Angeklagt ist heimtückischer Mord

Nach Bluttat beim Überlandwerk Rhön: 59-Jährige von 22-Jährigem erstochen

Hier fand im Juli 2025 die Bluttat an der 59-Jährigen statt
Archivfoto: O|N Carina Jirsch

20.03.2026 / MELLRICHSTADT - Am Landgericht Schweinfurt hat der Prozess gegen einen 22-Jährigen begonnen, der laut Anklage heimtückisch und aus Mordlust eine 59-jährige Kollegin mit zahlreichen Messerstichen umgebracht hat. Die unterfränkische Stadt Mellrichstadt stand Anfang Juli 2025 unter Schock, als es in einem Bürogebäude des regionalen Stromversorgers Überlandwerk Rhön zu dem tödlichen Messerangriff kam. Der damals 21-jährige Mitarbeiter hatte am frühen Morgen drei Kollegen attackiert. Eine 59-jährige Beschäftigte war noch am Tatort ihren schwersten Verletzungen erlegen, zwei weitere Männer im Alter von 55 und 62 Jahren wurden bei der Messerattacke schwer verletzt. Kolleginnen und Kollegen konnten den Angreifer schließlich überwältigen, woraufhin die Polizei ihn festnahm. Die mutmaßliche Tatwaffe wurde sichergestellt.



Der junge Mann aus dem thüringischen Meiningen war an diesem Morgen ins Büro seines Chefs gestürmt und hatte dort gezielt auf seine Kollegin eingestochen. Der Oberstaatsanwalt nannte in der Anklage das Motiv: "Der Angeklagte verspürte seit Monaten das ernste und nachhaltige Verlangen, andere Menschen zu verletzen und zu töten". Ihm sei bewusst gewesen, dass die 59-Jährige völlig arg- und wehrlos war und mit keinem Angriff rechnen konnte.

Vor dem Landgericht erklärt der 22-Jährige, er habe die Frau gehasst. Er habe sich von der Kollegin, die er seit seiner Ausbildung gekannt habe, schlecht behandelt gefühlt. Nach seiner Festnahme vor neun Monaten hatte er allerdings davon nichts gesagt, sondern von Mordfantasien gesprochen. Er gab damals an, schon seit längerer Zeit einen "inneren Drang zur Tötung eines Menschen" verspürt zu haben, den er bisher durch Tabletten- und Cannabiskonsum gedämpft habe. Bereits vor dem Angriff sollen seine Mordfantasien deutlich intensiver geworden sein. Schließlich soll er den Entschluss gefasst haben, "irgendeinen Menschen" mit einem Messer zu töten. Weil er zunächst kein geeignetes Opfer gefunden habe, sei schließlich seine Kollegin in seinen Fokus geraten, ohne dass ein persönlicher Konflikt bestanden habe. Die beiden anderen Kollegen, darunter sein eigener Vorgesetzter, habe er hingegen nicht verletzen oder töten wollen.

Mit dem Chatbot über seine Mordfantasien ausgetauscht

Besonders bizarr: Der Mann soll sich vor der Tat außerdem mit einem Chatbot darüber ausgetauscht haben, dass er gerne jemanden töten würde. Inwiefern dieser Austausch das Verhalten des Beschuldigten beeinflusst hat, war Teil der Ermittlungen. Der damals 21-Jährige hatte sich laut Ermittlungen vor der Tat intensiv mit Serienmördern, Mord, Verhaftung und Forensik befasst und auch mit der Frage, wie man eine Leiche entsorgen könne. Unmittelbar nach dem tödlichen Angriff war der Verdächtige in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden, da Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung bestanden. Doch ein psychiatrischer Gutachter sah keine Anhaltspunkte für eine Schuldunfähigkeit zum Tatzeitpunkt. Deshalb wurde er in die Untersuchungshaft verlegt.

Für den Prozess am Landgericht Schweinfurt sind sechs Verhandlungstage angesetzt worden, das Urteil soll Mitte April folgen. (ci) +++

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