie einen inneren Reichtum haben und künstlerisch arbeiten können." Zum Museumsfest brachte er kurzerhand seine gesamte Kursgruppe mit: "Die Kursteilnehmer wollten meine Ausstellung sehen, deshalb sind wir hergekommen, und ich habe für sie eine Führung gemacht. Das passt wunderbar zum Fest hier im Museum Modern Art."

Inhaltlich kreist Christs eigene Arbeit um das Thema Verwandlung. "Wir sind ständig in Verwandlung – wir werden jung und alt, es ist Tag und Nacht, wir lernen Neues und verändern uns dadurch", sagte er. "Das Schlimmste ist, wenn ein Mensch nicht mehr im Fluss des Lebens steht, sondern stillsteht – obwohl von außen ständig Dinge auf ihn einströmen, die er gar nicht mehr verarbeiten kann."

"Künstlerische statt künstlicher Intelligenz"

Immer wieder kam Christ im Gespräch auf ein Thema zurück, das ihn sichtlich umtrieb: die Künstliche Intelligenz. Mit einem kleinen Wortspiel brachte er seine Haltung auf den Punkt: "Künstlerische Intelligenz – ich sage oft ganz bewusst "künstlerische" – ist für mich das nötige Gegengewicht zur künstlichen." Die neue Technik lehnt er dabei nicht rundweg ab, im Gegenteil: "Die künstliche Intelligenz fordert mich als Menschen heraus. Sie zwingt mich, darüber nachzudenken: Was ist der Mensch eigentlich? Was macht ihn aus?"

Den Umbruch hält Christ für tiefgreifender als frühere technische Revolutionen. "Diese Digitalisierung ist nicht vergleichbar mit der industriellen Revolution, die uns die schwere körperliche Arbeit abgenommen hat", erklärte er. "Diesmal geht es an den Kern des Menschen – an unser Denkvermögen, unser Selbstbewusstsein, unsere Individualität." Seine zentrale Sorge: "Die Gefahr ist, dass die KI nur neu kombiniert, was ohnehin schon gespeichert ist. Das ist sehr verführerisch, hinterlässt aber letztlich eine Leere im Menschen. Wer sich alles servieren lässt, kann die Dinge irgendwann gar nicht mehr selbst verarbeiten."

Kunst, Kultur und Sport als Gegengewicht

Aus dieser Diagnose leitete Christ eine klare Forderung ab – gerade mit Blick auf Kinder und Jugendliche. Er beobachte, dass bei jungen Menschen, die viel Zeit mit sozialen Medien verbringen, geistige wie körperliche Fähigkeiten nachließen: "Die Lehrer merken das am ehesten. Auch Klettern, Gleichgewicht und Bewegungsfähigkeit gehen zurück." Sein Rezept: "Deshalb brauchen wir Kunst, Kultur und mehr Sport als Gegengewicht."

Dabei versteht sich der Künstler ausdrücklich nicht als Technikgegner. "Ich bin nicht gegen moderne Dinge", betonte er. "Aber wir brauchen das Gegengewicht, und wir müssen die Technik bewusst handhaben. Alles, was wir nicht bewusst handhaben, nimmt uns in die Fänge." Nicht ohne Grund kämen zu seinen Kursen auch viele Menschen, die im Beruf unter großem Druck stünden – vom Manager bis zu ganz unterschiedlichen Berufsgruppen: "Sie gestalten von innen nach außen und merken plötzlich: Da ist ja etwas in mir."

Ausblick: Große Vernissage am 27. September

Einen Höhepunkt kündigte Martina Sauerbier bereits für den Herbst an: Am 27. September ist im Museum eine große Vernissage geplant. Gezeigt werden die Arbeiten eines international tätigen Künstlers, den das Museum auf der Art Karlsruhe kennengelernt hat. "Der Künstler wird natürlich auch da sein – das wird ein großes Spektakel", so Sauerbier.

Besonders ist vor allem seine Technik. Die Werke lassen sich fotografisch kaum wiedergeben, weil ihre Wirkung erst in der Bewegung entsteht: In feine Rillen gearbeitet und an den Flanken unterschiedlich bemalt, erscheinen die Bilder aus dem einen Blickwinkel schwarz-weiß, aus dem anderen als lebendiges Farbenspiel – eine Form der kinetischen bzw. optischen Kunst. "Man kann es mit Fotos einfach nicht rüberbringen", sagte Sauerbier. "Von links sehen Sie Schwarz-Weiß, von rechts ein Farbenspiel." Die Motive bewegen sich meist im Abstrakten, gelegentlich seien aber auch Formen wie Kreise, Blätter oder Wolken zu erkennen.

Bemerkenswert ist auch die Arbeitsweise: "Er mischt alle Farben selbst. In seinem Atelier stehen Hunderte von Farben, immer von Nuance zu Nuance", berichtete Sauerbier. In Hünfeld werde der Künstler erstmals seinen gesamten Werdegang öffentlich präsentieren – "das ist das besonders Interessante an der Ausstellung". Ein weiteres Anliegen liege ihm dabei am Herzen: die Nähe zur jungen Generation. "Ihm liegt die Jugend besonders am Herzen. Er möchte mit den Schulen in Kontakt kommen – und wir helfen ihm dabei, diesen Kontakt herzustellen."

Ein Ort der Begegnung

Das Museum Modern Art, das auf der Sammlung Jürgen Blum beruht und als Stiftung geführt wird, versteht sich als lebendiger Kulturort für die gesamte Region. Geöffnet ist das Haus von Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 15 bis 18 Uhr. Das erste Museumsfest hat einmal mehr gezeigt, was den Anspruch des Hauses ausmacht: Kunst nicht nur zu zeigen, sondern zum Gespräch über die großen Fragen der Gegenwart einzuladen – über Verwandlung, Kreativität und die Rolle des Menschen in einer digitalen Welt. (Marvin Hucke) +++

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