Digitaler werden und Bürokratie abbauen
Hessen modernisiert Verwaltung: 1.000 Stellen werden nicht wiederbesetzt
Symbolfoto: pixabay
03.04.2026 / REGION -
Hessen modernisiert seine Landesverwaltung und wird in der Verwaltung mit weniger Personal auskommen. In den kommenden Jahren sollen knapp 1.000 Stellen nicht wiederbesetzt werden. Dadurch könnten mittelfristig rund 75 Millionen Euro pro Jahr gespart werden. Die Qualität öffentlicher Leistungen soll gleichzeitig dank Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Entbürokratisierung weiter steigen. Zentrale Bereiche für die Bürgerinnen und Bürger wie Schulen und Polizei bleiben ausgenommen.
Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz begründet die Maßnahme mit der angespannten Haushaltslage und dem hohen Anteil der Personalkosten am Landeshaushalt. "Staatsmodernisierung senkt Kosten: Wenn wir digitaler werden, mehr Künstliche Intelligenz einsetzen und Bürokratie abbauen, können wir Leistungen mit weniger Beschäftigten erbringen", heißt es in einer Pressemitteilung. Angesichts steigender Ausgaben sei dies notwendig.
Fokus auf Digitalisierung und KI
Die Landesregierung setzt bei der Reform auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und den Abbau von Bürokratie. Diese Entwicklungen sollen dazu beitragen, dass Aufgaben künftig effizienter erledigt werden können. "Ein schlankerer und moderner Staat ist nötig und möglich", so Lorz weiter. Entlassungen seien nicht geplant; vielmehr gehe es darum, freiwerdende Stellen nicht oder nur teilweise nachzubesetzen.In den Ministerien soll künftig nur noch jede dritte Stelle wiederbesetzt werden, in nachgeordneten Behörden zwei von drei. Bestimmte Bereiche sind ausdrücklich geschützt: unterrichtswirksame Stellen an Schulen, Hochschulen, Justiz, Polizeivollzug, Verfassungsschutz, HessenMobil sowie Anwärterinnen, Anwärter und Auszubildende.
Land spart vor allem bei sich selbst
Lorz betont, dass die Landesregierung bewusst bei den eigenen Strukturen ansetzt: "Die besondere Fokussierung auf die obersten Landesbehörden unterstreicht, dass es die Landesregierung ernst damit meint, vor allem bei sich selbst zu sparen und nicht dort, wo Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen auf Leistungen der Verwaltung angewiesen sind. Wir fangen bei uns selber an." Hintergrund: Haushaltsdruck und Gerichtsurteil
Die Entscheidung steht auch im Zusammenhang mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Beamtenbesoldung, das voraussichtlich zu höheren Ausgaben führen wird. Personalkosten machen bereits jetzt 37,5 Prozent des hessischen Landeshaushalts aus – den größten Einzelposten.Mit der teilweisen Stellenbesetzungssperre will das Land die Haushaltskonsolidierung vorantreiben, ohne die Qualität staatlicher Leistungen zu gefährden. Die Landesregierung setzt dabei auf eine umfassende Aufgabenkritik: Es soll geprüft werden, welche Aufgaben weiterhin notwendig sind und welche möglicherweise entfallen können.
Am Ende steht ein klarer Kurs: Hessen will seine Verwaltung reduzieren, ohne die Qualität staatlicher Leistungen zu gefährden. Möglich werden soll das durch digitale Prozesse, Künstliche Intelligenz und den Abbau von Bürokratie. Während zentrale Bereiche wie Schulen, Polizei und Justiz geschützt bleiben, spart das Land vor allem in den eigenen Behördenstrukturen. Die Landesregierung setzt damit ein Signal: Modernisierung und Haushaltsdisziplin sollen Hand in Hand gehen. (mis/pm) +++
Archivfoto: O|N/Carina Jirsch