Stolpersteine verlegt

Ein Lehrer für Alle: Posthume Ehrung für Jakob Gans und seine Familie

Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Nun wurden drei neue in Niederaula für Lehrer Jakob Gans und seine Familie verlegt.
Fotos: René Rößling

30.03.2026 / NIEDERAULA - Am vergangenen Donnerstag wurden in Niederaula weitere Stolpersteine verlegt. Dabei ist es nun schon eine kleine Tradition, dass Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule mit ihrem Lehrer Andreas Runke die Gedenkfeier gestalten. Die von Heidi Rößing in mühevoller Archivarbeit rekonstruierten Lebensläufe wurden von Lisa-Marie Kobsch und Henri Stutz mit eigenen Worten vorgetragen. Claudia Modenbach umrahmte die Feier mit einem Trompetensolo.



Pfarrer Werner Ewald wies in seiner Rede auf die in friedvoller Nachbarschaft zur evangelischen Kirche befindliche Synagoge hin, an die sich ein Gebäude mit der Lehrerwohnung anschloss. Der Klassenraum befand sich im hinteren Bereich der Synagoge. Dort unterrichtete Lehrer Gans von 1886 bis 1930. Er erfreute sich großer Beliebtheit in Niederaula. So vertrat er während des 1. Weltkrieges auch den Volksschullehrer und unterrichtete auch die evangelischen Kinder.

Als er diese Tätigkeit nach dem Krieg beenden sollte, gab es wohl Bittbriefe der Eltern, dass er weiterhin alle Kinder in Niederaula unterrichten sollte, wie der ehemalige Pfarrer Karl-Werner Brauer zu erzählen wusste. Lehrer Jakob Gans hat über die Kulturen hinweg Wissen verbreitet – Goethe und Schiller gehörten ebenso zu seinem Repertoire wie auch Shakespeares "Romeo und Julia". Jakob Gans, eine Ehefrau Esther Gans und ihr Sohn Nathan erhielten nun einen Stolperstein vor dem Grundstück, auf dem ehemals die Synagoge und das Lehrerhaus standen.Stolperstein-Verlegung verschoben

Eigentlich war die Verlegung für den 27. Januar geplant, den Gedenktag an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945. Aber an diesem Tag war es derart frostig, dass es für Arbeiter des Bauhofs schwierig gewesen wäre, die Stolpersteinverlegung vorzubereiten – es war ein Tag, an dem alle lieber zu Hause blieben. Heute nun galt der Dank auch der Gemeinde Niederaula, den Mitarbeitern des Bauhofs und Bürgermeister Thomas Rohrbach, der der Gedenkveranstaltung ebenfalls beiwohnte.

Nachdem in Niederaula noch unter Pfarrer Karl-Werner Brauer eine Gedenkveranstaltung am 9. November zur Reichspogromnacht initiiert wurde, war es Heidi Rößing, die viele ehemalige jüdische Mitbürger mit Namen und Schicksal in langer Archivarbeit lebendig werden ließ.

Das Projekt des Künstlers Gunter Demnig, jedem ehemaligen jüdischen Mitbürger einen Stein zu setzen, kam dann gerade recht und wird in Niederaula vom jetzigen Pfarrer Werner Ewald, der politischen Gemeinde und der Bevölkerung mitgetragen, unterstützt und umgesetzt. Eine AG für Stolpersteine hat sich gefunden, ist aktiv und plant schon die nächste Stolpersteinverlegung. (pg/pm)+++

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