Rechtsanspruch kommt
Endlich! Landkreis baut Ganztagsbetreuung aus - kräftige Entlastung
Symbolfoto: Pixabay
07.05.2026 / FULDA -
Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt bundesweit schrittweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Der Landkreis Fulda bereitet sich derzeit intensiv auf diese Umstellung vor.
Beim Pressegespräch im Landratsamt erläuterten Landrat Bernd Woide und Ulrich Nesemann, Leiter des Fachbereichs Bildung, Familie, Jugend und Sport, wie die Betreuung an künftig allen 52 Schulstandorten organisiert werden soll – und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Rechtsanspruch ab 2026
Der Gesetzgeber sieht künftig eine Betreuung an fünf Tagen pro Woche mit insgesamt acht Stunden täglich vor. Die reguläre Unterrichtszeit wird dabei angerechnet. Hat ein Kind beispielsweise fünf Stunden Unterricht, müssen zusätzlich noch drei Stunden Betreuung angeboten werden. Wichtig sei laut Landkreis jedoch: Der Anspruch beziehe sich auf Betreuung allgemein – nicht auf einen Platz an einer frei gewählten Schule. Ziel des neuen Systems sei es vor allem, die Lern- und Lebenswelt der Kinder zu stärken und Familien besser zu entlasten.Alle 52 Schulstandorte künftig mit Ganztagsangebot
Im laufenden Schuljahr verfügen bislang 29 der insgesamt 52 Schulstandorte im Landkreis über Ganztagsangebote. Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen alle 46 Grundschulen sowie die sechs Förderschulen entsprechend ausgestattet sein. Dafür wurden und werden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt: zusätzliche Räume, Mensen und Mittagessensangebote, digitale Infrastruktur, Ferienbetreuung sowie die Einstellung weiterer Ganztagskräfte. Die Lehrkräfte selbst werden vom Land Hessen beziehungsweise dem Kultusministerium organisiert. Investitionen in Millionenhöhe
Die finanziellen Dimensionen des Projekts sind enorm. Insgesamt hat der Landkreis Fulda über die letzten Jahre rund 65 Millionen Euro in seine Grundschulen investiert. Während 2022 noch etwa 6,5 Millionen Euro investiert wurden, sind für 2026 bereits rund 21,4 Millionen Euro vorgesehen. Ein Großteil der Finanzierung erfolgt direkt aus Kreismitteln. Bund und Land beteiligen sich lediglich anteilig über ein Investitionsprogramm mit rund acht Millionen Euro Zuschüssen.Landrat Woide äußerte deshalb deutliche Kritik an der Finanzierung durch den Bund. "Der Bund tituliert einen solchen Anspruch und dann stehen die Kommunen plötzlich allein da", sagte der Landrat. Trotzdem bezeichnete Woide die Investitionen als notwendig: "Es sind sinnvolle, wichtige Investitionen." Mittlerweile entstünden selbst an Grundschulen moderne Kantinen, "wie man sie früher eher von Universitäten kannte".
Mehr Personal und neue Strukturen
Der Ausbau der Ganztagsbetreuung bedeutet auch einen erheblichen zusätzlichen Personalbedarf. Im kommenden Schuljahr werden allein bei den Erstklässlern rund 1.616 Kinder erwartet. Insgesamt besuchen derzeit etwa 6.200 Schülerinnen und Schüler die Grundschulen im Landkreis. Der Landkreis rechnet vorsichtig damit, dass etwa die Hälfte der Kinder die Ganztagsangebote nutzen wird.Nach Angaben des Landkreises seien bereits etwa 85 Prozent des benötigten Personals vorhanden. "Uns war wichtig, das bestehende Personal nicht zu verlieren", erklärte Nesemann. Kritik an fehlender, pädagogischer Qualifikation wolle man zudem mit regelmäßigen Schulungen und Workshops begegnen.
Elternbeiträge geplant
Finanziert werden soll die Ganztagsbetreuung künftig gemeinschaftlich durch das Land Hessen, den Landkreis Fulda sowie Elternbeiträge. Angesichts der äußerst angespannten Haushaltslage des Kreises hält Landrat Woide eine Beteiligung der Eltern für notwendig. Der Landkreis Fulda rechne aktuell mit einem Defizit von rund 20 Millionen Euro."Wir müssen auch die Frage in den Raum stellen, dass Eltern zumindest einen kleinen Beitrag leisten werden müssen", sagte Woide.
Geplant sind derzeit drei Beitragsmodelle:
- Betreuung an 1–2 Tagen pro Woche: 20 Euro monatlich
- Betreuung an 3–4 Tagen: 35 Euro p.M.
- Betreuung an 5 Tagen: 40 Euro p.M.
Für die Ferienbetreuung könnten zusätzliche Beiträge anfallen. Gleichzeitig betonte Nesemann, dass es sich noch nicht um endgültige Beträge handele. Die finale Entscheidung soll erst nach Beratungen in den Kreisgremien zur Jahresmitte fallen.
"Wir dürfen und werden daran kein Geld verdienen", sagte Nesemann. Die Beiträge dienten ausschließlich dazu, Kosten zu decken. Zusätzlich sei eine Sozialstaffelung geplant, damit auch Familien mit geringem Einkommen die Angebote nutzen könnten.
Herausforderung Ferienbetreuung
Eine besondere Herausforderung stellt die gesetzlich vorgeschriebene Ferienbetreuung dar. Insgesamt acht Ferienwochen müssen künftig abgedeckt werden. Bislang gab es an vielen Schulen überhaupt keine Ferienangebote. Woide betonte, dass nun zunächst geklärt werden müsse, welche Ferienwochen konkret angeboten werden sollen. Gleichzeitig wolle man "nicht in Konkurrenz zu den regulären Ferienangeboten der Gemeinden treten".Während der Ferien rechnet Nesemann mit deutlich geringeren Nutzungszahlen als während des regulären Schulbetriebs. Statt einer Betreuungsquote von rund 50 Prozent während der Schulzeit gehe man in den Ferien von etwa 20 Prozent aus.
Einheitlichere Strukturen im Landkreis
Bislang unterschieden sich die Ganztagsangebote im Landkreis teils erheblich. Manche Schulen verlangten Beiträge, andere böten die Betreuung kostenfrei an. Mit dem neuen Rechtsanspruch soll nun ein einheitlicheres System entstehen.Für den Landkreis Fulda bedeutet dies in den kommenden Jahren einen organisatorischen und finanziellen Kraftakt – gleichzeitig aber auch einen grundlegenden Ausbau der Bildungs- und Betreuungslandschaft in der Region. (Marvin Hucke) +++