Jakob Lonnendonkers alltäglicher Kampf

"Ich möchte genauso behandelt werden wie Menschen ohne Handicap"

Jakob Lonnendonker aus Fulda spricht im Gespräch mit O|N über seine zwischenmenschlichen Erfahrungen als Person mit Handicap.
Foto: O|N/Victor Brühl

22.07.2026 / FULDA - Barrierefreiheit und Inklusion sind für viele Menschen abstrakte Themen. Für Jakob Lonnendonker hingegen ist es ein sehr persönliches Anliegen. Der 38-Jährige hat sich in der Vergangenheit als Betroffener wiederholt öffentlich zu diesem Thema geäußert. Sein Ziel: Mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für Menschen mit Beeinträchtigungen. Für ihn besteht dringender Handlungsbedarf an vielen Stellen, vor allem auch im zwischenmenschlichen Kontakt im Alltag.



Bereits vor zwei Jahren war er zu Gast in unserem Podcast (Mehr dazu hier). Nun hat sich Lonnendonker aufgrund seiner Erfahrungen wieder gemeldet. "Mir ist in der letzten Zeit in Fulda aufgefallen, dass viele noch einen schlechten Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen haben", erklärt er im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Mir ist es wichtig, dass das Thema öffentlich verstärkt angesprochen wird." Mit unschönen Kommentaren wird er oftmals im Alltag konfrontiert – er ist sich dabei aber nicht zu schade, die Personen direkt zur Rede zu stellen. "Ich frage die Leute, wo denn das Problem liegt oder warum sie so reagieren. Manchmal sage ich auch, dass sie sich doch einfach umdrehen sollen und uns nicht angucken müssen", erzählt Lonnendonker.


"Wir müssen Barrieren abschaffen"

Die Liste negativer Erfahrungen ist lang. Auch am Hessentag kam es zu Zwischenfällen, die er nicht verschweigen möchte. "Es gab neutrale Reaktionen, aber es wurde auch einmal über mich gesagt, dass ich doch der aus dem Bekloppten-Heim sei. Gerade diesen Ausdruck finde ich beleidigend", stellt der 38-Jährige heraus. "Ich habe den Eindruck, dass es in den vergangenen Jahren schlimmer geworden ist. Das kriege ich auch in meinem Umfeld mit."

"Für mich fängt es oft schon bei den kleinen Kindern an. Viele fragen sicherlich aus Neugier, warum ich etwas komisch laufe. Genauso gibt es die aus meiner Sicht respektlosen Kommentare, die für mich absolut nicht in Ordnung sind", erzählt Lonnendonker, der auch oft aufgrund seines Dreiradfahrrads angesprochen wird, mit dem er viel in der Stadt unterwegs ist. "Klar sind es auch viele Erwachsene, aber Kinder sind in ihren Kommentaren oft extremer."

Sein Anliegen: "Wir müssten schon viel früher mit der Aufklärung anfangen. Eltern sollten ihren Kindern schon früh beibringen, dass ein offener und respektvoller Umgang wichtig ist. Ich hatte auch schon das Erlebnis, dass Eltern zu ihren Kindern gesagt haben, zu mir sollen sie doch nicht gehen, weil ich ja anders sei. Da muss sich noch einiges ändern."


Schulen und Politik in der Verantwortung

Dabei möchte er die Eltern nicht alleine in die Verantwortung nehmen. Die Schule sieht er als wichtigen Baustein, um eine Veränderung zu bewirken. Zwar haben sich Schulkonzepte in den vergangenen Jahren weiterentwickelt – die Umsetzung in der Praxis ist jedoch oft fern der angestrebten Ziele, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte zeigt. Personalmangel, überfüllte Klassen und veraltete Technik bremsen auch hier den Fortschritt im Bildungssystem aus.

Für Jakob Lonnendonker sind die Ziele klar. "Ich würde mir einfach wünschen, dass der Umgang mit Menschen mit Handicap generell respektvoller wird in dieser Gesellschaft. Ich will, dass wir alle gleichbehandelt und Barrieren abgeschafft werden." Auch von Seiten der Politik wünscht er sich mehr Unterstützung. Als aktives Parteimitglied überlegt er selbst, wie er sich künftig politisch für dieses Thema einbringen kann – in der Hoffnung, dass Respekt, Teilhabe und Chancengleichheit irgendwann zur Selbstverständlichkeit werden. (kru) +++

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