Über Schweden in die Domstadt

Historischer Meilenstein: Campus begrüßt ersten Allgemeinmedizin-Professor

Im Hörsaal des Klinikums Fulda hielt Prof. Dr. med. Roland Koch seine Antrittsrede
Fotos: Carina Jirsch

10.06.2026 / FULDA - Ein historischer Moment: Am Dienstagabend fand die offizielle Antrittsvorlesung von Prof. Dr. med. Roland Koch im Hörsaal des städtischen Klinikums statt. Koch ist seit Oktober letzten Jahres im Dienst und ist der erste Lehrstuhlinhaber für Allgemeinmedizin am Campus Fulda. In dieser Rolle verantwortet er die allgemeinmedizinische Forschung und Lehre. Der Campus Fulda ist ein medizinischer Universitätsstandort der Philipps-Universität Marburg. Zwischen dem Klinikum Fulda und der Hochschule Fulda hat sich eine enge Kooperation etabliert.



Im Hörsaal des Klinikums versammelten sich interessierte Studierende, Vertreter der Stadt Fulda, aber auch die Familie und viele Freunde von Koch. Die Begrüßung übernahm Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstands und Vorstand der Krankenversorgung. Er erläuterte den beeindruckenden Lebenslauf von Roland Koch. Aufgewachsen in Marburg, war er zuletzt unter anderem als Facharzt für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Tübingen tätig. Zuvor arbeitete er sieben Jahre lang als Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Kliniken in Schweden.

Sehr herzliche Worte fand auch Fuldas Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Fulda, Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Es sei ein historischer Tag, den man gemeinsam erleben dürfe. Dass die traditionsreiche Universität Marburg in Kooperation mit dem Klinikum Fulda als Campus Fulda und der Hochschule so eng zusammenarbeitet, ist keine Selbstverständlichkeit. Er dankte dem Klinikum, dass man heute in dieser Form zusammen sein könne.

Zwischen KI und ärztlicher Kunst

Im Anschluss an weitere Grußworte vom ersten Kreisbeigeordneten Frederik Schmitt (CDU) folgte die Antrittsvorlesung von Koch. Nur Daten zu sammeln, um Patienten wirklich zu versorgen, sei zu wenig. Bei einem Arztbesuch findet nicht nur das Aufnehmen von Daten statt, es ist eine Begegnung zwischen Mensch und Patient. Ein Patient ist kein Informationsobjekt, es findet eine Interaktion statt und die müsse menschlich sein. Nur eine künstliche Intelligenz mit den Daten eines Patienten füttern ist der falsche Weg. Der Einsatz von KI kann eine Hilfe sein, wenn sie richtig angewendet wird und Freiräume für die ärztliche Kunst lässt.

In einigen Hausarztpraxen wird sie bereits genutzt, wenn auch noch mit Hürden. Hier müsse geprüft werden, inwieweit es auch rechtlich zulässig ist. Zur Unterstützung des Personals gibt es aber schon gute Lösungen. "Die Qualität der Interaktion zwischen Patient und Arzt, das Menschliche, davon hängt auch die Informationsqualität ab. Wenn es uns gelingt, mehr Zeit für diese Begegnung zu haben, was ja momentan unser Problem ist, dann wird sich das auch positiv auf die Qualität auswirken", so Koch im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Aus diesen wichtigen Informationen könne dann auch das Gesundheitswesen lernen, um sich zu verbessern, aber auch um neue Forschungsideen oder bessere Therapien zu entwickeln.

In Fulda fühlt er sich bereits sehr wohl. "Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, es ist eine unheimlich interessante Stadt", erzählt uns Koch. "Ich habe das Gefühl, es gibt kurze Wege, pragmatische Lösungen und ein gesundes Miteinander. Das ist unheimlich ansteckend und inspirierend."

Man brauche schließlich nicht nur genug Daten, sondern einen sozialen Prozess. Am Ende seines Vortrags erhielt Koch langanhaltenden Applaus und bedankte sich am Ende besonders bei seiner Mutter, seiner Familie, Freunden und Kollegen, aber natürlich auch bei akademischen Wegbegleitern und einem Freund und väterlichen Mentor aus seiner Zeit in Schweden. (fw) +++

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