Das Bild ging um die Welt

Nach KI-Skandal um Hitler-Foto: Alsfelder erlebt WM-Abenteuer wie im Film

Ein KI-generiertes Bild zeigt den Mann aus Alsfeld als Adolf Hitler.
Screenshot: X/@Priceless_MCI

20.06.2026 / ALSFELD/USA - Eigentlich wollten Jan Weitzel und sein Sohn Jannis aus Alsfeld bei der Fußball-WM einfach die deutsche Nationalmannschaft unterstützen und mit einer selbst gestalteten Fahne ihre Heimat grüßen. Stattdessen gerieten die beiden Vogelsberger plötzlich weltweit in die Schlagzeilen.



Während des deutschen 7:1-Auftaktsiegs gegen Curaçao waren Vater und Sohn bei einer Jubelszene im Stadion kurz im Fernsehen zu sehen. Wenig später tauchte im Internet ein täuschend echt wirkendes KI-Foto auf, das ausgerechnet Jan Weitzel als Adolf Hitler zeigte. Das manipulierte Bild verbreitete sich rasend schnell in den sozialen Medien und erreichte weltweit ein Millionenpublikum.

"Ich kann es überhaupt nicht glauben", sagt Weitzel gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Zunächst habe er die ersten Hinweise auf das Bild ignoriert. "Ich dachte, das sind irgendwelche komischen Memes." Erst als große Medien darüber berichteten und die Reichweite immer weiter stieg, wurde ihm das Ausmaß bewusst.

Deshalb wurden inzwischen Anzeigen sowohl in Deutschland als auch in den USA gestellt. Nach eigenen Angaben hatte Weitzel dadurch sogar Kontakt mit dem FBI. Die Kriminalpolizei Fulda ermittelt bereits. Doch von der Freude auf die Weltmeisterschaft will sich der Alsfelder den Traum nicht zerstören lassen. "Das gute Gefühl lassen wir uns nicht nehmen", sagt er richtigerweise.

WM-Trip bisher wie ein kleines Abenteuerbuch

Schon die Anreise begann turbulent. In Chicago verpasste die Familie ihren Anschlussflug. Kurz zuvor hatten sie jedoch zufällig einen argentinischen Nationalspieler, der nachnominiert wurde, Marcos Senesi, kennengelernt, der ihnen an der Grenzkontrolle helfen wollte und sie mithilfe seiner FIFA-Akkreditierung an hunderten Wartenden vorbeiführte. Den Flug verpassten sie am Ende zwar trotzdem um wenige Minuten, doch die Reise nahm danach richtig Fahrt auf.

Von Houston aus startete die Familie einen mehrtägigen Roadtrip quer durch die USA. Mehr als 2.500 Kilometer legten sie bislang zurück. Immer mit dabei: ihre Deutschland-Fahne mit dem Schriftzug "Alsfeld". Auf Wunsch vieler Freunde und Bekannter aus der Heimat entstanden damit besondere Erinnerungsfotos vor den Kapitolen der Bundesstaaten Kentucky und West Virginia. Dort erlebten die beiden eine weitere kuriose Geschichte.

Flagge fast am Kapitol von West Virginia

Als sie einen Mann baten, ein Foto von ihnen zu machen, interessierte sich dieser für die Deutschland-Trikots und die Fahne. Schließlich stellte sich heraus: Der Mann arbeitete als Hausmeister des Kapitols von West Virginia. Kurzerhand lud er die beiden Osthessen zu einer privaten Führung durch das normalerweise längst geschlossene Gebäude ein.

Anderthalb Stunden lang führte der Hausmeister die Familie durch das imposante Kapitol und bot ihnen sogar an, die Alsfeld-Fahne für kurze Zeit auf dem Gebäude hissen zu lassen - eine Ehre, die sonst nur besonderen Gästen zuteilwird. Weil die beiden ihre Reise fortsetzen mussten, konnten sie das außergewöhnliche Angebot jedoch nicht annehmen.

Letzter Teil des Trips in Kanada

Inzwischen sind die beiden auf dem Weg nach Kanada. Dort wollen sie am Samstag auch das zweite deutsche Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste live im Stadion verfolgen. Die Plätze sind zwar nicht mehr ganz so nah am Spielfeld wie beim Auftaktspiel, dennoch überwiegt die Vorfreude.

Und so bleibt von dieser Reise trotz KI-Skandal, Ermittlungen und weltweiter Aufmerksamkeit vor allem eines: ein Familienausflug, der so schnell wohl nicht vergessen wird. (Nicolas Kraus)+++

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