Vier Milliarden Euro Belastung
Hessens Finanzminister Lorz: "Ohne Finanzausgleich hätten wir keine Schulden"
Fotos: Carina Jirsch
23.04.2026 / FULDA -
Seit Januar 2024 ist Prof. Dr. Alexander Lorz (CDU) Hessischer Finanzminister. Zuvor war der 60-Jährige zehn Jahre lang Kultusminister in Hessen - jetzt ist er ausgerechnet in einer schwierigen Wirtschaftslage Chef der Finanzen. Klar ist: Mit Sondervermögen, Länderfinanzausgleich und Sparkurs im Haushalt gibt es viel zu tun. Darüber - und über den Frankfurter Flughafen - hat der Finanzminister mit OSTHESSEN|NEWS gesprochen.
Eine große Belastung für den Landeshaushalt: der Länderfinanzausgleich. Hessen liegt hinter Bayern und Baden-Württemberg auf Platz drei der Geberländer. Mit der neu gegründeten "Drei-Löwen-Allianz" wollen die drei Bundesländer das Konzept reformieren. Finanzminister Lorz macht deutlich: "Hessen ist ein wirtschaftsstarkes Land. Deswegen steht für uns auch überhaupt nicht infrage, dass wir grundsätzlich einen Beitrag leisten möchten, auch für ärmere Länder. Wir wollen auch weiterhin so wirtschaftsstark und in der Position bleiben, dass wir solidarisch einen Beitrag leisten können. Aber die Frage ist: Was ist an dieser Stelle angemessen?"
"Wir brauchen wieder Wirtschaftswachstum"
Wie stark sich der Ausgleich auf den Haushalt auswirkt, erklärt der 60-Jährige so: "Hessen hätte im Landeshaushalt keine Schulden, wenn unser Beitrag im Finanzkraftausgleich deutlich geringer ausfallen würde. Die Situation wäre eine gänzlich andere: Wir hätten in der Vergangenheit keine Kredite aufnehmen müssen und könnten unsere Ausgaben aus eigenen Einnahmen finanzieren. Ja, wir wären dann sehr wahrscheinlich immer noch in der Lage eine gewisse Summe in den Finanzkraftausgleich einzahlen zu können. " Kommunen stehen vor großen Herausforderungen
Doch nicht nur das Land muss sparen. Auch und besonders die Kommunen. "Natürlich leiden auch die Kommunen unter der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung. Gerade die hochvolatile Gewerbesteuer ist ganz unmittelbar von der Wirtschaftsentwicklung abhängig. Ansonsten haben die Kommunen im Wesentlichen nur die Grundsteuer als Hebel, an dem sie selber ziehen können. Und da bekommen wir viele Signale, dass aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger eine gewisse Belastungsgrenze erreicht ist", konstatiert der Finanzminister. Weiter Stillstand am Groenhoff-Areal
Am Geld scheitert es auch am Groenhoff-Areal auf der Wasserkuppe. Hier herrscht seit Jahren Stillstand in der Entwicklung, für Debatten im Hessischen Landtag sorgt das Areal aber immer wieder. "Das Land selbst hat gegenwärtig schlicht und ergreifend keine Verwendung für das Areal. Deswegen würden wir es grundsätzlich gerne an einen privaten Investor übergeben. Doch bis heute wurde kein Angebot vorgelegt, das sich als wirtschaftlich tragfähig herausgestellt hätte. Die bisherigen Vermarktungsversuche wurden auch durch den bestehenden Denkmalschutz erschwert." Das Areal bleibe laut Lorz eine Herausforderung.Eine gute Nachricht hat Lorz aber für einige Kommunen: Mit einem neuen Programm der Hessischen Finanzverwaltung "KommUnity" ist es den hessischen Kommunen möglich, für zwei Jahre Personal aus dem Geschäftsbereich des Hessischen Finanzministeriums einzusetzen und somit ihren Fachkräftemangel übergangsweise abmildern zu können. Über 100 Beschäftigte haben bereits Interesse angemeldet, mehr als 20 davon hätten schon den Schreibtisch gewechselt oder stünden kurz vor einem Wechsel. Auch in unsere Region, nämlich nach Kalbach, Eiterfeld, Bad Orb, Großkrotzenburg, Wildeck, Tann und in den Main-Kinzig-Kreis. Für beide Seiten sei das eine "Win-win-Situation".