Glückwunsch, Enzianhütte!

"Nördlichste bewirtschaftete Alpenvereinshütte der Welt" feiert 70 Jahre

Das junge Pächterduo Maximilian Harth und René Stolz ist nach drei Jahren richtig angekommen.
Fotos: Moritz Bindewald

02.07.2026 / HILDERS (RHÖN) - Großes Jubiläum auf 760 Metern: Die Enzianhütte auf dem Weiherberg in Hilders (Rhön) feiert 70 Jahre bewegte Geschichte. Das junge Pächterduo Maximilian Harth und René Stolz ist nach drei Jahren richtig angekommen und ein größerer Umbau ist in Planung. Der Betrieb läuft, die Gästezahlen steigen stetig.



85 Übernachtungsplätze – davon 32 im Matratzenlager, dazu drei Vier- und drei Zweibettzimmer sowie acht Biwak-Plätze – verzeichnen rund 2.500 Übernachtungsgäste im Jahr. Anders als viele Hütten hat die Enzianhütte das ganze Jahr über geöffnet, auch im Winter. Im Sommer bietet sie insgesamt bis zu 400 Sitzplätze, Innen- und Außenbereich zusammengerechnet; im Winter sind es rund 100 bis 110 Plätze im Haus.

Getragen wird der Betrieb von 14 Festangestellten in Voll- und Teilzeit, im Sommer kommen bis zu 30 Aushilfen dazu. Die Gäste reisen längst nicht mehr nur aus der Region an: "Wir haben Besucher aus der ganzen DACH-Region", so Harth – dazu Gruppen aus Holland, Dänemark, Frankreich und Italien, die sich bewusst für die Rhön statt überlaufener Alpenziele entscheiden.

Sanierung mit Augenmaß: Was sich auf der Hütte ändern soll

Der Blick nach vorn richtet sich vor allem auf die Bausubstanz. Ein veralteter Ölkessel, enge und wenig barrierefreie Sanitäranlagen sowie beengte Jugendräume im Keller stehen ganz oben auf der To-do-Liste der verpachtenden DAV-Sektion. "Jeder, der ein Haus besitzt, weiß: Man muss irgendwann etwas tun", bringt es Projektteamleiter Richard Hartwig auf den Punkt. Klar sei dabei aber auch: "Die Hütte soll wirklich Hütte bleiben. Das soll auch keine Gaststätte und kein Hotel werden."

Gemeinsam mit dem Architekturbüro Reith Wehner Storch liegt bereits eine Machbarkeitsstudie vor. Christian Günther, im Vorstand der Sektion für Infrastruktur zuständig, arbeitet derzeit an konkreten Entwürfen und einer Kostenschätzung – auch mit Blick auf das Ziel des Deutschen Alpenvereins, bis 2030 klimaneutral zu werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die eigenständige Wasser- und Energieversorgung der Hütte: Sie hängt bis heute an keiner öffentlichen Wasser- oder Abwasserleitung, sondern versorgt sich über eine eigene Quelle und eine eigene Kläranlage mit Versickerungsteich. "Das, was wir hier oben machen, ist wirklich proaktives Wasser- und Abwassermanagement", so Harth.

Einen festen Zeitplan für den Umbau gibt es noch nicht, doch in den kommenden ein bis zwei Jahren sollen die Pläne konkreter werden. Ziel ist ein Umbau "mit Augenmaß" und ohne lange Schließzeiten, wie Günther betont – am Ende muss auch die Mitgliederversammlung der rund 7.000 Mitglieder starken Sektion zustimmen.

Kulinarik mit Handschrift, Bedienung statt Selbstbedienung

Gastronomisch setzt das junge Pächterteam bewusst auf Qualität statt Masse: 15 ausgewählte Gerichte stehen auf der Karte, viele davon vegan oder vegetarisch. "Bei uns steckt da jede Menge Herzblut drin, jede Menge Handarbeit", betont Harth. Drei Köche kümmern sich täglich darum, dass alles frisch zubereitet wird.

Auch beim Service setzt das Team bewusst auf Persönlichkeit statt Selbstbedienung. "Uns ist wichtig, dem Gast die Annehmlichkeit zu geben, dass wir bedienen", erklärt Stolz. "Das wird bei Biergärten und Hütten immer seltener, und wir wollen diesen Faktor so lange wie möglich erhalten – das passt einfach zur Atmosphäre und zur Persönlichkeit hier oben." Geduzt wird auf der Enzianhütte grundsätzlich – "ab 700 Meter gibt es kein Sie mehr", lautet das Motto.

Für die beiden Pächter ist klar: "Wir wollen kein reines Ausflugslokal sein. Was unserem Herzen liegt, ist, diesen tollen Ort mit den Menschen aus der Region zu teilen." Besonders Familien sind in den vergangenen Jahren häufiger geworden, beobachten die Verantwortlichen.

Buntes Programm zum Jubiläumswochenende

Am 7. bis zum 9. August lädt die Enzianhütte zu einem großen 70-Jahre-Jubiläumswochenende ein. Geplant sind ein Hüttenabend mit den Kuppenstürmern, Livemusik von der Rhönharmonika aus Poppenhausen sowie ein Frühschoppen mit der Blechmucke aus Steinau/Steinhaus. Zusammen mit der Jugend des Alpenvereins (JDAV) organisiert das Team außerdem einen Familientag. "Wir haben ein ganz, ganz buntes Rahmenprogramm geplant", verspricht Harth. Nähere Infos gibt es in den kommenden Wochen auf der Website der Sektion sowie auf Social Media.

Kein Zufall ist, dass das Fest mit dem Rhöner Wandertag zusammenfällt: Sektion und regionale Tourismusstellen stimmen ihre Termine bewusst ab. "Wir sind im engen Austausch mit den Tourismuszentren hier in der Region", berichtet Harth. "Was macht ihr für neue Events, können wir irgendwas zusammen machen?" (mmb) +++

X