Christopher Street Day
CSD macht deutlich: Warum "Flirty Flamingo" auf die Straße geht
Foto: Thomas Banneyer/dpa
05.07.2026 / KÖLN -
Der Kölner CSD ist politisch wie nie, denn die Community steht unter Druck. Martin ist einer, der das im Alltag erlebt. Schimpfwörter, Gesten, bespuckt werden. Aber resignieren? Auf keinen Fall.
Erkämpfte Rechte verteidigen und wachsende Queerfeindlichkeit anprangern - diesem Ziel dient der Kölner CSD, einer der größten Europas. Die Parade zum Christopher Street Day umfasst 250 Gruppen mit etwa 60.000 Teilnehmenden, die Veranstalter erwarten mehr als eine Million Besucher.
All diese Besucher bringen eine persönliche Geschichte mit. So wie Martin (35) oder "Flirty Flamingo" aus Gießen, ganz in Regenbogenfarben gekleidet und einen aufgeblasenen Flamingo unter dem Arm. "Der Flamingo ist bei mir das Symboltier", erzählt er. In der Community sage man scherzhaft, die normalen Kinder bringe der Storch, die rosa Kinder der Flamingo. "Ich bin eins der rosa Kinder", sagt Martin lächelnd.
"Da schaffen sie es dann, mich einzuschüchtern"
Die CSD-Umzüge sind Martins Sommerurlaub - er will dieses Jahr nicht weniger als 20 besuchen. "Ich kann höchstens in Skiurlaub - von Mai bis September bin ich unterwegs." Sein Coming-out hatte er mit Anfang 20. "Ich habe meine Eltern angerufen und gesagt: "Ich muss euch etwas sagen." Aber da haben sie gesagt: "Du, wir können uns schon denken, was es ist."" Sein Vater habe nur eine Bitte gehabt: "Wenn du mal einen Mann hast, dann stell ihn bitte zu Hause vor. Bevor ich sterbe, will ich wissen, dass du glücklich bist."Selbst der hart gesottene Herr Reul macht sich Sorgen
Dies ist ein Gefühl, das von vielen anderen Demonstrationsteilnehmern bestätigt wird. "Der Wind weht rau, und vor allem gegen die queere Community", sagt Drag Queen Meryl Deep.Auch Hanni hält es für entscheidend, jetzt Präsenz zu zeigen und das Erreichte zu verteidigen: "Ich bin non-binär. Es war schon als Kind absehbar, dass ich irgendwie ganz anders ticke. Damals hat man das nicht so gesehen, damals hat man's auch nicht so gezeigt."
Auch in kleineren Orten organisiert man sich jetzt
Shanann (36), ursprünglich aus Zürich, tritt sogar beruflich für diese Rechte ein. "Ich bin in Deutschland die einzige Rechtsanwältin mit Spezialfach Transrecht." Wie schnell dieses Recht unter Druck kommen könne, zeige das Beispiel USA. "Wir brauchen nicht noch einen zweiten Trump in Deutschland", findet sie. Und deshalb müsse man sich einmischen. "Es werden mehr, die auf die Straße gehen", ist die Beobachtung von Thomas (58). Auch in kleinen Orten gebe es jetzt CSD-Umzüge, gerade auch dort, wo die AfD stark sei. Gegenwind mobilisiere Widerstand. "Flirty Flamingo" Martin sieht es genauso: "Viele Leute sagen, wir brauchen gerade auch auf dem Land Stammtische, wir brauchen eine Community, wir brauchen Gemeinschaft." Dann kommt er noch einmal auf seine persönliche Situation zu sprechen. "Ich habe ja keine Kinder", sagt er. "Für mich ist das mein Freundeskreis." Und mehr noch: "Es ist für mich ein Familienersatz geworden." (dpa)+++