Zum Glück nur eine Übung
Ausnahmesituation im Vogelsberg: Zwei Dörfer müssen evakuiert werden
Fotos: Lips/Vogelsbergkreis
27.03.2026 / ALSFELD -
Ausnahmesituation im Vogelsberg: Meterhoch schlagen die Flammen, die Hitze ist unerträglich, dichter Rauch liegt über dem Dorf, die Lage wird immer bedrohlicher, Angersbach und Blitzenrod müssen innerhalb der nächsten Stunden evakuiert werden. Gleichzeitig ist in Alsfeld die Hartmann-Kreuzung blockiert, Aktivisten haben sich dort festgeklebt. Im Krankenhaus ist die Klimaanlage ausgefallen, ein ganzer Trakt muss geräumt, Patienten müssen verlegt werden und im Altenheim brennt der Dachstuhl. Und was war noch einmal mit dem entgleisten Zug in Schwalmtal?
Ganz schön viel auf einmal. Und ganz schön fordernd für den Katastrophenschutz- und den neu gebildeten Verwaltungsstab in der Vogelsberger Kreisverwaltung. Zwei Tage lang wird den rund 80 Stabsleuten alles abverlangt – natürlich "nur" ein Übungsszenario. Aber das hat es wahrlich in sich.
Apropos Wasser: Plötzlich taucht ein Bild im Netz auf von einem Festival in Schlitz, verzweifelt versuchen die Besucher dort, an Wasser zu gelangen. "Wir haben keine Kapazitäten mehr, unsere Rettungskräfte arbeiten am Limit. Ebenso die Feuerwehren, wir können keine zusätzlichen Brandwachen stellen in dieser Zeit", so die Rückmeldung aus der Einsatzzentrale der Katastrophenschützer. "Okay, keine Frage. Das Festival muss abgesagt werden", entscheidet Landrat Dr. Jens Mischak.
Das wird passieren, denn mittlerweile muss von 200 Verletzten ausgegangen werden. Der Flächenbrand bei Angersbach hat bereits fünf Hektar erfasst, breitet sich immer weiter aus, bei Kirtorf stehen 20.000 Quadratmeter in Flammen, das Feuer frisst sich vor in Richtung Truppenübungsplatz. Am Nidda-Stausee werden sechs bis acht Menschen vermisst, noch liegen keine gesicherten Informationen vor. Beim Festival in Schlitz wird einfach weitergefeiert, obwohl es abgesagt wurde, auch dort sind schon 50 Verletzte zu behandeln. Dann die Meldungen über die Klimaaktivisten, über die bevorstehenden Evakuierung zweier Dörfer, über Krankenhaus und Altenheim…
Das alles stößt natürlich auf ein riesiges Medieninteresse – der Vogelsbergkreis hat auch in diesem Fall etwas Besonderes zu bieten: Eine Pressekonferenz mit dem hessischen Innenminister Prof. Roman Poseck. Regionale Medien haben sich angesagt, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, aber auch ein Privatsender hat seinen Reporter nach Lauterbach geschickt. Der Innenminister hat gemeinsam mit dem Landrat gerade verschiedene Einsatzstellen besucht, sich ein Bild der Lage gemacht. Beide loben den unglaublichen Einsatz der Helfer unter schwierigsten Bedingungen, sprechen ihnen einen großen Dank aus. Und sie stellen sich den Fragen der Journalisten (natürlich handelt es sich auch hierbei um Lülf-Mitarbeiter). "Gab es Versäumnisse in der Vorbereitung auf die vorhersehbare Hitzewelle?", will der RTL-Reporter wissen. Unsere Antwort: Nach dieser zweitägigen Übung doch wohl kaum! (mis/pm) +++