Führt die Spur Richtung Osthessen?

Mysteriöser Vermisstenfall: Neue Hinweise erhalten - der Mordverdacht bleibt

Im Fall der seit 1993 vermissten Azime Sisek sind nach einem neuen Zeugenaufruf weitere Hinweise bei den Ermittlern eingegangen.
Archivfoto: Polizeipräsidium Mittelhessen

20.05.2026 / REGION - Fast 33 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden der damals 23-jährigen Azime Sisek kommt erneut Bewegung in einen der rätselhaftesten Vermisstenfälle Hessens. Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen in dem Cold Case wieder aufgenommen - und inzwischen sind nach einem öffentlichen Zeugenaufruf neue Hinweise eingegangen.



Wie die Staatsanwaltschaft Gießen der Hessenschau mitteilte, gingen bislang mehrere Hinweise im niedrigen einstelligen Bereich ein. Diese würden derzeit ausgewertet und überprüft. Weitere Details zu den laufenden Ermittlungen geben die Behörden aktuell nicht bekannt. Die Ermittler gehen weiterhin von einem möglichen Gewaltverbrechen aus. Gegenstand der Ermittlungen ist der Verdacht des Mordes.

Widersprüchliche Aussagen

Azime Sisek war Anfang August 1993 aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Hintergrund war ein Heiratsversprechen mit einem Landsmann. Wenige Wochen später schrieb sie ihrer Familie einen Brief in die Heimat. Dieses Schreiben vom 10. September 1993 gilt bis heute als das letzte bekannte Lebenszeichen der jungen Frau.

Danach verliert sich ihre Spur vollständig.

Erst zwei Jahre später, im September 1995, meldeten Angehörige die damals 23-Jährige offiziell als vermisst. Schon damals ergaben sich für die Ermittler erhebliche Zweifel an den geschilderten Abläufen. Vor allem widersprüchliche Aussagen mehrerer Personen ließen früh den Verdacht aufkommen, dass Azime Sisek Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte.

Kein Leichnam - keine Spur?

Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte ihr Schicksal damals jedoch nicht geklärt werden. Das Verfahren wurde schließlich 1998 eingestellt.

Ende April dieses Jahres nahmen Polizei und Staatsanwaltschaft den Fall erneut auf. Im Zuge der neuen Ermittlungen wurden in Limeshain und Ortenberg zwei Grundstücke (Wetteraukreis) durchsucht. Dort soll sich Azime Sisek zuletzt mutmaßlich aufgehalten haben. Einen Leichnam fanden die Ermittler bei den Durchsuchungen allerdings nicht.

Die Ermittlungen laufen dennoch mit Nachdruck weiter. Vor allem frühere Zeugen werden erneut vernommen. Nach Angaben der Ermittler hatten einige Personen bereits damals auffällige oder widersprüchliche Aussagen gemacht. Die Behörden betonen ausdrücklich, dass die Eigentümer beziehungsweise Bewohner der durchsuchten Grundstücke derzeit nicht als Beschuldigte gelten.

Mit dem erneuten Zeugenaufruf hoffen Polizei und Staatsanwaltschaft nun darauf, nach Jahrzehnten doch noch Klarheit in den Fall zu bringen. Gesucht werden weiterhin Menschen, die Angaben zum Aufenthalt von Azime Sisek in Deutschland, zu ihrem Verschwinden oder zu möglichen Tatverdächtigen machen können. (Constantin von Butler) +++

Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen in dem Cold Case nach fast 33 Jahren erneut aufgenommen.
Symbolfotos: O|N
Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass Azime Sisek möglicherweise Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.

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