Ein Haus mit Geschichte

Kunstschmiede feiert Jubiläum - Was Pferde mit Kultur zu tun haben

An diesem Wochenende feiert die Kunstschmiede Bernhardt in Fulda ihr 120-jähriges Bestehen. Dazu öffnet das historische Haus seine Türen und lädt zu einer Entdeckungs-Tour durch verborgene Welten mitten in der Stadt ein. In die alte Schmiede, in der früher noch Pferde beschlagen wurden. In einen Zaubergarten.
Fotos: Rainer M. Gefeller

02.07.2026 / FULDA - An diesem Wochenende feiert die Kunstschmiede Bernhardt in Fulda ihr 120-jähriges Bestehen. Dazu öffnet das historische Haus seine Türen und lädt zu einer Entdeckungs-Tour durch verborgene Welten mitten in der Stadt ein. In die alte Schmiede, in der früher noch Pferde beschlagen wurden. In einen Zaubergarten. Zu einem Sommerabend-Konzert. Man kann dabei sein, wenn ein Metallkünstler eine Eisenskulptur schafft. Bei einer Tanz-Performance mitmachen oder bei einem Mal-Workshop "den Sommer einfangen". Oder einfach nur der Geschichte dieses fuldischen Kulturdenkmals nachspüren.



Mitten im alten Fulda, direkt an der historischen Stadtmauer, hat ein seltsam verschachteltes Haus die Zeit überlebt. Seit dem 18. Jahrhundert hieß die Gasse, die einen Zugang zu dem Gebäude bietet, Schlachthausgasse. Das klingt schon mal weniger anrüchig als zuvor, als das Sträßchen den Namen "Auf der Miste" trug. Der Heimatforscher Michael Mott hat die Geschichte des Ortes akribisch aufgeschrieben. Ein Senator, ein Schuhmachermeister, ein Chausseewärter, ein Horndrechslermeister, ein Schreiner, ein Metzger, ein Lohnkutscher – sie alle lebten hier für eine Weile.

Der Beginn der Schmiedetradition

1887 kaufte der Schmiedemeister August Frick die "Fuldaer Antiquität", ließ alles (inklusive der Miste) abreißen. Der Neubau enthielt "eine Remise" (eine Art Carport für Pferdekutschen und andere Vehikel) sowie eine Schmiede. Aber lange hat Herr Frick keinen Spaß an seiner Erwerbung gehabt, schon 1901 ging er in Rente. Am 1. Juli 1906 kaufte der Kollege Andreas Bernhardt das Ensemble. Für ihn war hier alles genau richtig. Seine Spezialität: Hufbeschlag und Wagenbau. Der Großvater der heutigen Besitzerin Ursula Bernhardt erarbeitete sich rasch ein enormes Ansehen. Allein das Militär beauftragte ihn, 24.000 Hufeisen für deren Zwecke umzuarbeiten. Bernhardt war eine Art Pferdeflüsterer, selbst seine tiermedizinischen Ratschläge waren gefragt. Und er galt als fortschrittlich: In seiner Schmiede stand Fuldas erstes Schweißgerät.

Er baute Schlitten und Kutschen im aufwändigen Design, reparierte Autofedern und war ein unermüdlicher Arbeiter: Vor der heiligen Kaffeepause um elf hatte Bernhardt bereits sechs Pferde beschlagen. 1956, im Alter von 75, stand "der Alte" immer noch am Amboss. Zwei Jahre zuvor erst war sein Sohn Erich nach langer russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. "Der Junge", der bei seinem Vater das Schmiedehandwerk gelernt hatte, machte sich sofort ans Werk in der Familien-Firma. Die nächste Generation war auch schon in den Startlöchern: 1956 wurde Tochter Ursula geboren. Erich hatte einen zusätzlichen Erwerbszweig aufgetan: einen Schlüsseldienst inklusive Notöffnungen aller Türen.

Zwischen Schmiede, Yoga und Neuanfang

Ursula Bernhardt war immer irgendwie mittendrin. Die Pferde, das Klappern der großen Wagen, das Zischen und Hämmern in der Schmiede. Und diese Gerüche, die beim Erhitzen, Verbiegen und In-Form-Gießen von Eisen entstehen. "Noch heute", sagt Ursula Bernhardt, "kitzelt mir manchmal der Geruch von verbranntem Horn in der Nase, der beim Beschlagen der Pferde entsteht." Heimat-Geruch.

1992 starb Erich Bernhardt. Damit hätte die Geschichte des Hauses ausplätschern können. Ursprünglich hatte die Tochter ihre eigenen Pläne gehabt, die Nachfolge in der Schmiede passte nicht dazu. Die Werkstätten wurden verpachtet. Nach einer Ausbildung in Schwarzerden gehörte Ursula Bernhardt zu den Yoga-Pionieren in Fulda. Ihre Entspannungs-Sitzungen hatten großen Zulauf. Aber daheim ging es bergab. Mit dem Pächter kamen Ursula und ihre Mutter nicht klar. "Wir konnten doch all das hier nicht einfach untergehen lassen", sagt Frau Bernhardt; sie nahm "die Zügel in die Hand". Schon bald entstanden in der Werkshalle, die jetzt Kunstschmiede heißt, außergewöhnliche Eisenmöbel und Pavillons für den Garten. Grabkreuze, raffinierte Tore. Ursula machte die Entwürfe, die Schmiede hämmerten und formten das Metall. Der verwunschene Garten, den Besucher jetzt am Wochenende bestaunen können, wurde zugleich eine Werkschau ihre Arbeiten.

Von dort war der nächste Schritt in die Kunstwelt vielleicht unausweichlich. Ihre Galerie "Kunst im Kutscherhaus" präsentiert in wechselnden Ausstellungen die Vielfalt moderner und klassischer Kunst, mal von heimischen, mal von renommierten internationalen Künstlern. Auch hier spürt man in jedem Winkel die Geschichte. Das Kutscherhaus (Zugang über die Gutenbergstraße 4) ist ein Kulturdenkmal der Stadt Fulda. Während früher nebenan in der Schmiede die Pferde mit neuen Hufen versorgt wurden, machten die Kutscher hier Pause. Zum Hundertjährigen pries 2006 die damalige Stadtbaurätin Cornelia Zuschke die Chefin, sie habe den Traditionsbetrieb in eine neue Dimension geführt und dadurch zukunftsfähig gemacht: "In Ihrem Garten und der Werkstatt spürt man, dass Sie mehr als nur einen Traum verwirklicht haben."

So wird gefeiert in der Kunstschmiede:

Samstag, 4. Juli, 14 bis 17 Uhr

Sonntag, 5. Juli


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