Der Stadtpfarrer bei O|N
Stefan Buß: "Getragen - und doch stehend"
Foto: Stefan Buß
02.05.2026 / FULDA -
Dieses Stehen des Jesuskindes ist mehr als eine körperliche Haltung. Es ist ein Zeichen. Ein leiser Hinweis darauf, wer dieses Kind ist und welchen Weg es gehen wird.
Wie schwer das ist, wissen alle, die Verantwortung tragen: für Kinder, für andere Menschen, für Aufgaben im Leben. Wir möchten halten, sichern, bewahren. Doch Leben wächst nicht im Festhalten, sondern im Begleiten.
Und das Kind? Es steht uns zugewandt. Verletzlich und doch entschlossen. In ihm wird sichtbar: Gott kommt nicht als Macht, nicht als Herrscher, sondern als einer, der den aufrechten Gang des Menschseins lernt. Gott macht sich klein, um uns groß zu machen.
Vielleicht erkennen wir uns selbst in diesem Bild wieder. Manchmal sind wir wie Maria: Haltend, sorgend, zweifelnd, hoffend. Manchmal sind wir wie das Kind: Noch unsicher, noch angewiesen – und doch gerufen, aufzustehen, unseren Platz einzunehmen, Verantwortung zu übernehmen.
Dieses Bild sagt uns: Du darfst gehalten sein. Und du darfst stehen.
Glaube bedeutet nicht, für immer getragen zu werden. Glaube bedeutet, aus der Geborgenheit heraus den Mut zu finden, aufzustehen – im Vertrauen darauf, dass Gott uns nicht fallen lässt. So lädt uns das Bild ein, heute neu zu fragen: Wo halte ich zu fest? Wo darf ich loslassen? Und wo bin ich selbst gerufen, aufzustehen – getragen von Gottes Liebe? (Stefan Buß)+++
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch