Kiez-Klub macht es vor

Vorbildliche Inklusion: Finn Raschke (21) trainiert im Rolli die St.Pauli-Rabauken

Finn Raschke aus Stade ist mittendrin beim St.-Pauli-Fußballcamp in Niederaula dabei
Fotos: Hans-Hubertus Braune

07.07.2026 / NIEDERAULA - Mittendrin statt nur dabei ist beim Hamburger Kiez-Klub FC St. Pauli keine leere Worthülse. Hier werden die Werte tatsächlich gelebt. Dafür sind die Macher vom Millerntor bundesweit bekannt und beliebt. Bestes Beispiel ist Finn Raschke. Der junge Mann aus Stade sitzt seit seiner Geburt im Rollstuhl, kann höchstens ein paar Schritte selbstständig gehen.



Sein körperliches Handicap ist aber kein Grund, seiner großen Leidenschaft nicht frönen zu können: dem Fußballspiel, im Speziellen dem Torwartspiel. Er ist ein Musterbeispiel, wie Inklusion funktioniert, und findet im barrierefreien Sportpark Aulatal in Niederaula hervorragende Bedingungen vor.

Seit Montag gastiert er mit der Hamburger Fußballschule, den FC-St.-Pauli-Rabauken, beim heimischen JFV Aulatal. Bereits zum vierten Mal: Mit den Rabauken ist inzwischen eine Freundschaft entstanden, das Team fühlt sich sichtlich wohl. 100 Kinder nutzen das komplett ausgebuchte Angebot und trainieren fünf Tage lang von morgens bis abends im neuen Sportpark.

Für den 21-jährigen Finn sind die Bedingungen hier ideal: "Das gefällt mir hier alles sehr gut, eine wunderschöne Anlage, sehr gelungen", sagt Raschke, während der Mittagspause. Die Kinder spielen bereits wieder auf dem Platz oder im Soccerfield, dem besonders beliebten Fußballkäfig. Finn ist mittendrin, ein Junge kommt an, die Schnürsenkel der Fußballschuhe müssen geschnürt werden und eine kleine Abkühlung aus dem Wasserschlauch ist auch gerade recht. Der junge Mann aus Stade kümmert sich, gleich rollt er wieder auf den Platz, die nächste Einheit am Nachmittag steht an.

Marc-André ter Stegen ist sein Vorbild

18 Torhüter sind im Camp dabei. Der Nachwuchs hat sichtlich Spaß. Aber wieso liebt Finn gerade das Torwartspiel? "Ich finde das sehr interessant und beschäftige mich damit. Wenn ich selbst spielen könnte, dann im Tor. Mit meinem Onkel habe ich in der Jugend beim FC Wischhafen/Dornbusch auf meinen Knien im Tor trainiert", erzählt er. Sein Vorbild ist übrigens Marc-André ter Stegen. Dass er als glühender HSV-Fan das St.-Pauli-Trikot im Camp trägt, findet er "nicht so schlimm" und lacht dabei herzhaft.

Das Fußballcamp mit den Rabauken ist für Finn Raschke eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Nach der Schule sucht er immer noch einen Ausbildungsplatz. Denn nicht überall funktioniert es mit der Inklusion so gut. Liebend gerne würde er was im Bereich Sport und Erziehung machen. Die Kinder im Camp haben sowieso kein Problem damit, dass Finn im Rollstuhl sitzt und sie so beim Fußballlernen unterstützt: "Sie sind sehr freundlich zu mir, aufgeschlossen. Das ist gar kein Problem", freut er sich. So muss es sein. Mittendrin bei den Rabauken vom FC St. Pauli. (Hans-Hubertus Braune) +++

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