Problem für Markt und Mieter
Trotz Wohnungsmangel: Immer mehr Ferienwohnungen in der Innenstadt
Wohnungen in der Innenstadt sind rar – dennoch scheinen immer mehr Ferienwohnungen zu entstehen.
Symbolbild: Pixabay
07.05.2026 / FULDA -
Wer schon mal auf Wohnungssuche war, weiß, dass es nicht immer einfach ist. Das gilt vor allem für die Wohngegenden in den deutschen Innenstädten, die entweder horrende Summen für die Monatsmiete verlangen oder überhaupt nicht erst verfügbar sind. Auch in Fulda stehen viele Wohnungssuchende vor genau diesem Problem – gleichzeitig scheinen aber regelmäßig neue Ferienwohnungen aus dem Boden zu schießen, in denen man eigentlich auch dauerhaft wohnen könnte.
Die Nutzung von Wohnraum als Ferienwohnung, die teilweise über 100 Euro pro Nacht kosten kann, wird vielerorts kritisch betrachtet. Außerdem führt sie vor allem dazu, dass Zugezogene, die ihren Arbeitsplatz beispielsweise in Innenstadtnähe haben, keine Wohnung finden. Dabei handelt es sich um ein Problem, das Mietern schon lange Kopfzerbrechen bereitet.
Jede neue Ferienwohnung ist ein Problem für den Wohnungsmarkt
Um herauszufinden, wieso denn nun immer mehr Ferienwohnungen trotz eines scheinbaren Wohnungsmangels entstehen, hat OSTHESSEN|NEWS mit Karsten Aßmann, Vorsitzenden des Haus-und-Grund-Verbandes Fulda und Osthessen, gesprochen. Dabei stellte sich heraus, dass es sehr schwierig ist, konkrete und belastbare Zahlen hinsichtlich der Problematik zu finden, da viele Ferienwohnungen nicht immer auf einschlägigen Portalen wie Airbnb oder Booking beworben werden. Sehr oft geschieht das auch durch Mundpropaganda, Schilder an der Straße oder auf Kleinanzeigen.
"Aktuell haben in Fulda selbst solvente und seriös daherkommende Mietinteressenten Probleme, adäquaten Wohnraum zu finden. Daher stelle jede Wohnung, die als Ferienwohnung auf den Markt geworfen wird, ein Problem für den Fuldaer Mietmarkt dar", erklärte Aßmann. Zwar sei die Situation in Fulda noch nicht so beengt wie in anderen Regionen, das Suchen und Finden von Wohnraum sei aber schon seit langer Zeit nicht mehr angenehm, sondern eher ein "Spießrutenlauf".
Sind "schlechte" Mieter indirekt am Wohnungsmangel schuld?
Insgesamt seien nach Ansicht von Aßmann nicht die Ferienwohnungen schuld, sondern allgemein zu wenige Wohnungen verfügbar. Zudem steige nach seinen Beobachtungen wohl auch die Zahl derjenigen Vermieter an, die mit Mietern schlechte Erfahrungen gemacht haben "und eine Wohnung zuweilen lieber leerstehen lassen, als dass sie sich in ihrem subjektiven Empfinden mit Mietern herumärgern müssen", wie es der Haus-und-Grund Vorsitzende beschreibt.
Weil das deutsche Mietrecht nach seiner Einschätzung die Vermieter deutlich zu wenig schützt, käme es wohl dazu, dass häufig ein hoher Mietrückstand eintrete, bevor man die Räumung des Mietobjekts durchsetzen könne. "Dann kommt es oft dazu, dass Vermieter sich bei einer Folgevermietung vermehrt sehr lange Zeit lassen, bis sie den richtigen Mieter gefunden haben, oder aber Wohnungen komplett vom Markt verschwinden", erklärte er weiterhin.
Muss das Gesetz angepasst werden?
Viele Vermieter schützen sich also dementsprechend vor Problemen mit Dauermietern, indem sie ihre Wohnungen kurzfristig vermieten und als Ferienwohnungen auf Airbnb oder ähnlichen Portalen anbieten, anstatt viel Zeit damit zu verbringen, "den richtigen Mieter" für ihre Wohnung zu finden. Auch dieses Vorgehen wird insbesondere von Vertretern des Mieterbundes als sehr kritisch betrachtet und stößt vielerorts auf Unverständnis, insbesondere bei denjenigen, die große Probleme haben, eine Wohnung zu finden.
"Aus meiner Sicht muss für die Nutzung als Ferienwohnung in Hessen, ebenso wie für jede andere gewerbliche Nutzung – beispielsweise als Kanzlei oder Praxis – eine Baugenehmigung zur Nutzungsänderung eingeholt werden", schlägt Aßmann vor. Die meisten Wohnungen seien lediglich zu allgemeinen Wohnzwecken genehmigt. Die Nutzung dieser Wohnungen für die Vermietung an Dritte über Airbnb oder sonstige Anbieter stelle somit eine genehmigungsbedürftige Nutzungsänderung dar.
Der Wohnraum in der Fuldaer Innenstadt ist also knapp – so knapp, dass es beinahe unmöglich ist, für einen humanen Preis eine Wohnung zu finden. Währenddessen steigen die Zahlen der Ferienwohnungen weiterhin, weil Vermieter sich vor Problemen mit Mietern schützen wollen und somit ihre Mietobjekte lieber kurzfristig anbieten, um sich finanziell abzusichern – eine Praxis, die vielen Wohnungssuchenden ein Dorn im Auge sein dürfte. (Philipp Gerhard) +++