Don’t dream it’s over
Benefizkonzert für Martin Günzel im Fuldaer Hof
Alle Fotos: Martin Engel
28.03.2026 / FULDA -
"Heute ist ein heiterer Abend, denn wir denken an einen tollen Menschen", begrüßte Frank Tischer alle, die in den "Fuldaer Hof" gekommen waren. Damit setzte er den Grundton für dieses Benefizkonzert, das zu Ehren und zur Erinnerung an Martin Günzel stattfand. Tischer hatte es für seinen 2021 verstorbenen Freund und Kollegen organisiert – und weil das Konzert ganz im Sinne Martin Günzels sein sollte, wurde erstens Musik gespielt, die dieser gemocht hätte und gingen zweitens alle Einnahmen als Spende an die Palliativstation des Fuldaer Klinikums.
Die Tage mit Leben füllen
Auch Martin Günzel war dort gewesen. "Viele denken, zu uns kommen die Menschen, um zu sterben", erklärte Dr. med. Sebastian Schiel, der Leiter der Palliativmedizin am Fuldaer Klinikum. "Aber so ist das nicht. Wir betreuen Menschen und füllen ihre Tage mit Leben." Das alles mit einem Team von spezialisierten Fachärzten, Pflegekräften, Therapeuten, Seelsorgern und Hospizhelfern. Nicht der Tod, das Leben steht im Mittelpunkt der Palliativmedizin – und zwar das gute Leben, die Lebensqualität. Dafür setzen sich alle ein. Natürlich geht es auch um Schmerzbehandlung, Versorgung und Hilfe für Angehörige. Dabei hilft ein Förderverein. Denn zur Lebensqualität kann es gehören, auch außergewöhnliche Wünsche zu erfüllen."Eines Tages werden wir alle sterben, aber an allen anderen Tagen nicht" – mit dieser lebensbejahenden Botschaft stimmte Frank Tischer dann alle auf das Konzert ein. Musiker und Tontechniker, Gastronomie, Werbung – alle arbeiteten ehrenamtlich und kostenlos, so dass 100 Prozent der Erlöse an die Palliativmedizin gespendet werden konnten.
Fast wie ein Klassentreffen
Der historische Saalbau des Fuldaer Hofs in Maberzell war die ideale Location für das Konzert. Erbaut wurde der Saal 1904, 2024 dann aufwendig restauriert. Der Raum mit den bodentiefen Türen, meterhohen Wänden und den beeindruckenden Deckenmalereien allein ist schon den Besuch wert. Das dachten sicher auch die zahlreichen Besucher:innen, die Lust auf Musik, Gespräche und Getränke mitgebracht hatten. Es gab keinen freien Platz mehr! "Hier sind die Leute, die schon vor 20 Jahren in unseren Konzerten waren", erklärte Gitarrist Markus Grothe von "3klang", der Band, die das Konzert eröffnete. "Und deswegen ist das hier ein bisschen wie auf einem Klassentreffen." Neben Grothe spielen Uli Kern und Frank Tischer in der Band. Lagerfeuer, Jam-Session und Dylan-Tribute
Wenn damit gute Laune und gute Stimmung gemeint waren, eine absolut zutreffende Diagnose. "3Klang" spielte überwiegend Songs aus den 70ern und 80ern, die so gut wie alle gekannt haben dürften. Es waren Songs zum Zuhören oder begeisterten Mitsingen – wie etwa Crosby, Stills & Nashs "Helplessly hoping", "Elton Johns "Rocket Man", "Tequila Sunrise" von den Eagles und zum Abschluss "Hey Jude" von den Beatles sowie "Mama Loo" von den Les Humphries Singers.Einen anderen Ton setzte die zweite Band des Abends, "Church of Elder". Es wurde rockig. Zur Band gehören Norman Meiritz, Mario Kurätzki, Magnus Schmerfeld, Bernhard Kiessling und Alfred Hahner. Anders als "3Klang" spielten sie überwiegend eigene Kompositionen und wirkten eher wie eine Band in einer privaten Jam-Session. Das war ein ruhigerer, fast meditativer Konzertteil, der weniger durch den Gesang als durch die musikalischen Klangbögen faszinierte – und in der Mitte genau richtig plaziert war.
Den Abschied feiern
Ja, Musik kann trösten, aufbauen und Menschen verbinden. Ja, die Traurigkeit über einen Menschen, den man verloren hat, kann sich auch in Freude, Rhythmus und Gesang äußern. Unwillkürlich stand einem eine Szene aus der dritten Staffel der US-Serie "Boston Legal" vor Augen, in der Michael J. Fox als krebskranker Daniel Post seine eigene Beerdigung nicht nur organisiert, sondern mitfeiert. Mit allen Menschen, die ihm in seinem Leben wichtig waren und sind.So ähnlich war es auch im Fuldaer Hof, und wahrscheinlich betrachtete Martin Günzel von weit droben im sternklaren Himmel seine Musikerfreunde und das begeisterte Publikum und freute sich über diese wunderbare Hommage. Und auch das wird ihn gefreut haben: Bis 23 Uhr waren schon 2.500 EUR Spenden zusammengekommen. (Jutta Hamberger) +++