Entscheidung mit gemischten Gefühlen
Schandfleck in Angenrod beseitigt: Hofgut nach Jahren des Verfalls abgerissen
Fotos: goa
22.04.2026 / ALSFELD -
Stadt und Ortsbeirat atmen auf: Der einsturzgefährdete Schandfleck mitten in Angenrod ist weg. Das im Besitz der Stadt Alsfeld befindliche große ehemalige Wirtschaftsgebäude des Hofgutes Angenrod wurde nach etlichen Jahren des Verfalls und von Bausicherungsmaßnahmen endlich abgerissen, wie Bürgermeister Stephan Paule, Ortsvorsteher Axel Möller und Isolde Kempus vom städtischen Fachbereich Bauen und Liegenschaften beim Pressetermin vor Ort mitteilten.
Wo gerade noch die letzten Arbeiten stattfinden, entsteht direkt in der Ortsmitte zunächst eine Grünfläche, von der die Lebensqualität im ganzen Dorf sicher profitieren wird.
Entscheidung mit gemischten Gefühlen
"Zufrieden und von der Richtigkeit des Abrisses absolut überzeugt: Ja. Restlos glücklich: Nein" – so könnte man die Gemütslage von Paule, Möller und Kempus umschreiben. Isolde Kempus ist Architektin – ganz sicher gestaltet sie "lieber vorwärts, als rückwärts", und Aspekte des Denkmalschutzes sind ihr ohne jeden Zweifel sehr wichtig. Das in Rede stehende Gebäudeensemble war im 19. Jahrhundert mit drei Stallungsbauteilen entstanden: jeweils für Schweine, Geflügel und Pferde. Der einstige landwirtschaftliche Betrieb ging noch vor der Dorferneuerung mit Ländereien an die Stadt Alsfeld über, warf der Bürgermeister einen Blick zurück. Im ersten Zug der Dorferneuerung wurde das noch ältere, historisch wertvolle Wohnhaus 1985 mit Abgabe an die BSG (Bau- und Siedlungsgenossenschaft) grundsaniert. Hier befinden sich heute 11 Wohnungen.
Sandstein von 1833 bleibt erhalten
Als Besonderheit wurde auf einen denkmalschutzrelevanten Portal-Sandstein mit der Inschrift "1833" hingewiesen, der als Sturz über einer Tür im Gebäudeteil A eingebaut war. Bereits im Einbau wies er einen fotografisch dokumentierten Bruch auf, der laut Isolde Kempus vermutlich auf eine Zweitverwendung schließen ließ. Er wurde gesichert und soll im Ort belassen werden.Investor für Nachnutzung abgesprungen
Mit der Bauaufsicht des Vogelsbergkreises und den Denkmalschutzbehörden wurden der Rückbau des Kulturdenkmals und das Nachnutzungskonzept abgestimmt, dann ging es recht flott voran: der Erteilung der baurechtlichen Abrissgenehmigung vor einem guten Jahr folgte die Zustimmung der Dorfentwicklung Ende Juni 2025 und die tatsächlichen Arbeiten innerhalb der letzten Wochen. "Die Fläche steht nun für eine Belebung des Ortskernes zur Verfügung", so Paule.