Ein Startup gründen
Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule mit Geschäftsideen von A bis Z
Fotos: Traudi Schlitt
01.07.2026 / LAUTERBACH -
Die Idee für ein eigenes Business haben heute viele Jugendliche – ob inspiriert durch lokale Erfolgsgeschichten oder durch Vorbilder in den sozialen Medien. Doch eine gute Idee allein reicht nicht aus. Wie man daraus tatsächlich ein tragfähiges Konzept entwickelt, vom Slogan über die Finanzierung bis hin zum Marketing, damit beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der E‑Phase und der zehnten Klasse der Alexander‑von‑Humboldt‑Schule (AvH) intensiv in der letzten Woche vor den Sommerferien. Sie tauchten ein in die Welt der Unternehmensgründung und lernten, wie aus einer ersten Idee Schritt für Schritt ein echtes Geschäftsmodell entstehen kann.
Von der Idee zum Pitch wurde das Angebot im Rahmen der Berufsorientierung des Gymnasiums begleitet von Florian Albinger, Projektmanager bei der Region Fulda Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH und dort zuständig für Gründer. Aus Lauterbach nahm Jeremias Rockel von der Zweikopf-Agentur an den Vorbereitungen bis zum Pitch am vorletzten Schultag teil – sein Unternehmen ist ein gelungenes Beispiel, wie eine Idee mit viel Herzblut, Knowhow, Leistungsbereitschaft und Mut wachsen und gedeihen kann.
Von Seiten der AvH ist Studiendirektor Oliver Stoy verantwortlich für dieses Projekt, das in den hessischen Schulen seinesgleichen sucht: Eine Woche lang wurden Schülerinnen und Schüler zu Entrepreneuren. Zum Auftakt der Woche begrüßte Stoy auch Andrea Ortstadt und Stefanie Feuerfeil von der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises, die mit ihrem Netzwerk den Workshop überhaupt erst möglich gemacht hatten, sowie Michael Mutz aus dem Bereich Existenzgründung der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg, der mit seinem Vortrag die Grundlagen für die Businesspläne gelegt hatte.
Kreative Ideen für die Region
Zu Beginn entwickelten die Sechzehn- bis Siebzehnjährigen in Kleingruppen ihre verschiedenen Geschäftsideen: Welches Angebot fehlt? Was könnte das Schulleben verbessern? Was passt zur Region? Welche Menschen könnte man damit erreichen? Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich dabei nicht nur äußerst kreativ, sondern auch realitätsbezogen: Sie betrachteten die Demographie im Vogelsberg und entwickelten Hilfsangebote für ältere Menschen, beispielsweise im IT-Bereich oder bei Unterstützung im Alltag. Nachhaltigkeitsideen zum Retten von Lebensmitteln oder Mitfahrgelegenheiten hatten sie genauso im Portfolio wie Finanzberatung. Im Lauf der Woche entwickelten sie zu ihren Ideen Logos und Slogans, machten eine Marktbeobachtung und eine Kostenanalyse und informierten sich über die verschiedenen Finanzierungswege von Förderungen bis Franchising. Am Ende entwickelten sie einen Pitch: Fünf Minuten hatten die Gruppen, um ihre Idee einem Expertengremium vorzustellen, das am Ende einen Sieger ermitteln würde. Die besten fünf Ideen treten vor die Jury
Mit sichtlicher Freude, ganz viel Kreativität und Leidenschaft stellten sich die fünf Klassensieger der Jury: Zunächst lernte diese die "AlltagsEnkel" kennen. Dieses Angebot ist als Hilfe für ältere Menschen in allen Fragen der Digitalität gedacht: Fotos verschicken, WhatsApp-Gruppen einrichten oder die Schrift vergrößern – für all das kann man sich an die AlltagsEnkel wenden, denn die Schülerinnen, die diese Idee sowohl analog als auch digital anbieten, wissen, dass es viele ältere Menschen in der Region ohne direkten Familienanschluss für kleine, schnelle Hilfen gibt.Die zweite Gruppe möchte mit einer Rundum-Kamera den Kühlschrank überwachen und so verhindern, dass Lebensmittel unbemerkt ablaufen: Infos an die Besitzer mit den Ablauffristen sowie Rezeptvorschlägen und Einkaufslisten sollen den Alltag erleichtern und für Nachhaltigkeit sorgen. "Food Saver" heißt ihre Idee, die für viele interessierte Nachfragen aus der Jury und der Schulgemeinde sorgte.
Der "Snack Point" möchte die Cafeterien in den Schulen auf ein neues Level heben: Vorbestellung und Abholung in Regalen statt langer Schlangen in den Pausen. Gesundes, frisches Essen und Kartenzahlung. Hier merkte man deutlich, dass sie sich viele Gedanken gemacht hatten, um die Situation in den Schulkantinen zu verbessern, gar zu "revolutionieren", wie sie in ihrer Präsentation versprachen. Als Finanzierungsmöglichkeit brachten sie Franchising ins Spiel – ein weiteres Indiz dafür, wie tief die Schülerinnen und Schüler in dieser Woche ins Businessleben eingestiegen waren.
Zu guter Letzt boten die "Five Tech" ihre Dienstleistungen an. "Wir sind da", versprachen sie ihren Kunden, und zwar mit Blick auf alles rund um die IT im privaten Umfeld: Von der Einrichtung eines neuen Tablets bis hin zu einem Heimnetzwerk wollen sie die Menschen unterstützen, die sich gut und sicher digital aufstellen wollen. Sie wollen dem Bedürfnis nach Face-to-Face-Betreuung entgegenkommen und somit auf die Vereinsamung und die Hilflosigkeit vieler Menschen nach der Pandemie und im Angesicht nutzloser Chatbots reagieren. Ihr Plus: Sie möchten mit ihrem eigenen Equipment und im Rahmen eines Nebengewerbes klein starten, dann langsam wachsen.
Ein Format mit Zukunft
Dies war es dann auch, was am Ende den Ausschlag gab, wie Florian Albinger von der Jury am Ende des Pitches und der Beratungen der Experten bekanntgab: "Vierundzwanzig Ideen in vier Tagen – das war eine tolle Leistung", sagte er. Alle Ideen, gerade die im finalen Pitch, seien extrem gut gewesen, mitunter besser, als man es auf professioneller Ebene manchmal sehe. Die Startups seien für die Region relevant, wirtschaftlich durchdacht und mit verschiedenen kleinen Verbesserungen durchaus realistisch.Und das Format ist damit nicht zu Ende: Der Foundershub des Regionalmanagement Mittelhessen lädt die siegreichen Gruppen zu ihrem alljährlich stattfindenden Startup-Weekend Mittelhessen ein: Hier können sich die Schülerinnen und Schüler der AvH über zehn Freikarten freuen und ihre Gründungsideen im Mai nächsten Jahres zu einem tragfähigen Geschäftsmodell weiterentwickeln. (mis/pm) +++