Skurril und Chaotisch

Wenn Kunst Wandel sichtbar macht: Ausstellungseröffnung im Kunstverein

Das Dortmunder Kollektiv CW² stellt beim Kunstverein ganz besondere Werke aus.
Fotos: Kunstverein Fulda

27.05.2026 / FULDA - Anne-Elisabeth Härtel-Geise, Erste Vorsitzende des Kunstvereins, begrüßte die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zur Ausstellungseröffnung am Pfingstsonntag. Trotz des sommerlich warmen Wetters hatten viele Kunstinteressierte den Weg in den Kunstverein gefunden. Besonders willkommen hieß sie die Dortmunder Künstler Christiane Heetmann, Wolfgang Goebel und Wolfgang Niehoff sowie ihren Laudator Stefan Beinborn. Ebenso begrüßte sie die Ausstellenden Hannah Wölfel und Hanswerner Kruse aus Schlüchtern.



Im Mittelpunkt des Nachmittags standen die Eröffnung der Gruppenausstellung "Transformation – Veränderung des Augenblicks" sowie der Jubiläumsausstellung "40 Jahre Prompte Rührung". Beide Ausstellungen setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Veränderung, Zeit, Erinnerung und gemeinschaftlichem künstlerischen Arbeiten auseinander.

Dortmunder Künstler mit spannenden Konzepten

Anschließend stellte die Vorsitzende den Laudator Stefan Beinborn vor. Der ehemalige Fachleiter für Kunst am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Hagen und pensionierte Studiendirektor für die Fächer Kunst und Mathematik verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in Kunst, Kunstpädagogik und Lehrerbildung.

In seiner Laudatio widmete sich Beinborn dem Leben und Werk der drei Dortmunder Kunstschaffenden und stellte deren unterschiedliche künstlerische Ansätze vor. Anhand zahlreicher Beispiele erläuterte er die Arbeiten detailliert und eröffnete den Besucherinnen und Besuchern einen fundierten Zugang zur Ausstellung.

Die Dortmunder arbeiten zwar im Kollektiv CW², verfolgen jedoch eigene künstlerische Ansätze, die in dem gemeinsamen Projekt zusammenfinden. Christiane Heetmann beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem Menschen, seinen alltäglichen Handlungen und Gefühlen. Sie verarbeitet diese Erfahrungen mit Papier in unterschiedlichen Transparenzgraden sowie mit Fundstücken und Rostspuren. Wolfgang Goebel transformiert vorgefundene Materialien und Strukturen in neue künstlerische Kontexte und bezieht sich etwa mit korrodierten Metallteilen auf die Industriegeschichte des Ruhrgebiets. Wolfgang Niehoff kombiniert in seinen Assemblagen Naturfundstücke mit konstruktiven, funktionalen Elementen und schafft daraus neue, überraschende Werkgefüge.

Ein Wohnzimmer, überzogen mit flüssigem Ton

Im Anschluss stellte Härtel-Geise die Jubiläumsausstellung "40 Jahre Prompte Rührung" vor, die von Hannah Wölfel und Hanswerner Kruse im Projektraum präsentiert wird. Ausgangspunkt ihrer gemeinsamen Arbeit war eine Aktion vor vierzig Jahren auf dem Frankfurter Römerberg, bei der ein Wohnzimmer aufgebaut und mit flüssigem Ton überzogen wurde. Anschließend bestrichen sie sich selbst sanft mit dem Material, das sie sonst in ihrer bildhauerischen oder töpferischen Arbeit verwendeten. In ihrer ersten öffentlichen Performance wurden die Körper selbst Teil des künstlerischen Prozesses. Daraus entwickelte sie eine langjährige Praxis, in der nicht das fertige Werk, sondern die performative Handlung im Mittelpunkt steht.

Die Ausstellung lässt mit Fotografien, Videofilmen, Musik und angedeuteten Installationen – vergangener Zeiten – vier Jahrzehnte gemeinsamer Performancekunst lebendig werden. Dadurch ist die Ausstellung des Künstlerpaares keine trockene Dokumentation, sondern ein eigenständiges sinnliches Kunstwerk.

Skurril, chaotisch und stimmungsvoll untermalt

Im Projektraum finden sich zahlreiche humorvolle und skurrile Arbeiten, welche die experimentelle Handschrift des Duos unterstreichen. Dazu gehören Installationen mit einer Vielzahl von Mausefallen, Arbeiten mit fliegenden Kohlestücken, ein Koffer mit 72 Barbie-Figuren sowie eine Videoinstallation. Insgesamt entsteht ein spielerischer, oft ironischer Zugang zur Wahrnehmung von Alltag, Gesellschaft und der eigenen Beziehung.

Sichtbar werden auch Projekte, die im Kunstverein entstanden sind, unter anderem Beiträge zu den Ausstellungen "Chaos" und "Fragile" im Vonderau-Museum, Videoprojektionen sowie die bekannten Kunstschafe. Für die musikalische Begleitung sorgte "Heino" aus Schlüchtern, der mit Gitarre und markanter Stimme Lieblingsstücke der Ausstellenden interpretierte und damit für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgte. "The times they are a changing" oder "If you want to sing out" passen auch in unsere Zeit.

Wie immer war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt. In entspannter, fast sommerlich anmutender Atmosphäre verweilten viele Gäste noch über Stunden, kamen miteinander ins Gespräch und ließen den Nachmittag im Vorgarten des Kunstvereins – dem Dahliengarten – ausklingen.

Die Ausstellung ist bis zum 19.7.2026 Do.- So. Von 15-18 Uhr geöffnet. (pg) +++

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