Großes Interesse beim Akademieabend

Starke Frauen im Mittelpunkt: Irene Langemann stellt ihren Roman vor

Romanautorin Gast der Katholischen Akademie: Irene Langemann und Gunter Geiger.
Fotos: Bistum Fulda

20.03.2026 / FULDA - "Heute Abend geht es um starke Frauen", begrüßte Akademiedirektor Gunter Geiger die zahlreichen Gäste beim Akademieabend im Bonifatiushaus der Katholischen Akademie Fulda. Im Mittelpunkt stand der Roman "Das Gedächtnis der Töchter" von Irene Langemann, die als Autorin, Schauspielerin und Filmemacherin ihr Buch vorstellte und daraus vorlas.



Langemann will die Erinnerung an das Schicksal ihrer deutschstämmigen Familie in der ehemaligen Sowjetunion nicht dem Vergessen preisgeben. In ihrem 2023 erschienenen Roman verarbeitet sie vor allem die Erinnerungen ihrer Mutter. Die Geschichte spannt über zwei Jahrhunderte und erzählt vom Schicksal von sechs Generationen – aus der Perspektive von Frauen.

Besonderer Besuch bei der Gedenkveranstaltung

Besonders begrüßt wurde unter den Gästen Margarete Ziegler-Raschdorf, ehemalige Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, die sich bis heute für die Belange der Russlanddeutschen einsetzt. Geiger betonte die Bedeutung der Erinnerungskultur: "Etwas gegen das Auslöschen der Erinnerung tun zu müssen", sei ein Anliegen, das er mit Langemann teile.

Langemann selbst ist in Sibirien zweisprachig aufgewachsen – in Deutsch und Russisch – und spricht zusätzlich den Dialekt Plautdietsch, der schon von ihren Vorfahren in Westpreußen gesprochen wurde. Ihre Familie gehörte der Mennoniten-Bruderschaft an, siedelte zunächst in Westpreußen, dann im Gebiet der heutigen Ukraine. Während der Deportationen unter Stalin 1941 wurde die Familie nach Sibirien verschleppt.

Literarische Aufarbeitung familiärer Erinnerungen

Im Roman schildert Langemann eindrücklich die Erlebnisse ihrer Mutter: Als junges Mädchen musste sie die Notdurft im Güterwaggon verrichten oder bei kurzen Halten auf den Gleisen, stets unter Beobachtung der Wachleute. Später arbeitete sie im Zwangsarbeitsdienst als Holzfällerin – hungrig, den Demütigungen und der Willkür der Aufseher ausgeliefert.

Langemann arbeitete zehn Jahre an dem Roman, immer wieder unterbrochen von Filmprojekten. Die Autorin verzichtete bewusst auf eine chronologische Erzählstruktur, um die Kontinuität der Unterdrückung über Generationen hinweg zu verdeutlichen. Dabei zieht sie auch Parallelen zur Gegenwart, etwa zu den Schrecken des Ukrainekriegs oder der öffentlichen Demütigung des Kremlkritikers Michail Chodorkowski.

"Ich bin Filmemacherin. Deshalb arbeite ich mit Bildern", erklärte Langemann, "ich möchte, dass der Lesende das Geschehen erspüren kann." Die reduzierte Sprache ihres Romans unterstreicht die Brutalität der historischen und politischen Ereignisse. Der Akademieabend machte deutlich, wie wichtig es ist, Geschichte lebendig zu halten und die Geschichte und das Schicksal von Russlanddeutschen sichtbar zu machen. (js/pm)+++

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