Kommentar von Hans-Hubertus Braune
Wer ist jetzt der Zwerg? - Deutschland hat seine Macht längst verloren
Gegen Paraguay schied die DFB-Elf in ihrem ersten K.O.-Spiel seit 2014 erneut früh aus.
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30.06.2026 / REGION -
Irgendwie spiegelt das desaströse Auftreten unserer Fußballnationalmannschaft die Rolle Deutschlands in der Welt wider. Es läuft einfach nicht mehr rund und längst gilt "Made in Germany" nicht mehr als das Qualitätssiegel, worauf wir uns jahrzehntelang ausruhen konnten.
Wir können doch nicht gegen Paraguay verlieren? Gegen diesen Fußball-Zwerg. War es nicht die Frage, wie hoch wir gewinnen? Vielleicht holen die anderen Nationen viel schneller auf als viele denken? Bei unseren lieben Nachbarn westwärts wird man vielleicht ähnlich rätseln. Aber Häme ist das Letzte, was uns jetzt zusteht.
Dass Paraguay in der Qualifikation gegen Argentinien und Brasilien gewonnen hat – geschenkt. Die vergangene Nacht hat uns gezeigt, dass es eben doch passiert. Elfmeterschießen ist ein Lotteriespiel, ein nicht gegebenes Tor ärgerlich. Aber darauf allein das Auftreten unserer Mannschaft zu reduzieren, verblendet den Blick auf das, was aus meiner Sicht leider Realität ist: Trotz guter bis vielleicht sogar überragender Einzelspieler reicht es eben nicht, gegen zweikampfstarke, kämpfende Mannschaften zu bestehen.
Dass Deutschland seit zehn Jahren nicht überzeugt, ist kein Zufall
Gegen die Elfenbeinküste noch knapp gewonnen, dann Pleiten gegen Ecuador und nun Paraguay. Das ist einfach zu wenig, für den Anspruch, den Fußball-Deutschland erwarten durfte. Wo war die Spielfreude, wo die Genialität, die es braucht, diese Abwehrmauern zu überwinden? Hart gesagt, hat uns einfach die nötige Mentalität gefehlt. Ich bin nun wirklich kein Anhänger von Bundestrainer Julian Nagelsmann, gerade was seine meiner Meinung nach unwürdigen Aussagen gegen einen Nationalspieler wie Deniz Undav angeht oder die Herabwürdigung von Torwart Oliver Baumann. Oder das Festhalten an Spielern, die offenbar gerade nicht in Form sind. Aber der Schuh drückt ja schon viel länger. Seit nunmehr zehn Jahren hat Deutschland kein einziges überzeugendes Turnier mehr gespielt. Das ist kein Zufall. Das allein liegt nicht an einem Bundestrainer, ob Joachim Löw, Hansi Flick oder nun Julian Nagelsmann.
Der Deutsche Fußball-Bund muss sich hinterfragen. Er muss sämtliche Personalentscheidungen, sämtliche Konzepte und Strategien auf den Prüfstand stellen, muss sich überlegen, mit wem man wie nach außen auftreten will? Ich bin einer Meinung mit Mats Hummels: Auch der eine oder andere Spieler muss sich hinterfragen. Unterm Strich braucht es einen kompletten Neuanfang, eine Rückbesinnung auf die Tugenden, die uns stark gemacht haben. Und ein Team an der Spitze, welches das Ruder vielleicht herumreißen kann. Wir brauchen einen Nationaltrainer von der Qualität eines Vincent Kompany. Ob Jürgen Klopp der Richtige ist? Zumindest ist er in der Außendarstellung deutlich cleverer, siehe das Magenta-Interview vergangene Nacht.
Wir brauchen Mut, Reformen anzustoßen und diese tatsächlich auch umzusetzen. Aber da wären wir wieder beim Bild Deutschlands in der Außenwahrnehmung. Desaströs, bisweilen peinlich. Leider. (OSTHESSEN|NEWS-Chefreporter Hans-Hubertus Braune) +++