Reform der evangelischen Dienstverhältnisse
Neue Pfarrpersonen werden ab 2029 privatrechtlich angestellt
Fotos: medio.tv/schauderna
28.04.2026 / REGION -
Ab 2029 werden neue Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) ausschließlich privatrechtlich angestellt, statt im öffentlich‑rechtlichen Dienst zu stehen. Das hat die Landessynode der EKKW während ihrer Frühjahrstagung am Freitagabend beschlossen. Ziel ist es, Hierarchien und Statusunterschiede zwischen allen Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst abzubauen, erläuterte Prälat Burkhard zur Nieden. Künftig sollen multiprofessionelle Teams aus Pfarrpersonen, Haupt- und Ehrenamtlichen die kirchliche Arbeit prägen.
Voraussetzung für die Umstellung ist, dass die arbeitsrechtlichen Regelungen bis dahin vorliegen. Am gemeinsamen Rechtsrahmen, den die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) entwickelt, arbeitet die EKKW mit.
Generationengerechtigkeit und finanzielle Verantwortung
Ein zentrales Argument für den Systemwechsel sind die langfristigen finanziellen Folgen öffentlich-rechtlicher Dienstverhältnisse. Diese binden die Landeskirche häufig über 60 bis 70 Jahre an Versorgungs- und Beihilfeverpflichtungen, erklärte Vizepräsidentin Dr. Katharina Apel. Sie führte vor Augen: "Mit jedem neuen öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis verlagern wir finanzielle Verpflichtungen in die Zukunft." Angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen und steigender Versorgungsverpflichtungen habe die Landeskirche hier eine Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Auch im Verwaltungsbereich der EKKW wird es keine Verbeamtungen mehr geben: Ab 2029 erfolgen Neueinstellungen nur noch privatrechtlich.Hintergrund: Kulturwandel im Verkündigungsdienst der EKKW
Trotz knapper werdender Ressourcen eine attraktive Kirche sein: Dieser Leitgedanke liegt dem 2022 gestarteten Veränderungsprozess der EKKW zugrunde. Dazu zählt auch der Teilprozess "Profilierung der kirchlichen Ämter und Berufe", über den die Synodalen am Freitag intensiv diskutierten. Er stoße einen Kulturwandel an, erläuterte Prälat zur Nieden: "Ziel ist es, die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen und der Ehrenamtlichen so zu gestalten, dass wir regionale Teams bilden, die professionell zusammenarbeiten und sich im Sinne einer gestalteten Mehrberuflichkeit mit ihren spezifischen Kompetenzen und Begabungen ergänzen." Um diese Zusammenarbeit zu erleichtern und um den Pfarrberuf zukunftsfähig zu machen, sollen strukturelle Hürden abgebaut werden. Eben dazu zählt neben den Anstellungsverhältnissen auch die Einführung eines neuen Arbeitszeitmodells, über das die Synodalen am Samstag (25. April) entscheiden.Überarbeitung der Grundordnung: Kirche vor Ort wird gestärkt