Der Underground lebt

Black-Metal aus dem Vogelsberg: "Toxic Dawn" ist roh, laut und atmosphärisch

Die Band "Toxic Dawn" aus Alsfeld erweckt den Black Metal Underground wieder zum Leben.
Foto: Toxic Dawn

05.07.2026 / ALSFELD - Die Metal-Musikwelt bietet in Osthessen etwas Neues und vor allem vielversprechendes für all diejenigen, denen alles, was die Rock- und Metalwelt der Region bisher einfach nicht hart und düster genug war. "Toxic Dawn" ist ein Black-Metal-Projekt, welches im Alsfelder Stadtteil Leusel im letzten Jahr erst wirklich Form annahm. Bestehend aus dem 23-jährigen Max, dem 19-jährigen Jannis und dem 16-jährigen Terrence bringt die Band einen rohen, aber atmosphärischen Sound zustande, der seinesgleichen sucht.



Es sind die späten, frühen 1990er-Jahre, in denen sich die Skandale rund um die vor allem skandinavische Black-Metal-Subkultur immer weiter häufen. Während Metal natürlich schon von Beginn an kontrovers war, steigerten sich durch extreme neue Strömungen die Debatten darum, ob es sich dabei wirklich noch um Musik handelte oder ob sich die ohnehin schon laute Metal-Gemeinschaft nur noch mehr Krach als "wirkliche Musik" produzierte. Der raue, dichte, aber vor allem auch finstere Sound und Geist des Black-Metal-Genres hat sich aber natürlich immer weiter verbreitet und über Jahre hinweg eine große, aber dennoch eng vernetzte Subkultur aufgebaut. Auch Toxic Dawn ist über diverse Foren und Portale mit Genre-Kollegen vernetzt. O|N konnte mit der jungen Band sprechen.

"Domine Sathanas, Exaudi Meam" und "Wintersturm"

Bisher hat das Musik-Projekt bereits zwei Alben veröffentlicht, die sich sehr stark voneinander unterscheiden. Während "Domine Sathanas, Exaudi Meam" vor allem sehr nach "Thrash" und genretypisch laut und schnell vor allem an Bands wie "Bathory" oder "Venom" erinnert, schlug das Folgealbum "Wintersturm" eine eher andere Richtung ein. "Das erste Album war viel mehr eine Sammlung von Songs aus den letzten zehn Jahren", erklärte Max, der zurzeit sowohl Rhythmusgitarre, Bass und den Gesang übernimmt. "Wintersturm" hingegen ist ein eigenständiges Projekt und viel atmosphärischer", so der 23-Jährige.

Das zweite Album orientiert sich passenderweise stärker an der zweiten Welle des Black Metals und baut eine rohe, noch düsterere und wesentlich dichtere Klanglandschaft auf. Auch die Produktion unterscheidet sich stark vom vorherigen Album - wo die Musik vorher noch viel klarer und energetischer war, liegt der Fokus nun vor allem auf der rohen und ungeschliffenen Atmosphäre, die den Black Metal speziell in den 1990er Jahren ausmachte. Das Album wird seinem Namen "Wintersturm" gerecht - es klingt kalt, rau, irgendwie auch einsam und fängt somit genau das ein, was den Black Metal schon vor über dreißig Jahren prägt.

Eine junge Band mit hohem Output und ersten internationalen Kontakten

Lead-Gitarrist Jannis lernte Max durch Kontakte seiner ehemaligen Musikschule kennen und auch, wenn er zunächst nicht viel mit Black Metal zu tun hatte und sich eher im Bereich des Metalcore bewegte, wurde schnell klar, dass die Kombination passt. Nach einem Aufruf auf Instagram kam Schlagzeuger Terrence hinzu und unterstützt seitdem die Band mit viel Energie und Leidenschaft. Beim Schreiben und Produzieren im Heimstudio (ein ehemaliges Gästezimmer, welches auch als Proberaum dient) hat die Band zudem stets den Anspruch, nicht aufzuhören, bis ein neuer Song fertiggestellt ist.

"Wenn man zu viel darüber nachdenkt und überdenkt, geht das Rohe an der Musik verloren", erklärte die Band und betonte, man müsse vor allem dann dranbleiben, wenn man ein stimmiges Gesamtbild erzeugen möchte. Durch diese disziplinierte Arbeitsweise konnte die Band bereits viele Songs auch abseits ihrer beiden Alben aufnehmen und auch veröffentlichen. Geteilt wird die Musik vor allem in den sehr aktiven Szene-Foren oder auch auf "Bandcamp"-Plattformen, die einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen sozialen Netzwerken haben.

"Dort sind primär natürlich auch Leute unterwegs, die direktes Interesse an genau dieser Musik haben, aktiv. So verbreitet sich die Musik recht gut", gab die Band zu verstehen. Durch diese Foren wird die Alsfelder Band auch in Russland, Spanien oder den USA gehört - es sind auch schon die ein oder anderen Underground-Magazine auf das Musikprojekt aufmerksam geworden.

Die Band hat derzeit noch nicht live auftreten können, da derzeit noch ein Bassist fehlt. Dennoch sind die drei Jungs aus dem Vogelsbergkreis weiterhin sehr aktiv in ihrem Heimstudio, produzieren ihre Musik selbst und haben vor allem eins: Freude am Musikmachen und das Ziel, sich immer weiter zu entwickeln. (pg) +++

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