Hundehelm und Rollstuhlhilfe

Ein platter Reifen - und ganz viel Menschlichkeit bei Fahrradwelt Seng

Unzertrennlich seit einem Jahr: Inhaber Holger Seng und Hund Enzo
Fotos: Felix Weigl

11.05.2026 / PETERSBERG - "Herzensmenschen!" ist das erste Wort in einer Google-Rezension über Fahrradwelt Seng. Deshalb haben wir hier mal nachgefragt. Wie das Drahteselgeschäft hier einer jungen Rollstuhlfahrerin half und warum Ladenhund Enzo eine eigene Trinkgeldkasse hat, erzählt uns Inhaber Holger Seng im Interview.

Die Fahrradwelt Seng wurde 1981 als Familienbetrieb gegründet. Seit mehr als 20 Jahren führt Holger Seng das Geschäft in Petersberg in 2. Generation, welches er von seinem in der Region bekannten Vater, den alle nur unter Siggi kennen, übernommen hat. Auf inzwischen rund 1.000 Quadratmetern dreht sich hier alles rund ums Fahrrad , ob mit oder ohne Motor – von klein bis groß – von ergonomisch bis sportlich.

Das beste Angebot der Stadt findet man meistens auf dem Land

Es war Samstagnachmittag, kurz vor Feierabend. Das Telefon klingelt, eine Frau ruft an und bittet um Hilfe bei einem geplatzten Reifen - an einem Rollstuhl. Der gehört ihrer Nichte, die am nächsten Tag ihre erste heilige Kommunion erhalten soll. "Kommt vorbei, wir helfen!", kam zügig als Antwort von Marion, Holgers Schwester. "Wir haben uns das auch leichter vorgestellt", erzählt Holger Seng im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Der Riss war relativ groß, der Schlauch hatte eine Sondergröße." Sein Sohn konnte den Reifen schließlich flicken, während Seng bereits den nächsten Schritt organisierte: Über die Kinderstation des Klinikums wurde vorsorglich sogar ein Ersatzrollstuhl organisiert. Eine Bezahlung für die Reparatur lehnt Seng ab. Für ihn war die Hilfe selbstverständlich. Wenn er davon erzählt, merkt man, wie nahe ihm die Geschichte geht. Das ist eben das, was einen Familienbetrieb ausmacht.

Wenn Kunden zuerst nach dem Hund fragen

Wer Fahrradwelt Seng betritt, wird häufig von Hund Enzo begrüßt. Seit etwa einem Jahr gehört er quasi zum Team. "Es kommt vor, dass Kunden anrufen und fragen, ob Enzo heute da ist. Wenn ich dann sage, der ist erst morgen wieder da, sagen die Kunden: "Ok, dann komm ich morgen vorbei!", verrät Seng O|N. Deswegen hat Enzo schon seine eigene Trinkgeldkasse bekommen. "Mehr drin als bei uns", lacht er. Bei Fahrradtouren mit Herrchen Holger trägt Enzo mittlerweile auch Helm. Bei einer Tour wurde Seng gefragt, warum er selbst einen Helm trägt - Hund Enzo aber nicht. Also wurde nach einem Helm für Hunde gesucht - mit Erfolg.

Zwischen Tradition und E-Bike-Boom

Vor mehr als 20 Jahren übernahm Holger Seng den Betrieb und entwickelte ihn Schritt für Schritt weiter. Aus dem klassischen Fahrradladen wurde über die Jahre ein modernes Fachgeschäft mit Werkstatt, Zubehör und Komplettservice rund ums Zweirad.

Beratung, Wartung und Reparaturen sind inzwischen oft genauso wichtig wie der Verkauf selbst. Viele Kunden kämen gezielt wegen des Services oder weil sie seit Jahren Stammkunden seien. Dass der Laden inzwischen mehrere Generationen begleitet, merkt Seng immer wieder im Alltag. Eltern, die früher selbst mit ihrem ersten Fahrrad aus dem Geschäft gefahren seien, kommen heute mit ihren eigenen Kindern zurück.

Und so geht es in der Fahrradwelt Seng bis heute nicht nur um Fahrräder, sondern auch um Begegnungen, Hilfsbereitschaft und Geschichten, die Kunden weitererzählen. Manche davon beginnen mit einem platten Reifen - andere mit einem kleinen Hund mit Fahrradhelm. (Felix Weigl) +++



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