Austausch für Betroffene

"Keine Extrawurst mehr": Glutenfreier Aktionstag schenkt ein Stück Normalität

Der Aktionstag in Fulda zeigte, wie wichtig sichere glutenfreie Angebote und Austausch für Menschen mit Zöliakie sind und setzte ein starkes Zeichen für mehr Teilhabe und Bewusstsein in der Gesellschaft.
Fotos: Maurice Schumacher

01.05.2026 / FULDA - Spontan nach draußen gehen und in einem Restaurant etwas Leckeres essen - was für viele nach einem entspannten Tag klingt, ist für andere mit langer Suche und dem Gefühl, man brauche eine "Extrawurst" verbunden. Menschen, die von Zöliakie oder Unverträglichkeit gegenüber Gluten betroffen sind, können das vermutlich gut nachempfinden. Um wirklich allen ein entspanntes Genusserlebnis bieten zu können, organisierte die evangelische Pfarrerin Jana Koch-Zeißig mit dem Team der Christuskirche Fulda am Donnerstag einen glutenfreien Aktionstag in der Domstadt.



"Ich bin selbst davon betroffen. Die Diagnose kam vor etwa zwei Jahren", so die Pfarrerin im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Ich hatte Kontakt zu Melek Gueven, die einen glutenfreien Dönertruck betreibt. Ich wollte gerne, dass sie mit ihrem Truck hierherkommt, und so hat sich die Idee weiterentwickelt. Wenn das gut angenommen wird, entwickelt sich das vielleicht wirklich zu einem richtigen Genussmarkt", freute sich Koch-Zeißig.

Eltern und Kinder verdienen Vielfalt

Für viele Menschen, die unter Zöliakie leiden, ist es nicht möglich, einen Döner zu essen - für viele Deutsche wahrscheinlich unvorstellbar. So sagte auch die Organisatorin: "Die Angebote sind wirklich spärlich. Man muss sich auskennen, um zu wissen, wo man etwas Passendes bekommt. Ich denke, da geht noch viel mehr, da müssen wir als Gesellschaft auch etwas tun. Zöliakie zu Hause zu haben, ist kein Problem. Sobald man nach draußen geht, merkt man, dass Essen eine ganz große Rolle spielt, weil man immer die Extrawurst braucht." Und genau diese Anlaufstelle möchte Melek Gueven sein. "Ich selbst habe keine Zöliakie, kann mich als gelernte Psychologin sehr gut in jedes Kind und jeden Erwachsenen hineinversetzen. Ich habe elf Monate gebraucht, um das perfekte Brot zu entwickeln, aber jetzt ist es perfekt. Viele sind oft misstrauisch und können gar nicht glauben, dass sie das essen dürfen."

Ausgrenzung auf Grund einer Krankheit

Mit diesem Aktionstag soll der Austausch gefördert werden - wer kann wo am besten einkaufen. "Ich freue mich schon immer, wenn ich am glutenfreien Regal im Supermarkt jemanden treffe und mich austauschen kann", so Koch-Zeißig gegenüber O|N. Ihr sind bei dieser Veranstaltung vor allem die Nachwirkungen wichtig: "Es wäre toll, wenn das Thema mehr Aufmerksamkeit und mehr Optionen bekommt, besonders beim Catering. Damit Familien mit betroffenen Kindern sorglos sein können."

Dass es in öffentlichen Einrichtungen leider immer noch nur wenige Alternativen gibt, machte Elisa Dillenberger, Mitglied der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) und Mutter, deutlich: "Die DZG hat eine Bundestags-Petition eingereicht. Aktuell warten wir, dass das online veröffentlicht wird. Damit fordern wir einen Anspruch auf glutenfreie Versorgung in allen öffentlichen Einrichtungen, sprich Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern." Ihre Tochter musste bereits mit einigen Rückschlägen leben. "In der Kita hat sie kein Essen bekommen. Der Koch hat das nicht geschafft, dann haben wir ihr eigenes Essen mitgegeben. Im Kindergarten hat das noch funktioniert, in der Schule durfte sie ihr eigenes Essen aus Haftungsgründen nicht mit in die Mensa nehmen. Dann war sie alleine, während die anderen zum Essen gingen. Da wird man aufgrund einer Krankheit, für die man nichts kann, einfach ausgegrenzt." Auch im Krankenhaus sei das Angebot beschränkt.

Der Aktionstag hat gezeigt, wie groß der Bedarf an Austausch, Sichtbarkeit und echten glutenfreien Angeboten ist. Für viele Betroffene war er mehr als nur ein kulinarisches Erlebnis - er war ein Stück Normalität und Gemeinschaft. Die Hoffnung der Organisatorinnen und Unterstützer ist klar: dass aus diesem Tag ein Impuls entsteht, der langfristig zu mehr Verständnis, mehr Angeboten und mehr Teilhabe führt. Fulda hat damit einen wichtigen Schritt gemacht, um Menschen mit Zöliakie ein selbstverständlicheres Leben zu ermöglichen. (mis) +++

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