Ehrenamt zeigt Stärke
Großangelegte Übung der Katastrophenschutzeinheiten des DRK
Fotos: DRK Alsfeld
25.05.2026 / ALSFELD/SCHWALMTAl - Auf Kommando des Kreisbereitschaftsleiters Henning Schmehl rückten am zweiten Mai‑Wochenende zahlreiche Einheiten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK)‑Kreisverbandes Alsfeld zu einer groß angelegten Katastrophenschutzübung aus. Beteiligt waren unter anderem der Sanitätszug, der Betreuungszug sowie die Personenauskunftsstelle. Ziel der Übung war es, unter möglichst realistischen Bedingungen einen sogenannten "Behandlungsplatz 50" (BHP 50) aufzubauen und zu betreiben.
Das angenommene Szenario stellte die Einsatzkräfte vor eine besondere Herausforderung: Nach einem Bombenfund galt das Kreiskrankenhaus Alsfeld als nicht betriebsbereit. Innerhalb kürzester Zeit musste daher eine alternative medizinische Versorgungsstruktur geschaffen werden, um verletzte und erkrankte Menschen weiterhin behandeln zu können – genau für solche außergewöhnlichen Schadenslagen ist der Katastrophenschutz vorgesehen.
Pünktlich um 8 Uhr erfolgte die Alarmierung aller beteiligten ehrenamtlichen Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes. Nach und nach trafen die Helferinnen und Helfer am Sammelpunkt ein. Dort wurden sie zunächst mit Getränken versorgt, bevor der Einsatzauftrag ausgegeben wurde. Anschließend verlegten die Einheiten nach Storndorf, wo auf dem Festplatz an der Sportanlage ein Behandlungsplatz aufgebaut werden sollte.
Ziel: Trotz begrenzter Ressourcen möglichst vielen Menschen schnell und effektiv zu helfen
"Ein sogenannter Behandlungsplatz 50 – kurz BHP 50 – ist eine standardisierte sanitätsdienstliche Einrichtung des Katastrophenschutzes. Seine Aufgabe besteht darin, bei einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten eine geordnete medizinische Versorgung sicherzustellen. Die Zahl "50" steht dabei für die Kapazität, bis zu 50 Patienten pro Stunde medizinisch zu versorgen", erklärt Henning Schmehl, Kreisbereitschaftsleiter des DRK KV Alsfeld. "Ein Behandlungsplatz kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die regulären Kapazitäten des Rettungsdienstes oder der Krankenhäuser nicht mehr ausreichen oder teilweise ausgefallen sind – beispielsweise bei Großschadenslagen, Naturkatastrophen, Evakuierungen oder größeren Unglücksfällen", ergänzt Marius B. Zimmer, Fachdienstbeauftragter Sanität beim DRK KV Alsfeld. Bestandteil der Übung: Sicherstellung der Stromversorgung für das gesamte Gelände
Auch bei der Übung des DRK-Kreisverbandes Alsfeld wurde diese Struktur praxisnah umgesetzt. Insgesamt errichteten die Helferinnen und Helfer acht Einsatzzelte, die zum Teil aus der Eigenvorhaltung des DRK-Kreisverbandes Alsfeld sowie seiner Ortsvereine stammen. Bereits kurz nach Eintreffen der ersten Fahrzeuge begann der Aufbau des sogenannten Sichtungszeltes. Dieses Zelt bildet das Herzstück eines Behandlungsplatzes. Dort werden alle eintreffenden Patienten zunächst untersucht und in verschiedene Kategorien eingeteilt. Dabei wird festgestellt, welche Verletzungen oder Erkrankungen vorliegen und welche medizinische Priorität notwendig ist. Gleichzeitig dient dieser Bereich dazu, jederzeit den Überblick über die Anzahl der Patienten und deren Zustand zu behalten.Im Anschluss wurden weitere Behandlungszelte errichtet. Diese waren nach verschiedenen Versorgungsstufen gegliedert. So gab es Bereiche für leicht verletzte Personen, für schwer verletzte Patienten sowie für Menschen, die vor allem Betreuung oder Unterbringung benötigten. Zusätzlich mussten Materiallager, Behandlungsplätze, Aufenthaltsbereiche und technische Infrastruktur geschaffen werden.
Personenauskunftsstelle als wichtiger Bestandteil
Ein weiterer bedeutender Bestandteil der Übung war die Einrichtung einer Personenauskunftsstelle unter der Leitung von Timo Schneider. Diese Einrichtung spielt insbesondere bei größeren Schadenslagen eine wichtige Rolle. Die Aufgabe der Personenauskunftsstelle besteht darin, Informationen über betroffene Personen zu sammeln und Angehörigen Auskünfte zu erteilen. Gerade bei Evakuierungen, größeren Unglücksfällen oder Katastrophen ist dies ein wichtiger Baustein, um Menschen zusammenzuführen und Unsicherheiten zu reduzieren. Einigen wird die PaSt noch aus Kriegszeiten bekannt sein, um Angehörige zu finden. Die Gruppe befindet sich im Vogelsbergkreis nicht zuletzt aufgrund größerer Fluchtbewegungen nun wieder im Aufbau.Im Eingangsbereich des Übungsgeländes wurde daher eine entsprechende Registrierungs- und Auskunftsstruktur aufgebaut. Hier wurden die angenommenen Patientendaten aufgenommen und dokumentiert. Die Koordination der gesamten Übung erfolgte parallel aus dem Einsatzleitwagen des DRK-Mücke. Im weiteren Verlauf der Übung wurden mehrere Übungspatienten, darunter auch die Leitenden Notärzte Iva Fischer und Manfred Haas, durch die Sichtung geschleust und anschließend den jeweiligen Behandlungsbereichen zugewiesen. Die Leistungskräfte des Vogelsbergkreises wollten sich selbst ein Bild der schlagfertigen Katastrophenschutzeinheiten machen. Die Helferinnen und Helfer konnten so die internen Abläufe realitätsnah trainieren und wichtige Erfahrungen für den Ernstfall sammeln.
Ehrenamt als tragende Säule des Katastrophenschutzes
Besonders hervorzuheben ist, dass sämtliche eingesetzten Kräfte ehrenamtlich tätig waren. Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig das Engagement zahlreicher freiwilliger Helferinnen und Helfer für den Bevölkerungsschutz im Vogelsbergkreis ist.Der DRK-Kreisverband Alsfeld stellt neben seiner Eigenvorhaltung unter anderem die Personenauskunftsstelle, die Drohneneinheit sowie weitere Komponenten des Katastrophenschutzes. Darüber hinaus besetzt der Kreisverband einen kompletten Sanitätszug und einen Betreuungszug im Vogelsbergkreis. Ergänzt werden diese Strukturen in einem solchen Szenario durch den DRK-Kreisverband Lauterbach, der ebenfalls einen Sanitäts- und Betreuungszug stellt, bei der Übung allerdings personell geschwächt fehlte. Durch regelmäßige Übungen wie diese werden die Einsatzkräfte auf unterschiedlichste Schadenslagen vorbereitet. Gleichzeitig dienen solche Übungen dazu, bestehende Abläufe zu überprüfen, die Zusammenarbeit zu stärken und die
Einsatzbereitschaft dauerhaft sicherzustellen.