Die Fliegerburg der deutschen Jugend
Segelflugmuseum eröffnet Ausstellungsteil zur NS-Zeit - "wichtiges Zeichen"
Der erste wichtige Bauabschnitt des Ausstellungsbereiches über die NS-Geschichte des Segel- und Modellflugs und der Wasserkuppe wurde am Montagvormittag vorgestellt.
Fotos: Carina Jirsch
31.03.2026 / GERSFELD (RHÖN) -
Ein historisches Kapitel sichtbar machen: Im Deutschen Segelflugmuseum mit Modellflug auf der Wasserkuppe (Landkreis Fulda) konnte am Montagvormittag der erste Abschnitt eines neuen Ausstellungsbereichs eröffnet werden. Dieser widmet sich der Geschichte der "Fliegerburg der deutschen Jugend". Damit wird die Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet. Der hessische CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Müller sprach von einer "echten Gemeinschaftsleistung" - gerade mit Blick auf den ehrenamtlichen Einsatz.
Das Museum verfügt über 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und beherbergt viele interessante Exponate. Es wurde 1987 erbaut und im Jahre 2006 erweitert. Die Begrüßung übernahm Peter Ocker, Vorsitzender des Fördervereins Segelflugmuseum mit Modellflug. "Ein höheres Museum in Hessen gibt es nicht", stellte er zunächst fest. Über die Jahre habe man den Wandel zu einem "lebenden Haus" angestrebt. "Die ersten Erfolge können Sie heute im Museum sehen." Fliegendes Klassenzimmer, Erklärfilme, Zeitzeugeninterview, 3D-Animationen seien nur einige Beispiele.
Die NS-Zeit habe auch hier ihre Spuren hinterlassen. Ocker betonte, dass neben der regionalen Geschichte vor allem die Auseinandersetzung mit der gezielten Instrumentalisierung des Sports durch die Diktatur ein zentraler Bestandteil des neuen Ausstellungsbereichs sei. Hermann Müller, Mitglied des Kreisausschusses des Landkreises Fulda, erklärte, dass ihm die Wasserkuppe bereits als Kind ans Herz gewachsen sei. Als Geburtsstätte des Segelflugs erfreue sich dieser Ort großer Beliebtheit bei Flugsportbegeisterten, Touristen und Einheimischen. "Nun kommt ein neuer Ausstellungsteil hinzu - ein sensibles Thema, das mit großer Sorgfalt behandelt wurde."
"Geschichte verständlich, greifbar und diskutierbar machen"
Timo Gremmels (SPD), Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, kam ebenfalls zu Wort: "Es ist mir eine ganz besondere Ehre hier zu sein - einem Ort mit herausragender historischer Bedeutung in Bezug auf den deutschen und internationalen Segelflug." Die Eröffnung des ersten Ausstellungsbereichs stelle ein wichtiges Zeichen für zeitgemäße Museumsarbeit dar. "In den vergangenen Jahren haben Sie Ihr Museum mit großem Engagement und sehr viel Weitblick weiterentwickelt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die nationalsozialistische Aneignung des Segel- und Modellflugs innerhalb der Dauerausstellung zu intergrieren und erstmals thematisch aufzuarbeiten." Dieser Schritt sei "längst überfällig". Der Minister weiter: "Ich freue mich, dass dieses anspruchsvolle Kapitel der Geschichte so verantwortungsvoll aufgearbeitet wurde. Damit entwickeln Sie Ihr Haus konsequent zu einem außerschulischen Lernort, der unterschiedliche Zielgruppen erreicht."
Ein besonderer Lernort für Jung und Alt
Michael Brand (CDU), Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sprach von einem besonderen Ereignis mit dem Start dieser Ausstellung. Es werde nicht nur die Begeisterung für den Segelflug sichtbar, sondern zugleich auch das dunkle Kapitel der Geschichte aufgearbeitet - mit all den Mechanismen von Propaganda, Verführung und Instrumentalisierung. Die Wasserkuppe verkörpere für ihn einen Ort von "Zeit- und Sportgeschichte - mit regionaler, nationaler und internationaler Bedeutung". Diese Dimension müsse man sich bewusst machen, denn die Wasserkuppe und das Segelflugmuseum seien ein wertvoller Lernort - sowohl für den MINT-Bereich als auch für die politische Bildung.
Großes Interesse bei Ausstellungsstart
MdL Sebastian Müller hob das große Interesse an der neuen Ausstellung hervor und betonte, wie wichtig es sei, die Entwicklung des Museums konsequent weiterzuführen. Hier werden laut Müller naturwissenschaftliche Grundlagen und geschichtliche Aspekte auf einzigartige Weise zusammengeführt. Eine solche Verbindung sei selten zu finden. "Das gerade macht die Faszination aus, von denen dieser Ort seit so vielen Jahren profitiert. Und es zeigt uns: Wir haben einen gemeinsamen gesellschaftlichen Auftrag, diese spürbare Faszination, für junge Menschen erlebbar zu machen." (mkr) +++