Nach Debatte um Leihmutterschaft
Rücktritt von Jens Spahn: Das sagen Politiker aus der Region
Jens Spahns Rückzug sorgt für Reaktionen in Osthessen.
Archivfoto: O|N
19.07.2026 / REGION -
Nach dem Rücktritt des bisherigen Unionsfraktionschefs Jens Spahn wird auch in Osthessen über die politischen Folgen der Entscheidung diskutiert. Spahn hatte seinen Rückzug am Samstag mit der anhaltenden Debatte um seine Familiengründung mithilfe einer Leihmutter in den USA begründet.
OSTHESSEN|NEWS hat Politikerinnen und Politiker aus Osthessen um eine Einschätzung zu Spahns Rücktritt gebeten. Unter anderem äußerte sich der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand zu den Entwicklungen in der Unionsfraktion.
Was Spahn getan hatte, war "eine echte Zumutung und hoch unglaubwürdig"
"Dieser Rücktritt war unsausweichlich. Dass es dann schnell Konsequenzen gegeben hat, ist ein wichtiges Signal. Gerade in dieser Spitzenposition darf es keine unterschiedlichen Maßstäbe geben. Was Jens Spahn dort getan hatte, war eine echte Zumutung und hoch unglaubwürdig: Unter bewusster Umgehung des deutschen Rechts in den USA mittels einer Leihmutter ein Kind auf die Welt bringen zu lassen, was er vorher immer sehr kritisiert hatte. Wir treten sehr klar ein für den Schutz der Frauen und lehnen Leihmutterschaft ab, weil sie bekanntlich große Gefahren für die Leihmütter bringt, die oft bis hin zur körperlichen Ausbeutung für die Wünsche reicher Auftraggeber gezwungen werden oder sich gezwungen sehen, diesen ethisch hoch umstrittenen Weg zu gehen.
Noch im Februar 2026 hatte ein CDU-Bundesparteitag das noch einmal bekräftigt, und auch Jens Spahn war dort anwesend. Aber er hat geschwiegen, während zeitgleich das Kind schon von der Leihmutter ausgetragen wurde. Ein solches Verhalten ist mehr als problematisch, umso mehr in der Position als Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU. Und das ist natürlich auch keine Privatsache mehr."
MdB Wilhelm Gebhard: "Wasser predigen und Wein trinken funktioniert in der Politik nicht"
Für MdB Wilhelm Gebhard war der Rücktritt "überfällig, aber gerade noch rechtzeitig". "Jens Spahn war mit der Leihmutterschaft im Amt des Fraktionsvorsitzenden nicht mehr zu halten. Glaubwürdigkeit ist die Grundlage für Vertrauen. Mein Vertrauen, das vieler Kolleginnen und Kollegen sowie das Vertrauen der Menschen in unserem Land hat Spahn mit der aktuellen Thematik endgültig aufgebraucht. 'Wasser predigen und Wein trinken' funktioniert in der Politik nicht, egal bei welchem Thema. Wir Politikerinnen und Politiker müssen Vorbilder sein. Wollen wir unser Vaterland wieder nach vorne bringen, braucht es in erster Linie Vertrauen in die Menschen, die die Entscheidungen für die Zukunft unseres Landes treffen müssen. Deshalb ist der Rücktritt konsequent und richtig. Ich danke Jens Spahn für die geleistete Arbeit in stürmischen Zeiten im vergangenen Jahr."
In einer gemeinsamen Collab-Stellungnahme auf Instagram äußerten sich die Fraktionsvorsitzende der CDU im Hessischen Landtag, Ines Claus gemeinsam mit dem CDU-Landesvorsitzenden Boris Rhein, der Landtagspräsidentin Astrid Wallmann und dem Generalsekretär der CDU Hessen Leopold Born, in einem Post wie folgt:
"Als Vorsitzender hat @jensspahn in den vergangenen 14 Monaten unsere Fraktion und die Arbeit der Koalition mit großem Einsatz geprägt. Er hat Verantwortung übernommen, Führung gezeigt und immer wieder dafür gekämpft, dass wir die Kraft und den Mut zu notwendigen Reformen haben. Viele der politischen Erfolge dieser Reformkoalition tragen auch seine Handschrift. Dafür gebührt ihm unser aufrichtiger Dank und unser größter Respekt. Wir haben die Zusammenarbeit mit Jens Spahn stets als engagiert, verlässlich und von einem gemeinsamen Ziel getragen erlebt. Umso mehr respektieren wir seine Entscheidung. Niemand trifft einen solchen Schritt leichtfertig. Wir können gut nachvollziehen, wie groß die persönliche Zerrissenheit gewesen sein muss, die einer solchen Entscheidung vorausgeht."
"Unversöhnlicher Ton löst auch Befremden aus"
Weiter heißt es im Statement: "Die Härte und die persönlichen Angriffe in der öffentlichen Debatte der vergangenen Tage stimmen nachdenklich. Kritik gehört zur Demokratie. Aber die Schärfe, mit der über Jens Spahn gesprochen wurde, und der unversöhnliche Ton lösen auch Befremden aus. Bei aller Klarheit in der Sache sollten wir nie vergessen, dass Politik von Menschen gemacht wird – von Menschen, die Verantwortung tragen und mit den Folgen ihrer Entscheidungen leben. Für uns als Christdemokraten gehören Haltung und Menschlichkeit untrennbar zusammen. Auch bei Differenzen in der Sache ist der respektvolle Umgang für uns eine Frage des Anstands. Die vergangenen Tage mahnen: Das dürfen wir gerade in solchen Momenten nicht aus dem Blick verlieren. Jens wünschen wir von Herzen alles Gute. Ihm, seinem Mann und der gesamten Familie wünschen wir nach den aufreibenden vergangenen Tagen vor allem Ruhe, Kraft und Gottes Segen für einen schönen gemeinsamen Start zu dritt."
MdB Pascal Reddig: "Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut in der Politik"
Auch MdB Pascal Reddig und Johannes Wiegelmann äußerten sich zum Rücktritt: "Ich habe Respekt vor der Entscheidung von Jens Spahn. Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut in der Politik, diese war nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden. Deswegen ist sein Rücktritt folgerichtig. Persönlich wünsche ich ihm und seiner Familie alles Gute", so Reddig gegenüber OSTHESSEN|NEWS.
MdB Johannes Wiegelmann: "Jens Spahn hat die richtigen Konsequenzen gezogen. Gerade wenn man als Regierungsfraktion das Land einem umfassenden Reformprozess unterzieht, braucht es tiefes Vertrauen der Menschen in die politische Führung und ein Höchstmaß an persönlicher Glaubwürdigkeit der handelnden Personen. Beides war in diesem Fall nicht mehr gegeben. Sein Rücktritt war darum unvermeidlich. Ich zolle ihm für diesen Schritt Respekt, danke ihm für die geleistete Arbeit und wünsche ihm und seiner jungen Familie alles Gute." (js/ms) +++