Gottsucherin – ein Leben lang
Ordensfrau und Künstlerin: Eröffnung der Sonderausstellung von Lioba Munz
Die Sonderausstellung der Künstlerin und Ordensfrau Lioba Munz wurde feierlich eröffnet.
Fotos: Erik Spiegel
30.04.2026 / FULDA -
"Das "Sich-ergreifen-lassen" von einem gegenwärtigen und doch nicht fassbaren Geheimnis durchdringt das ganze künstlerische Werk und mehr noch das ganze Leben dieser kunstschaffenden Ordensfrau. Ergriffenheit ist auch die angemessene Form des Reagierens auf die Arbeit von Lioba Munz." So formulierte es Kurt Schneider im Lioba-Munz-Ausstellungs-Katalog von 1984. In der nun im Vonderau Museum eröffneten Ausstellung können wir uns erneut ergreifen lassen – von Werk und Wirken, Leben und Persönlichkeit dieser außergewöhnlichen Künstlerin.
Außenministerin der Abtei
Dr. Maura Lilia, ihre erste Fuldaer Äbtissin, nannte Lioba Munz die Außenministerin des Klosters. Sie förderte sie während ihrer Amtszeit von 1939 bis 1977 und legte für sie, wie Dr. Frank Verse in seiner Begrüßung erwähnte, Klosterregeln sehr großzügig aus. So hatte Lioba Munz ihr Atelier außerhalb der Klostermauern. Sie hatte zeitlebens Hunde – ihr erster Dackel ist in der Ausstellung als Keramik zu bewundern. Sie absolvierte ein Werkstudium in Köln, sie durfte auf Studienreisen und zu Konzertbesuchen. Lioba Munz sei eine vielseitig begabte Künstlerin gewesen. Sie arbeitete mit unterschiedlichsten Materialien, war eine talentierte Zeichnerin und Malerin und spielte hervorragend Violine. "Ohne die Unterstützung der Benediktinerinnen wäre ihr Werk so nicht möglich gewesen", so Verse.
Dr. Verse hatte zahlreiche Gäste zu begrüßen – die Kapelle des Vonderau Museums war bis auf den letzten Platz besetzt. "Auch das ist ein Zeichen, wie wichtig diese Künstlerin für Fulda war und ist", so Verse. Unter den Gästen waren u.a. Michael Brand, MdB, Stadträtin Susanne Jobst, OB a.D. und Ehrenbürger der Stadt Gerhard Möller, der ehemalige Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler, Stadtpfarrer Stefan Buß, Generalvikar a.d. Christof Steiner, Verleger Dr. Tomas Schmitt mit seiner Frau Gerda und natürlich die Schwestern der Abtei St. Maria – darunter in Vertretung von Äbtissin Benedikta Kranz Sr. Angela Rumstadt sowie Christa Weinrich, Fuldas berühmte Klostergärtnerin. Verse dankte auch allen, die am Zustandekommen der Ausstellung mitgewirkt hatten, ganz besonders Franziska Ihle-Wirth, die den Nachlass Lioba Munz" geordnet hatte, als dieser 2017 dem Stadtarchiv und Vonderau Museum als Dauerleihgabe vermacht wurde.
Vielseitig begabt
Vanessa Pape hatte die Ausstellung kuratiert und begann ihr Grußwort mit einem Zitat des ehemaligen Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Hamberger, das dieser anlässlich einer Munz-Ausstellung im Jahr 1993 gesagt hatte: "Das Werk der Künstlerin im Ganzen zu würdigen oder dem Publikum zu präsentieren, ein eigentlich unlösbares Problem eine nicht darstellbare Aufgabe." Zumindest aber einen Einblick in diesen Nachlass könne die Ausstellung geben. Aber für ihr Gesamtwerk müsste man dann schon zwei neue Museen in Fulda bauen.
Zum 400jährigen Jubiläum der Benediktinerinnen-Abtei habe man alle Archivkartons, Mappen und Regalfächer durchstöbert. "Das fast Spannendste an diesem Nachlass ist die große zeitliche Spanne, die er abdeckt", so Pape. Lioba Munz sei keine lokale Künstlerin gewesen, sondern eine national und international anerkannte. Diesen Teil ihrer Arbeiten könne man hier nicht präsentieren, aber zumindest sei ein von Lioba Munz gestaltetes Evangeliar aus Speyer als Leihgabe nach Fulda gekommen.
Ein provokanter Lebensweg
Den Festvortrag hielt Dr. Burghard Preusler, Diözesanbaumeister a.D. Er skizzierte den Lebens- und Entwicklungsweg Lioba Munz" und setzte ihn in Bezug zu einer Entwicklung, die in der Renaissance ihren Anfang nahm: "Ab jetzt provozierten Künstler ihre Auftraggeber zunehmend. Aber Lioba Munz provozierte mit ihrem Lebensweg." Zunächst die Eltern – mit der Konversion vom evangelischen zum katholischen Glauben, dann mit dem Eintritt ins Kloster, kaum dass sie volljährig war. Eine humorvolle Beziehung erkannte Preusler zwischen Lioba Munz" Werkstudium in Köln und dem 1964 geschaffenen DFB-Pokal, der in manchem an das Werk der Künstlerin erinnere. Lioba Munz habe ihr Werk als lebenslängliche Gottessuche verstanden.
Den musikalischen Rahmen setzte das Quintett Allegro der Musikschule Fulda, das Leonard Cohens "Hallelujah", das "Ave Maria" und Karl Jenkins" "Palladio" spielte. Wie schön, dass zu Ehren dieser großen Künstlerin junge Frauen die Bögen schwangen! Sie wurden mit viel Beifall bedacht. Äbtissin Kranz, Franziska-Ihle Wirth, Vanessa Pape und Dr. Burkhart Preusler erhielten Blumen zum Dank.
Abschließend widmeten sich die Ausstellungsbesucher mit Wein, Häppchen und angeregten Gesprächen dem großartigen Werk Lioba Munz, dieser "mit Geist und Seele im Kloster verankerten und mit beiden Füßen auf dem Boden der Welt stehenden Nonne", wie Dr. Wolfgang Hamberger sie in einem Text des Buchs "Unsere Jahre – unser Leben. Erinnerungen aus drei Amtszeiten" beschrieben hatte.
Die Ausstellung ist bis zum 2. August geöffnet und bietet viele Begleitveranstaltungen an. (Jutta Hamberger) +++