"Opferschutz vor Datenschutz"
Hessen fordert schnelle Lösung im Kampf gegen Kindesmissbrauch im Netz
Archivbild: O|N
22.03.2026 / REGION -
Kurz vor dem Auslaufen einer EU-Übergangsregelung zur Erkennung von Missbrauchsdarstellungen im Internet wächst der politische Druck auf eine Anschlusslösung. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und Innenminister Roman Poseck (CDU) warnen vor gefährlichen Schutzlücken und fordern schärfere Maßnahmen sowie klare rechtliche Grundlagen.
Eine Übergangsregelung der Europäischen Union (EU) ermöglicht Kommunikationsdiensten, Missbrauchsdarstellungen freiwillig zu erkennen und an die Strafverfolgungsbehörden zu melden. Die bislang geltende Übergangsregelung von europäischen Datenschutzregeln läuft Anfang April 2026 aus, ohne dass eine Anschlusslösung beschlossen wurde. Wichtig ist nun, dass die nun schon seit fast vier Jahren andauernden Verhandlungen über die sog. CSA-Verordnung (zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern) schnellstmöglich erfolgreich und mit schlagkräftigen Instrumenten abgeschlossen werden.
Rhein: "Mehr Härte gegen Täter"
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sagt: "Wir brauchen viel mehr Härte gegen Täter, die sich auf abscheuliche Weise an den Schwächsten in unserer Gesellschaft vergehen. Für mich ist klar: Kinderschänder haben ihr Recht auf Privatsphäre verwirkt. Wir brauchen jetzt schnellstmöglich eine dauerhafte Lösung für Kontrollen von Chats auf EU-Ebene – und keine dauerhafte Leerstelle. Schutzraum statt Schutzlücke – das muss die Devise sein. Kriminelle nutzen digitale Plattformen gezielt aus, um schwerste Straftaten zu begehen und zu verschleiern. Deshalb müssen wir das Recht so gestalten, dass Ermittlungsbehörden handlungsfähig bleiben und Täter konsequent verfolgt werden können.In das Schutzpaket für unsere Kinder gehören die digitale Spurensicherung gegen Kinderpornografie über die IP-Adressdatenspeicherung und ein lebenslanger Eintrag ins Führungszeugnis für Sexualstraftäter – damit Pädophilen in Beruf oder Ehrenamt keine Kinder mehr anvertraut werden können. Kinder werden immer wieder Opfer von physischer und psychischer Gewalt – zuhause, im Sportverein und in der sozialen Welt. Dem darf der Staat nicht tatenlos zusehen. Für Hessen gilt: Opferschutz vor Datenschutz.
Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass Plattformbetreiber ihren Teil zum effektiven Schutz von Kindern und Jugendlichen beitragen. Wer die Verbreitung intimer Inhalte oder Deepfakes ermöglicht oder nicht wirksam unterbindet, darf sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Beim letzten Ministerpräsidentengipfel haben wir die Forderung durchgesetzt, Betreiber von Internet- und Social-Media-Plattformen für die Verbreitung intimer Bilder und KI-Deepfakes härter zu bestrafen und die Beweislastumkehr zulasten der Täter einzuführen."
Poseck: "Es darf keine Schutzlücken geben"
Innenminister Roman Poseck betont: "Dass es auf europäischer Ebene nicht gelungen ist, die Regelungen über das freiwillige Aufdecken von Missbrauchsdarstellungen zu verlängern, ist ärgerlich. Im Kampf gegen Kindesmissbrauch im Internet brauchen wir wirksame Instrumente und klare rechtliche Grundlagen. Es darf keine Schutzlücken geben, von denen Täter profitieren.In Hessen haben wir bereits 2020 mit "FOKUS" eine hochprofessionelle Ermittlungseinheit im Hessischen Landeskriminalamt geschaffen, die sich ausschließlich auf die Aufklärung von Kindesmissbrauch und Kinderpornografie in Hessen konzentriert – von der Auswertung digitaler Spuren bis zur internationalen Zusammenarbeit. Die Zahlen für 2025 zeigen, wie dringend dieser Einsatz ist. Während 2025 ein leichter Rückgang bei Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornographie um 6,2% verzeichnet werden konnte, ist der Anstieg bei tatsächlichen Missbrauchsdelikten von Kindern um 24,5% auf 1.341 Fälle erschreckend.
Allein im vergangenen Jahr haben wir in Hessen über 358 Präventionsveranstaltungen im Rahmen unseres Programms Digital Native durchgeführt, bei denen wir 15.687 Kinder, Jugendliche und Erzieher über die Gefahren sexualisierter Gewalt im Netz aufgeklärt haben. Unser Ziel bleibt klar: Täter müssen überführt und Kinder müssen geschützt werden. Dabei setzen wir auf die volle Härte des Rechtsstaats und auf Prävention." (pm/ems) +++