Historisches Endspiel

Was ist drin? SG Barockstadt Fulda-Lehnerz trifft im Finale auf Drittligisten

Was ist drin? SG Barockstadt Fulda-Lehnerz trifft im Finale auf Drittligisten.
Archivfotos: O|N/ Maurcie Schumacher/Hans-Hubertus Braune

23.05.2026 / FULDA - Es ist ein Datum, das in die Vereinsgeschichte der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz eingehen wird: Am Samstag, den 23. Mai 2026, steht die Elf von Trainer Daniyel Cimen erstmals in einem Hessenpokalfinale gegen Wehen Wiesbaden. Anstoß im Stadion am Bieberer Berg in Offenbach ist um 16:30 Uhr - mitten in der großen ARD-Konferenz des Finaltags der Amateure, live im Ersten sowie im Stream auf hessenschau.de. Ganz Fulda schaut hin.


Der lange Weg nach Offenbach

Der Weg der Barockstadt ins Finale führte über Groß-Gerau, das mit 3:0 bezwungen wurde, und einen packenden Elfmeterkrimi gegen Friedberg (5:3 n.E.). Den entscheidenden Schritt aber machten die Osthessen im Halbfinale - erneut am Bieberer Berg, erneut gegen Kickers Offenbach. Vor 5.648 Zuschauern hielt Torhüter Samuel Zapico gleich drei Strafstöße und wurde damit zum Helden des Abends beim 3:2-Erfolg im Elfmeterschießen.

Premier-Premiere gegen einen alten Pokalhasen

Das Hessenpokal-Finale 2026 ist das erste Pflichtspiel überhaupt zwischen der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und dem SV Wehen Wiesbaden. Auf dem Papier ist die Ausgangslage klar: Als amtierender Titelverteidiger und einziger Drittligist Hessens war der SVWW von Beginn an Topfavorit. Mit einem Sieg im Finale könnte Wehen bei der 14. Finalteilnahme zum neunten Mal den Hessenpokal gewinnen.

Doch Zahlen zählen im Pokalfußball bekanntlich wenig. Hinter dem SV Wehen Wiesbaden liegt eine durchwachsene Drittliga-Saison, die nach hohen Ambitionen letztlich nur auf Platz neun endete. Hinter der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz hingegen liegt eine stabile Regionalliga-Spielzeit, die am Ende mit Platz zehn belohnt wurde.

Routine statt Ausnahmezustand

Dass die Barockstadt trotz der historischen Dimension des Spiels nicht in Ehrfurcht erstarrt, macht Cimen in seiner Vorbereitung deutlich. "Im Prinzip erstmal wie gegen jeden anderen Gegner auch", sagt der Fuldaer Trainer Daniyel Cimen über die Trainingswoche: "Wir werden da jetzt im Ablauf nichts verändern, was die Vorbereitung angeht. Und dementsprechend ist es eine ganz normale Vorbereitung, wie auf ein Ligaspiel auch."

Der Plan: Leiden - und dann zuschlagen

Taktisch gibt sich Cimen bewusst bedeckt, lässt aber einen klaren Rahmen erkennen. "Klar ist, dass wir sicherlich verschiedene Phasen im Spiel haben werden. Dass wir natürlich auch mal leiden müssen und auch verteidigen müssen - das werden wir machen müssen.", so Cimen im Gespräch mit O|N. Doch dabei soll es nicht bleiben. "Wir wollen trotzdem auch versuchen, mutig aufzutreten. Wir wollen Phasen schaffen, in denen wir vielleicht auch Ballbesitzphasen haben werden. Gerade morgen bei dem Wetter wird das auch ganz, ganz wichtig sein."

Den entscheidenden Faktor aber sieht der Coach nicht auf dem taktischen Reißbrett, sondern in den Köpfen seiner Spieler. "Ich glaube, es wird viel, viel wichtiger sein, mit wie viel Leben, mit wie viel Energie, mit wie viel Emotion und Leidenschaft die Jungs das dann auch füllen. Und ich glaube, das wird sehr, sehr wichtig sein - fast schon sogar ein Ticken wichtiger als die taktische Ausrichtung."

Was auf dem Spiel steht

Der Gewinner des Hessenpokals zieht direkt in den DFB-Pokal ein - mit einer Prämie von rund 200.000 Euro und der Chance auf einen großen Gegner in der ersten Hauptrunde. Im Lostopf warten dann Mannschaften wie Bayern München, VfB Stuttgart, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt. Für die Barockstadt wäre es das erste Mal überhaupt.

Die Vorfreude in Fulda ist bereits jetzt spürbar: Insgesamt fahren sieben Fanbusse mit Fulda-Fans nach Offenbach. Am Abend wird sich zeigen, ob Fulda seinen ersten Hessenpokal holt - und damit Geschichte schreibt. (Nicolas Kraus)+++

X