Ein Leben knapp unter dem Polarkreis

Alina König (36) packt ihren Mut zusammen - und findet ihr Glück in Luleå

Alina König hat ihre Heimat Osthessen für das Abenteuer Schweden verlassen. Besonders die Natur hinterlässt bei ihr Faszination pur.
Fotos: Alina König

06.07.2026 / SCHWEDEN - Wenn aus einem Traum Realität wird: Die Vogelsbergerin Alina König hat einen großen Schritt gewagt und ihre Heimat hinter sich gelassen. Gemeinsam mit ihrem Freund ist sie in die nordschwedische Stadt Luleå (Region Norrbotten) ausgewandert - zweieinhalbtausend Kilometer entfernt von Familie und Freunden. Seit neun Monaten führt sie ein völlig neues Leben. Und mehr denn je zieht es sie hinaus: "Ich war schon immer ein absoluter Draußenmensch - die Natur hier oben ist einfach unvergleichlich."



Die 36-Jährige kommt aus Lautertal-Eichelhain. Kreativität hat ihren beruflichen Weg geprägt: "Ich habe viele Jahre selbstständig als Fotografin gearbeitet - für Hochzeiten, Familien und besondere Momente", erklärt sie gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Dass sie einmal nach Skandinavien ziehen würde, hätte sie selbst nie für möglich gehalten. Im Jahr 2019 machte sie mit ihrem Partner zum allerersten Mal in Nordschweden Urlaub. "Wir haben uns direkt in diese Gegend verliebt. Es war wie im Bilderbuch - wir standen mitten im Winterwald und haben komplette Stille erlebt. Keine Geräusche, nur der eigene Herzschlag." Dieses Gefühl ließ die beiden fortan nicht mehr los. Seitdem zog es sie stets in den Norden - zu ganz unterschiedlichen Jahreszeiten. "Die Sehnsucht danach spürten wir deutlich."

Jobangebot bringt alles ins Rollen

Irgendwann begann König, ihr Leben in Deutschland grundsätzlich zu hinterfragen. Ein Zufall brachte schließlich die Idee des Auswanderns ins Rollen. Ihr Freund ist im medizinischen Bereich tätig und bekam ein Jobangebot. "Das schwedische Gesundheitssystem ist für deutlich bessere Arbeitsbedingungen bekannt." Ende 2024 fassten beide den Entschluss: Sie kündigten alles, verkauften ihre Sachen, begannen, die Sprache zu lernen - ehe sie sich im September letzten Jahres auf den Weg zu ihrem neuen Zuhause machten.

Mehr Work-Life-Balance: Weniger Druck und Hektik im Arbeitsalltag

Heute arbeitet König angestellt in einem Hotel. "Damit schließt sich der Kreis, denn vor vielen Jahren habe ich bereits eine Hotelfachausbildung abgeschlossen. Es war mein Plan B", verrät die Auswanderin. Die Unterschiede zu ihrem früheren Arbeitsalltag liegen für sie klar auf der Hand. "Generell ist erst einmal der Druck der Selbstständigkeit weg - und die Work-Life-Balance hat hier einen anderen Stellenwert." Denn: "Es werden Pausen eingehalten, Überstunden sind nicht gern gesehen - das Tempo ist ganz anders."

Natur begeistert in all ihren Facetten

Von einer ganz anderen Seite zeigt sich auch die Natur. Wälder, Seen, Meer, Polarlichter - das idyllische Bild scheint kaum zu übertreffen. "Die Stadt liegt knapp unter dem Polarkreis. Die Jahreszeiten sind spürbar extremer", stellt König heraus. Im Winter etwa gibt es nur drei Stunden Tageslicht, im Sommer - so wie jetzt - wird es gar nicht mehr dunkel. "Um 1 Uhr nachts scheint einem die Sonne ins Gesicht - das ist ungewohnt, aber gleichzeitig auch faszinierend."

Den Schritt ins Ungewisse hat die gebürtige Osthessin bislang keine Sekunde bereut. Abschließend bringt sie es auf den Punkt: "Das Leben ist zu kurz, um nicht mutig zu sein. Ich möchte nicht irgendwann zurückschauen und denken, dass ich Chancen verpasst habe." (Maria Franco) +++







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