Rettungsarbeiten laufen weiter
Der Geruch des Todes breitet sich nach Beben in Venezuela aus
Foto: Matias Delacroix/AP/dpa
29.06.2026 / CARACAS -
Die Rettungsarbeiten werden nicht eingestellt, doch die Zeit für die Suche nach Überlebenden läuft aus. Nach den Erdbeben sind viele Familien in Notunterkünften untergebracht.
Nach den Erdbeben in Venezuela breitet sich im Katastrophengebiet La Guaira der Geruch verwesender Leichen aus. "Der Geruch ist ein Anzeichen dafür, dass noch Leichen unter den Trümmern liegen", schrieb am Wochenende die Menschenrechtsorganisation Provea auf der Plattform X. Offiziell liegt die Zahl der Todesopfer bislang bei 1.450, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Rund 3.200 Menschen sind demnach verletzt worden.
Die Rettungsarbeiten in dem südamerikanischen Land sind am Montag an ihrem fünften Tag. Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Rund 30.000 venezolanische Einsatzkräfte sowie 2.700 Rettungsexperten aus 24 Ländern sind im Einsatz. Auch ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) ist dabei.
Regierung überprüft, ob Gebäude bewohnbar sind
Nach der jüngsten Schadensbilanz wurden rund 780 Wohnhäuser sowie 38 Krankenhäuser zerstört oder schwer beschädigt. Auch Einkaufszentren und andere öffentliche Gebäude sind demnach eingestürzt – insgesamt rund 2.500 Wohngebäude und andere Einrichtungen. Nach den Beben der Stärke 7,2 und 7,5 am frühen Mittwochabend (Ortszeit) wurden mindestens 430 Nachbeben verzeichnet.Verzweifelte Suche der Angehörigen
Laut einer inoffiziellen Plattform für die Suche nach Vermissten gelten derzeit mehr als 47.000 Menschen als vermisst – nachdem fast 79.000 Vermisstenmeldungen eingegangen waren. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen. Menschen suchen auch nach den Namen ihrer Angehörigen auf Listen von Überlebenden, die sich etwa in Notunterkünften befinden.Kritik an Präsidentin – und Rückkehrwunsch von Oppositionsführerin
Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der größten Migrationskrisen der Welt. Im Januar führte Washington einen Militäreinsatz im Land durch, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin war Vizepräsidentin in der Maduro-Regierung.Laut einem Bericht der "New York Times" hält die US-Regierung allerdings einen solchen zeitnahen Schritt für unangebracht. Im vergangenen Dezember war die bis dahin im Untergrund lebende Politikerin heimlich aus Venezuela ausgereist, um den Friedensnobelpreis in Oslo persönlich entgegenzunehmen. Kurz darauf, als sie bereits im Ausland war, wurde Machthaber Maduro gefangen genommen. Nun arbeitet Washington mit der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez eng zusammen. (dpa) +++