Volles Haus, trockenes Becken, nasser Humor
Kleinkunstbühne statt Kanzel: Henner Eurich begeistert mit "TrittbrettPfarrer"
Foto: ., Anja Kierblewski
30.06.2026 / ALSFELD- -
Der Förderverein Badefreunde hat mit seiner Reihe "BäderKultur" erneut bewiesen, dass ungewöhnliche Spielorte gewöhnliche Abende zuverlässig verhindern. Diesmal gastierte die Kultur im sommerlich trockengelegten Hallenbad – nicht als Kulisse, die sich in den Vordergrund drängt, sondern als stiller Rahmen für einen Abend, der vor allem von einem lebte: Sprache, Musik und präzisem Witz.
Schon die Begrüßung durch Bäder-Geschäftsführer Ralf Kaufmann setzte den Ton. Unprätentiös, herzlich und mit einem feinen Gespür dafür, dass hier kein klassischer Kulturabend im gewohnten Sinne bevorstand, sondern eine Veranstaltung, die bewusst zwischen Kleinkunst, Kirche und Kabarett pendelt.
Dabei streift er große Themen unserer Zeit: Klimawandel, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Sprachentwicklungen, Fragen von Identität und kirchlicher Relevanz. Eurich behandelt sie nicht als Schlagworte, sondern als Stoff, an dem sich Sprache und Denken gleichermaßen prüfen lassen. Dass er dabei nie ins Belehrende kippt, gehört zu den Qualitäten dieses Abends.
Auch die kirchliche Perspektive bleibt präsent, allerdings ohne Schwere. Eurich erzählt von der veränderten Rolle des Pfarrers bei Hochzeiten, von Ritualen, die zwischen Tradition und Eventlogik neu verhandelt werden, und von einer Kirche, die sich in einer pluralen Gesellschaft immer wieder selbst erklärt. Seine Beobachtungen sind dabei nie bitter, sondern von einer grundsympathischen Ironie getragen.
So entsteht ein Programm, das sich keiner einfachen Kategorie fügt. Kein reines Kabarett, keine klassische Predigt, kein Liederabend – sondern eine Mischung, die genau aus dieser Unschärfe ihre Stärke gewinnt.
Am Ende bleibt ein Abend, der nicht laut beeindrucken will, sondern nachhaltig wirkt: durch präzise Sprache, musikalische Vielstimmigkeit und einen Humor, der klug genug ist, um sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. (Anja Kierblewski)+++