Krieg in Nahost
Wer hat den Iran-Krieg gewonnen?
Archivbild: Altaf Qadri/AP/dpa
06.07.2026 / WASHINGTON/TEHERAN/BEIRUT/TEL AVIV -
Die USA, Israel und der Iran beanspruchen, ihre wichtigsten Ziele im Krieg erreicht zu haben. Ein Blick auf militärische, politische und wirtschaftliche Folgen zeichnet ein widersprüchlicheres Bild.
Donald Trump spricht von einem Sieg der USA. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu feiert einen "historischen Erfolg", und auch Teheran reklamiert den Kriegsausgang für sich. Doch Experten ziehen Monate nach Beginn des Konflikts eine deutlich differenziertere Bilanz – mit Verlierern auf allen Seiten, einschließlich Wirtschaft und Verbrauchern weltweit. Ein Überblick:
Verfehlte Ziele und zerrüttete Partnerschaften der USA
Für Trump stand bereits zwei Wochen nach Kriegsbeginn fest: "Wir haben gewonnen." Dennoch sollte es noch Monate dauern, bis Washington und Teheran ein vages Rahmenabkommen vereinbarten. Ein diplomatischer und langfristiger Erfolg lässt hingegen weiter auf sich warten.Der Iran-Krieg rüttelte auch an der jahrzehntelangen Partnerschaft zwischen den USA und Israel. Amerikaner aus dem gesamten politischen Spektrum blickten mittlerweile äußerst skeptisch auf die US-Offensive, schrieb Jon B. Alterman von der Denkfabrik CSIS: "Selbst unpolitische Amerikaner empfanden den gemeinsamen Krieg als äußerst egoistisch und völlig nutzlos für sie". Für Trump führte der Konflikt zudem zu deutlichen Diskursen mit Netanjahu, der teilweise als Kriegstreiber dargestellt wurde.
Irans Führung spricht von Sieg. Doch was ist mit der Bevölkerung?
Bereits die Anfang April verkündete Feuerpause hatte Irans Staatsführung als Sieg über zwei militärisch weitaus überlegene Staaten bezeichnet. Zwar wurden im Krieg zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Militär getötet sowie Militär- und Industrieanlagen zerstört. Regierung und Staatsspitze überstanden den Konflikt jedoch zunächst. Der einst von den USA und Israel in Aussicht gestellte "Regime-Change" in Teheran blieb aus.Erreichten Israel und die USA wirklich einen "historischen Sieg"?
Israels Ministerpräsident Netanjahu spricht von einem "historischen Sieg über den Iran". Er behauptet: "Wir haben das iranische Atomprogramm zunichtegemacht." Zwei existenzielle Bedrohungen sind Netanjahu zufolge beseitigt worden: eine Vernichtung durch Atomwaffen sowie 20.000 ballistische Raketen.Allerdings: Das tatsächliche Ausmaß der dauerhaften Schwächung des iranischen Atom- und Raketenprogramms bewerten die Internationale Atomenergie-Behörde, Geheimdienste und Experten unterschiedlich.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X: "Eine große Anzahl von Einsätzen, Präzisionsschlägen und taktischen Erfolgen führt nicht automatisch zu dauerhaften strategischen Vorteilen." Das iranische "Regime" sei nicht gestürzt worden. Diplomatisch und strategisch sei Israels Lage schwieriger geworden. Der Militäreinsatz sollte nicht als strategischer Erfolg, sondern als strategischer Misserfolg gewertet werden.
Tausende Angriffe und hohe Wirtschaftsschäden in den Golfländern
Die Golfstaaten gelten als Opfer des Kriegs, den sie unbedingt vermeiden wollten. Ihr Ruf als sichere Häfen für Investitionen, Handel und Tourismus - etwa in Dubai, Riad oder Doha - wurde durch die Tausenden iranischen Angriffe stark beschädigt, auch wenn die Geschosse größtenteils abgefangen wurden. Die wirtschaftlichen Schäden sind immens, weil die Länder ihr Öl und Erdgas wegen der Blockade der Straße von Hormus seit Monaten nicht oder nur teils an den Weltmarkt bringen können. Auch andere Branchen wie Logistik und Luftverkehr verzeichneten massive Verluste.Immerhin hielten die Golfstaaten ihre Strategie durch, sich zumindest nicht offen am Krieg gegen den Iran zu beteiligen. In den jetzt laufenden Verhandlungen stehen sie trotzdem als Verlierer da: Mit Ausnahme des Vermittlers Katar bekamen sie keinen Platz am Verhandlungstisch, um Vereinbarungen zur künftigen Sicherheit in der Region auszuhandeln. (Arne Bänsch, Khang Mischke, Hans Dahne und Johannes Sadek, dpa) +++