"Emotionale Reise"

Herzenswunsch geht in Erfüllung: 88-Jährige besucht das Grab ihres Sohnes

Herzenswunsch geht in Erfüllung: Die Seniorin verabschiedet sich von ihrem Sohn am Grab. Gudrun Höhl (r.) begleitete die 88-Jährige.
Fotos. privat

28.03.2026 / NEUHOF/NEUBRANDENBURG - Ein Abschied, der lange unerreichbar schien: Eine Bewohnerin des Seniorenpflegeheims Stiftung Mutter Theresa in Neuhof (Kreis Fulda) trug lange einen großen Herzenswunsch in sich. Einmal das Grab ihres Sohnes im mecklenburg-vorpommerschen Neubrandenburg zu besuchen. Aus eigener Kraft hätte sie die 600 Kilometer weite Reise niemals geschafft. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) machte genau das möglich. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS erklärt die 88-Jährige: "Trotz aller Traurigkeit empfand ich zugleich große Dankbarkeit, diese Fahrt wahrnehmen zu dürfen."



Bei der Beerdigung ihres Sohnes vor zwei Jahren konnte sie selbst nicht anwesend sein - damals lag die Seniorin im Krankenhaus. Wie die Geschichte dann ins Rollen kam, weiß Gudrun Höhl. Sie ist Qualitätsbeauftragte und Praxisanleitung für die Auszubildenden. Die 57-Jährige erinnert sich: "Bekannte der Bewohnerin hätten gesagt, dass sie mit ihr hinfahren würden, wenn es ihr besser geht. Aufgrund des gesundheitlichen Zustandes schien mir das Vorhaben extremst unwahrscheinlich, wenn nicht gar unmöglich." Ihr kam das Angebot des ASB-Wünschewagens in den Sinn. Dieser gibt schwerstkranken Menschen die Chance, in ihrer letzten Lebensphase einen Herzenswunsch erfüllt zu bekommen. Höhl holte sich schließlich grünes Licht seitens der Einrichtungsleitung, der Betreuer und Angehörigen. Als alles passte, machte sie der Bewohnerin den Vorschlag. "Sie war sofort begeistert von der Idee."

Für alle Beteiligten eine "besondere Erfahrung"

Die Planungen für die Fahrt liefen an. Fest stand: Eine Pflegekraft sollte die Bewohnerin begleiten. Da sich die Suche nach einer geeigneten Person schwieriger gestaltete als gedacht - der Einsatz erfolgt ehrenamtlich in der Freizeit - sprang Höhl kurzerhand selbst ein. Diese Entscheidung habe sie keine Sekunde bereut. "Ich bin sehr froh über die Erfahrung - es war ein Erlebnis, das wir nicht so schnell vergessen werden."

Die Fahrt sollte mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Eine Übernachtung war erforderlich. Der ASB übernahm die komplette Organisation. Die Bewohnerin wurde in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung in Neubrandenburg aufgenommen, während die beiden Fahrer und die begleitende Pflegekraft in einem Hotel untergebracht wurden. Eine besonders herzliche Geste: "Die Kurzzeitpflegeeinrichtung schenkte der Bewohnerin sogar den Aufenthalt, weil sie die Aktion so toll fanden."

Emotionale Reise, die in Erinnerung bleibt

Der ASB-Wünschewagen mit seinen Fahrgästen an Bord startete direkt um 8 Uhr morgens. Das Ziel im Norden Deutschlands erreichten sie am frühen Abend. "Es war für den Friedhof bereits zu dunkel, also entschieden wir, am nächsten Morgen den Friedhof zu besuchen", so Höhl. Ein Bekannter des verstorbenen Sohnes begleitete sie am nächsten Tag zu der Grabstelle. "Wir haben uns zwar nicht lange dort aufgehalten - und doch war es ein bewegender Moment für uns alle."

Wieder in der Heimat angekommen, fragte Höhl die Bewohnerin, wie es ihr nach der langen Reise gehe. Sie strahlte: "Es war sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Ich war noch einmal bei meinem Sohn - das war mir unglaublich wichtig." Eine Aktion, die zeigt: Gemeinsam lässt sich viel erreichen.
(mkr) +++

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