Norbert Kartmann ist tot

Hessens Parlament verliert einen Brückenbauer und überzeugten Demokraten

Hessen trauert um Norbert Kartmann.
Foto: Hessischer Landtag

24.05.2026 / REGION - Der Hessische Landtag trauert um seinen früheren Landtagspräsidenten Norbert Kartmann. Der CDU-Politiker aus Butzbach starb nach schwerer Krankheit am Samstag im Krankenhaus in Lich (Landkreis Gießen).



Landtagspräsidentin Astrid Wallmann sagte: "Norbert Kartmann diente über annähernd 16 Jahre als Präsident dem Parlament, so lange, wie niemand sonst in Hessen. In dieser Epoche prägte er die Sitzungen durch seine ganz besondere Art, die alle Abgeordneten gleichermaßen schätzten. Stets erinnerte Kartmann die Parlamentarier an das sie Verbindende, er baute Brücken und warb dafür, die Argumente des jeweils anderen anzuhören und offen dafür zu sein, sie anzunehmen."

Engagement für politische Bildung

Als Lehrer, Kommunalpolitiker und überzeugter Demokrat sei ihm die politische Bildung stets ein Herzensanliegen gewesen, sagte Wallmann. "Er setzte sich mit großem Engagement für den respektvollen parlamentarischen Dialog, für Europa und für die Verständigung mit unseren östlichen Nachbarn ein", sagte die Landtagspräsidentin. Sie erinnerte an Kartmanns Wirken über die Politik hinaus in Kirche, Sport und sozialem Ehrenamt weit in unsere Gesellschaft hinein.

"Seine Heimatverbundenheit, seine Besonnenheit und sein feines Gespür für Menschen haben ihn weit über Parteigrenzen hinweg geschätzt gemacht. Norbert Kartmann hat Hessen geprägt und viele persönlich berührt. Sein Wirken wird bleiben", so Wallmann.

Verbundenheit bis zuletzt

Zur Einweihung der neuen Präsidentengalerie im Plenarfoyer diesen Februar konnte Norbert Kartmann schon nicht mehr kommen. Daher besuchte ihn Astrid Wallmann in der Wetterau und überreichte ihm Fotos des neuen Kunstwerks von Künstler Karl-Martin Hartmann. "Meine Gedanken sind bei seiner Frau Anneli, seinen drei Kindern und den fünf Enkelkindern", sagte die Landtagspräsidentin.

Kartmann zog 1982 erstmals als Abgeordneter für die Union in den Hessischen Landtag ein. Von 1987 bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden 2022 vertrat er seinen Wahlkreis in der Wetterau als direkt gewählter Abgeordneter. Der Grund- und Hauptschullehrer war ab 1991 bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und von 1999 bis 2003 ihr Vorsitzender.

Am 5. April 2003 wählten ihn die Abgeordneten zum Präsidenten. Das Amt hatte er bis zum 18. Januar 2019 inne. In seine fast 16-jährige Amtszeit fiel der Neubau des heutigen Plenarsaals, der 2008 eröffnet wurde. In der Bauzeit leitete Kartmann die Sitzungen im Ausweich-Sitzungssaal im Wiesbadener Rathaus.

Boris Rhein: "Er wird fehlen"

Hessens Landeschef Boris Rhein zeigte sich betroffen über die Todesnachricht: "Norbert Kartmann war nicht nur ein herausragender Politiker, sondern auch ein Mensch, der sich mit Leidenschaft, Weitsicht und Verve für unser Land und seine Bürger eingesetzt hat. Sein Engagement für die Demokratie und sein unerschütterlicher Glaube an den Dialog sind Vorbild für uns alle. Norbert Kartmann hat sein Leben in den Dienst der Gesellschaft gestellt. Er wird fehlen."

Für Michael Brand, Staatssekretär und Vorsitzender der hessischen CDU-Abgeordneten im Deutschen Bundestag, war Kartmann ein Bildungspolitiker mit Überzeugung. "Norbert Kartmann war ein Landtagspräsident mit Fröhlichkeit, ein Wetterauer mit Bodenhaftung - und einfach ein feiner Mensch. Er hat geackert für Hessen, direkte Kontakte mit Bürgern auf Augenhöhe waren ihm wichtig. Er hat sich um das Land verdient gemacht und die hessische CDU hat ihm viel an vorbildlichem Kampfgeist und Zwischentönen zu verdanken", würdigte Michael Brand, Bildungsstaatssekretär und Vorsitzender der hessischen CDU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, den Verstorbenen."

Ines Claus: "Wir werden ein ehrendes Andenken bewahren"

Für die CDU-Fraktion war er nicht nur ein herausragender Parlamentarier und engagierter Demokrat, sondern vor allem ein Mensch mit Haltung und außergewöhnlicher Menschlichkeit. Dazu sagte die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Ines Claus:

"Mit Norbert Kartmann verliert Hessen einen außergewöhnlichen Parlamentarier und wir verlieren einen Menschen, der unsere Fraktion über Jahrzehnte geprägt hat. Er war ein leidenschaftlicher Demokrat, ein überzeugter Christdemokrat und ein Politiker mit Haltung, Herz und großem Verantwortungsbewusstsein.

Generalsekretär Leopold Born: "Wir verneigen uns in großer Dankbarkeit"

Generalsekretär Leopold Born würdigte Kartmanns Wirken für die Hessenunion und seine menschliche Art: "Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Freund Norbert Kartmann. Sein großes Engagement für Hessen, sein unermüdlicher Einsatz für seine Mitmenschen, seine Verlässlichkeit und seine Menschlichkeit waren über die Parteigrenzen hinaus geschätzt. Der große Einsatz für seinen Wahlkreis und seine Heimat in der Wetterau wird uns in ewiger Erinnerung bleiben. Als engagierter Kommunalpolitiker, als direkt gewählter Landtagsabgeordneter, als Vorsitzender der Landtagsfraktion und als langjähriger Landtagspräsident hat er seine Heimat und unser Land nachhaltig geprägt. Nicht zuletzt als Kreisvorsitzender, Ehrenkreisvorsitzender sowie als Mitglied unseres Präsidiums und des Landesvorstandes hinterlässt er tiefe Spuren in der Hessenunion. Wir verneigen uns in großer Dankbarkeit vor Norbert Kartmanns Lebenswerk."

Norbert Kartmann gehörte dem Hessischen Landtag seit 1982 an und vertrat über mehr als drei Jahrzehnte hinweg seinen Wahlkreis in der Wetterau als direkt gewählter Abgeordneter. Von 1999 bis 2003 führte er die CDU-Landtagsfraktion als Vorsitzender, bevor er 2003 zum Präsidenten des Hessischen Landtags gewählt wurde. Er hat den Hessischen Landtag mit seiner Persönlichkeit geprägt. Er begegnete Menschen stets mit Respekt, Besonnenheit und großer menschlicher Wärme. Sein Ziel war immer der Dialog, auch über politische Grenzen hinweg. Er verstand es, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen und erinnerte stets daran, was unsere Demokratie zusammenhält.

Der leidenschaftliche Hesse setzte sich mit großem Engagement für politische Bildung, den parlamentarischen Austausch und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Auch weit über die Politik hinaus war Norbert Kartmann in seiner Heimat und im Ehrenamt tief verwurzelt. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche hohe Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Hessischen Verdienstorden sowie die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. Wir werden Norbert Kartmann ein ehrendes Andenken bewahren. In diesen schweren Stunden gelten unsere Gedanken seiner Frau Anneli, seinen Kindern, Enkeln und allen Angehörigen." (js/ems/mis/pm)+++

X