Ein Jahrhundert-Fest

Tausende Gäste im 800-jährigen Vollmerz - ein gelungenes Jubiläum

Tausende Gäste im 800-jährigen Vollmerz - das Fest bleibt noch lange in Erinnerung
Fotos: Walter Dörr

01.06.2026 / SCHLÜCHTERN - In Vollmerz (Main-Kinzig-Kreis) war am vergangenen Wochenende die Hölle los. 800 Jahre alt ist der Schlüchterner Stadtteil geworden und deshalb wurde groß gefeiert. Vollmerz - allerdings nur mit einem "l" geschrieben – ist 1563 nachgewiesen.



Die erste urkundliche Erwähnung von 1226 führte zu einer von der damaligen Vereinsgemeinschaft initiierten Bürgerversammlung im Gasthaus "Zur guten "Quelle" in Hinkelhof, bei der darüber beschlossen werden sollte, ob ein 800-Jahre-Jubiläum von Vollmerz in 2026 organisiert und gefeiert werden soll. Vollmerz ist namensgebend für das Dorf-Ternion Vollmerz, Ramholz und Hinkelhof und war bis zur Verwaltungsreform im Dezember 1969 eine eigenständige Gemeinde.

Mit 765 Einwohnern ist Vollmerz seitdem einer der zwölf Schlüchterner Stadtteile und flächenmäßig mit 12,95 Quadratkilometern sogar der Größte. Ramholz feierte 1990 sein 950-jähriges Jubiläum, Hinkelhof 2005 sein 650-jähriges Bestehen. Also war Vollmerz förmlich dran. Und weil man sich bei dem ersten Treffen mit großer Mehrheit für ein Jubiläumsfest in Vollmerz ausgesprochen hatte, nahmen die Vorbereitungen ihren Lauf. Und alles klappte an den beiden Festtagen. Das Wetter stimmte letztlich auch, wenn man von dem stürmischen Anfang und einem ergiebigen Regenschauer am Sonntagmorgen absieht. So kamen viele Gäste in das Degenfelder Land.

Von "Männerwiese" bis Chill-Out-Area

Von einer "Männerwiese" bis zu einer Chill-Out-Area, Flanieren auf der Feiermeile bis zu Hubschrauber-Rundflügen über Degenfeld, von speziell gebrautem Jubiläumsbier bis zum extra angesetzten Degenfelder Tequila und von "Rio live" bis zu Dudelsackspielern reichte das umfangreiche Programmangebot. Das Jubiläum "800 Jahre Vollmerz" stand unter der Schirmherrschaft von Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller, der seine Arbeit somit gut gemacht hat. Auf der Hauptstraße, die Feiermeile war, gab es Attraktionen für Jung und Alt.

Übrigens: ein Nachkomme der früheren Herrscher in Vollmerz-Ramholz, Ferdinand Graf von Degenfeld-Schonburg und seine Frau Madeleine Gräfin von Degenfeld-Schonburg, die auf Schloss Eybach bei Geislingen wohnen, waren auch zum 800-jährigen Jubiläum gekommen. Ebenso eine Abordnung des Ortsschaftsrates von Degenfeld (Stadtteil von Schwäbisch Gmünd/Baden-Württemberg) mit Ortsvorsteher Hans-Peter Wanasek.

Vollmerz pflegt freundschaftliche Beziehungen zu dem "anderen Degenfeld". Eine Dorfchronik hat aus Anlass des Jubiläums Knut Fehl aus Ramholz zusammengetragen und wurde gerne gekauft. Eine historische Fotoausstellung zur Geschichte mit Aufnahmen vom früheren Landleben, Häusern, Festzügen bei Vereinsjubiläen, sportlichen Erfolgen, alte topografische Karten, Lagepläne mit den Vollmerzer Hausnamen bis zu Bildern einer spektakulären Notlandung eines Doppeldeckers in der Gemarkung und vom schweren Zugunglück im Oktober 1983 am Bahnhof Vollmerz fanden großen Anklang. So manch ein Bürger erkannte sich auf den Fotos.

"Es ist wunderschön hier"

Neben dem Unterhaltungsprogramm auf der Open-Air-Bühne wurde die Grundschule Vollmerz vom Naturpark Hessischer Spessart als zweite Naturpark-Schule zertifiziert. Bei einem Kommers dankte Ortsvorsteher Sebastian Kolb allen Helferinnen und Helfern sowie der ganzen Dorfgemeinschaft, ohne die das Jubiläumsfest nicht möglich gewesen sei. Er skizzierte das Miteinander in Vollmerz und das funktionierende Vereinsleben und kam zu dem Schloss: "Es ist wunderschön hier". Und auch in einem vorgetragenen Mundartgedicht, das Georg Knauf einst gedichtet hat, hieß es, dass Vollmerz "schöner sei, als alle Dörfer rundherum".

Ehrenamt werde in Vollmerz großgeschrieben, betonte Bürgermeister Matthias Möller in seinem Grußwort. Eine starke Gemeinschaft sei man und Schlüchtern wisse, was man für einen aktiven Ort habe. Mit seinen Veranstaltungen sei Vollmerz ein Werbeträger für die Region. Eine Entwicklungsplanung wolle die Stadt für ein Grundstück nahe der Festmeile durchführen und auch mit einem angedachten Anbau an das Pfarrhaus in Ramholz werde ein Ort der Begegnung geschaffen. Den Staffelstab gelte es an junge Menschen weiterzugeben. Im Namen des Main-Kinzig-Kreises gratulierte Landrat Thorsten Stolz zu dem großen Gemeinschaftsfest. Stolz und dankbar war Stolz auch über die Heimat in den gewachsenen Ortschaften in der Kulturlandschaft Bergwinkel.

Liebens- und lebenswerter Ort

Vollmerz sei ein liebens- und lebenswerter Ort. Ein Dank galt allen, die in den letzten Jahren dazu beigetragen haben, dass Vollmerz so gut dastehe. Den Kommers nutzte der neugewählte Ortsbeirat als würdigen Rahmen, drei langjährige ausgeschiedene Mitglieder zu verabschieden und Präsente zu überreichen: der seitherige Ortsvorsteher Hans-Joachim Kirchner, der über 20 Jahre dem Ortsbeirat angehörte, nach 30 Jahren im Ortsbeirat Marita Sauer-Kolb und Manfred Schmidt. Für den Ortsbeirat, der für die Gestaltung des Kommerses verantwortlich zeichnete, hielt Mitglied Andreas Henrich einen geschichtlichen Vortrag über Vollmerz.

Zum Sonntags-Programm gehörte ein feierlicher Gottesdienst mit Prädikantin Silvia Berkel. Anschließend war ein zünftiger Frühschoppen mit den BlechBRASSers. Degenfelder Kinder zeigten Showtänze, die historische Bürgergarde mit der Biedermeiergruppe Schlüchtern war ein Blickfang und auch die Degenfelder Dorflegenden. Zum Abschluss unterhielt der Musikverein Oberzell mit stimmungsvollen Weisen.

Klicken Sie sich durch die stimmungsvollen Bilder von Walter Dörr. (Walter Dörr) +++

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