Ch(l)orkonzert eröffnet
Wenn ein Schwimmbecken zur Bühne wird: Auftakt der BäderKultur 2026
Foto: Förderverein 'Badefreu(n)de' e.V.
17.06.2026 / ALSFELD -
Wer am Sonntagabend einen Blick in das leergepumpte Hallenbad des Alsfelder Erlenbades warf, rieb sich unweigerlich die Augen. Dort, wo vor wenigen Wochen noch das Wasser glitzerte, erhob sich nun eine Bühne zwischen den kahlen Beckenwänden. Auf dem mit blauem Teppich ausgelegten Boden nahmen rund 150 Besucher Platz – und je weiter der Abend voranschritt, desto deutlicher wurde: Dieser für den Sommer stillgelegte Ort hatte an diesem Abend eine ganz neue, beinahe magische Bestimmung gefunden.
Mit dem Ch(l)orkonzert ist die BäderKultur 2026 unter dem Motto "Ein Bad taucht ab in Kunst & Klang" stimmungsvoll in ihre neunwöchige Veranstaltungsreihe gestartet – und das mit einem Abend, der eindrucksvoll zeigte, wie viel Atmosphäre ein leeres Schwimmbecken entfalten kann. Die besondere Akustik ließ die Stimmen durch den Raum schweben, trug sie über die Köpfe der Zuhörer hinweg und verlieh selbst bekannten Melodien eine neue Tiefe.
Den musikalischen Auftakt gestalteten die Alsfelder Ratssänger unter der Leitung von Manfred Merle. Die gestandenen Herren bewiesen dabei mit sichtbarer Freude, dass Lebenslust keine Frage des Alters ist. Mit schwungvoll vorgetragenen Schlagern und Evergreens – darunter "Mit 66 Jahren" von Udo Jürgens, "Du entschuldige, i kenn' di" von Peter Cornelius oder "Rote Lippen soll man küssen" – sprang der Funke schnell auf das Publikum über. Bereits nach wenigen Minuten wurde mitgewippt, mitgeschunkelt und hier und da lauthals mitgesungen. In der ersten Pause nutzten viele Gäste die Gelegenheit, sich mit kühlen Getränken sowie süßen und herzhaften Snacks zu versorgen, die die neuen Pächter der Schwimmbadgastronomie vorbereitet hatte und die ebenfalls zur entspannten Sommerabendstimmung beitrugen.
Spürbare Nähe zwischen Publikum und Mitwirkenden
TonArt Schwarz unter der Leitung von Peter Jerabeck präsentierte anschließend eindrucksvoll, wie facettenreich moderne Chormusik sein kann. Das Repertoire reichte von "Benia Calastoria" und "Bright Morning Stars" über "The Lion Sleeps Tonight" bis hin zu "Ich glaube" oder "Regenbogenfarben". Mit dem augenzwinkernden "Der perfekte Chor" bewies das Ensemble Humor, bevor die Damen des gemischten Chors ihre Herren ins Publikum schickten und alleine unter anderem mit "Bring Me Little Water, Sylvie" und "California Dreamin"" stimmungsvolle Akzente setzten.Überhaupt war es die Mischung aus außergewöhnlichem Ort und spürbarer Nähe zwischen Publikum und Mitwirkenden, die den Abend prägte. Immer wieder entstanden jene kleinen Momente, die sich nicht planen lassen: ein Fuß, der unbewusst den Takt aufnimmt, ein vielstimmiger Refrain aus den Zuschauerreihen oder die fast greifbare Stille zwischen zwei Liedern. Auch die Chöre selbst zeigten sich begeistert von der Resonanz und der besonderen Akustik des Hallenbadbeckens.
Begeistertes Publikum
Dass dieses überhaupt zur Kulturbühne werden konnte, geht auf eine Idee von Anja Kierblewski zurück. Gemeinsam mit Sabine Musaeus eröffnete die Vorsitzende des Fördervereins "Badefreunde" die Veranstaltungsreihe und stellte vor allem das ehrenamtliche Engagement in den Mittelpunkt. Die BäderKultur lebe davon, dass viele Menschen ihre Zeit und ihr Können einbringen – auf, vor und hinter der Bühne. Bewusst werde auf klassische Eintrittspreise verzichtet; stattdessen gelte das Prinzip "für den Hut", um Kultur für alle zugänglich zu machen.Die Veranstaltungsreihe geht bereits am kommenden Wochenende weiter. Am Samstagabend sorgt die Lauterbacher Band "Nova SX" beim Rockkonzert im Freibad für den Soundtrack zum Sunset-Swimming und der Cocktailparty. Am Sonntagmorgen folgt mit "BADwoman" die spitzige Lesung der gebürtigen Lauterbacherin Sabine Euler – ein Wochenende also ganz im Zeichen Vielseitigkeit der BäderKultur. (mis/pm) +++