"Ich bin für den Tag getragen"

Zum dritten Mal: Ökumenische Fußwaschung vor der Stadtpfarrkirche

Ein besonderes Ritual, das für Demut und Nächstenliebe steht: Ökumenische Fußwaschung in Fulda.
Fotos: Tizia Wegfahrt

03.04.2026 / FULDA - "Würden Sie sich gern die Füße waschen lassen?" - Eine Frage, die man für gewöhnlich wohl eher in der Fußpflege einordnen würde. Am Gründonnerstag ist sie aber auch mitten in der Fuldaer Innenstadt des Öfteren zu hören. Denn bereits im dritten Jahr in Folge bieten dort Seelsorger der katholischen und evangelischen Kirchen in Fulda eine ökumenische Fußwaschung an. Direkt vor der Stadtpfarrkirche darf jeder, der möchte, mit ihnen dieses besondere christliche Ritual feiern.



Nach biblischer Überlieferung feierte Jesus am Gründonnerstag das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern. Dabei wusch er ihnen die Füße, ein Zeichen nicht von Erhabenheit, sondern von Demut und für die Initiatoren der Aktion in Fulda am Gründonnerstag noch vielmehr: Ein Ausdruck liebevoller Zuwendung. "Das war eine Geste, die eigentlich undenkbar war. Ein Hausherr, der seinen Gästen die Füße wäscht", erklärt Stadtpfarrer und Dechant Stefan Buß am O|N-Mikrofon.

Doch für Dekan Dr. Thorsten Waap ein klares Zeichen: "Jesus hat uns da auch einen Auftrag gegeben. Was so viel bedeutet wie: Es geht darum, anderen zu dienen, nicht zu herrschen. Es geht wirklich darum, sich zu beugen." Mit der Fußwaschung sei daher ein spannender Perspektivwechsel verbunden. "Meist stehen wir oben auf der Kanzel", sagt Waap weiter. Nun befinde man sich aber perspektivisch unterhalb der anderen Person und statt zu sprechen, höre man noch viel mehr zu. Ein wertvoller Austausch.

Tiefe Bedeutung des Rituals

Zahlreiche Fuldaer nahmen das Angebot zu diesem besonderen Austausch am Donnerstag an. Unter ihnen auch Carmen Laun, sie war bisher in jedem Jahr dabei und ließ sich die Füße waschen. "Für mich hat das eine ganz tiefe Bedeutung, ich habe das selbst bei meiner Omi gemacht und empfinde es als sehr befreiend," erzählt sie im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Mit einem zufriedenen Lächeln erklärt sie weiter: "Ich bin jetzt erst einmal für den Tag getragen."

Aber es wird auch deutlich, wie intim es tatsächlich für viele Menschen ist, sich von anderen die Füße waschen zu lassen. Einige lehnen das Angebot entschieden ab, wieder andere möchten sich stattdessen die Hände waschen lassen - eine Alternative, die die Geistlichen gerne anbieten. Denn am Ende geht es um den Dienst am anderen Menschen und das gemeinsame Ritual, den Moment.

Sehen Sie in unserem Video, wie das Angebot angenommen wurde und was die Teilnehmenden davon mitgenommen haben. (Sabrina Ilona Teufel-Hesse) +++

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